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Ermutigende Beispiele zweier junger Syrer
17.08.2018 - 00:00 Uhr
Sinzheim (red) - Mohamad Manzalj und Yaman Alabdullah sind freundliche junge Männer. Sie lachen gerne und viel, obwohl sie Grund genug hätten, mit dem Schicksal zu hadern. Der erbarmungslose Krieg in Syrien hat ihnen viel genommen, nicht aber den Glauben an eine gute Zukunft. Bei einer Tasse Tee sprachen sie mit Hans-Peter Szeip vom Arbeitskreis Integration in Sinzheim in Mohamad Manzaljs Kartunger Wohnung offen über ihre Geschichte und ihre Pläne.

Yaman Alabdullah war 15, als er vor fünf Jahren mit seinen Eltern und drei Brüdern die Heimatstadt Aleppo in Syrien wegen der Schrecken des Krieges verlassen musste. Das Haus der Familie ist längst zerstört, eine Rückkehr nicht vorstellbar. Nach einem Jahr in der Türkei wagte die Familie eine abenteuerliche Bootsfahrt nach Italien, von dort ging es nach Deutschland, teilt Hans-Peter Szeip mit.

Die vier Brüder lernten schnell deutsch, einer studiert inzwischen Informatik, Yaman Abdullah machte die mittlere Reife und unterstützt nun Landsleute bei Behörden als Dolmetscher. Eine Ausbildung als Bürokaufmann brach er allerdings ab, weil die sprachlichen Herausforderungen noch zu groß waren. Daran arbeitet er nun und überbrückt die Zeit mit einem Job. Deutsche Freunde hat er längst.

Sein Funkeln in den Augen sagt mehr noch als seine Worte, dass er fest entschlossen ist, was aus seinem Leben zu machen. Er glaubt an die Zukunft, und diese findet für ihn in Deutschland statt, soviel steht fest. Gedanken an die syrische Heimat, insbesondere an Freunde und Verwandte, machen ihn nachdenklich und wehmütig, aber das vom Krieg gebeutelte und teilweise zerstörte Land bietet ihm keine Perspektive mehr. Weniger die Zerstörungen, sondern der in sieben Kriegsjahren entstandene Hass und die Rachegelüste vieler Syrer lassen jeden Glauben an ein Leben in der alten Heimat schwinden. Er wird leise bei diesen Gedanken.

Yaman Alabdullah ist mittlerweile 20 Jahre alt. Er träumt von einer Selbstständigkeit und hat hierfür auch konkrete Pläne, spricht von einem orientalischen Restaurant. Wenn er seine Vision beschreibt, fällt auf, dass er weniger von materiellen Zielen spricht, sondern davon, mit seiner Familie gemeinsam zu arbeiten und was aufzubauen. Aus ihm spricht auch Dankbarkeit gegenüber seinen Eltern, die den schweren und gefährlichen Weg der Flucht auf sich genommen haben, um ihren Kindern eine Lebensperspektive zu bieten.

Mohamad Manzalj (29) hatte es ungleich schwerer. Er floh alleine aus Latakia, weil er nicht in der Armee für Präsident Baschar al-Assad kämpfen wollte. Und solange sich dieser an der Macht hält, ist eine Rückkehr ausgeschlossen. Er vermisst seine Familie und sein früheres Leben, in dem er als erfolgreicher Radsportler in der syrischen Nationalmannschaft fuhr, hat er Hans-Peter Szeip erzählt.

Er besucht mehrfach pro Woche den Integrationskurs in Bühl, um insbesondere seine Deutschkenntnisse zu verbessern. Nebenbei arbeitet er halbtags in der Radsportabteilung eines Sportartikelmarkts. Dort kann er sein technisches Verständnis für Fahrräder gut einsetzen, und er erfährt von Vorgesetzten und Kollegen viel Lob. Kurse und Job unter einen Hut zu bringen, ist gar nicht so leicht, erzählt er. Auch er hat Ziele und Träume. Er will, sobald sein Deutsch es zulässt, eine Ausbildung absolvieren, einen guten Beruf erlernen und sich hier eine Existenz aufbauen. Und er möchte am liebsten an seine früheren Erfolge im Radsport anknüpfen, wenngleich er weiß, wie schwierig dies sein wird nach Jahren ohne Training.

Zwei Männer, zwei Schicksale, zwei von Millionen, die der Flüchtlingskatastrophe ein Gesicht geben, zwei Geschichten, die aber auch Mut machen. Ihr Neustart kann gelingen, meint Hans-Peter Szeip.

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