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Vom Eibennadel-Gebräu bis zum Ilex-Schutz
Markus Brunsing erzählt über die Buche vor dem Haus des Kurgastes, die rund 60 Teilnehmer hören aufmerksam zu.  Foto: Rechel
17.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Veruschka Rechel

Baden-Baden - Unter dem Motto "Mythos Baum" lud das städtische Gartenamt zu einem geführten Rundgang durch die Lichtentaler Allee und die Kaiserallee ein. Bäume sind umgeben von Geschichten, Mythen und Sagen aus vielen Jahrhunderten. Uralte Überlieferungen und Traditionen erzählen von den vielschichtigen Verbindungen zwischen Mensch und Baum. Entsprechend groß war das Interesse an der Führung, die Gartenamtsleiter Markus Brunsing vornahm.

Rund 60 Baumfreunde hatten sich am Augustaplatz eingefunden, um seinen faszinierenden Ausführungen zu etwa 25 verschiedenen Bäumen zu folgen. Es begann mit der riesigen, geschlitztblättrigen Buche, die vor dem ehemaligen Haus des Kurgastes steht. "Ihre ausladende Krone wölbt sich wie ein Dom über den Stamm und spendet so einen wohltuenden Schatten", schwärmte Brunsing über ihren Habitus. Auch, wenn der Augustaplatz irgendwann umgebaut wird: "Diese Buche bleibt!"

Auch über die Platane ein Stückchen weiter wusste er Interessantes zu berichten. Im Frühjahr wächst sie in die Höhe, anschließend mehr in die Dicke. Durch den extrem warmen Sommer in diesem Jahr legte sie so zu, dass es ihre Borke sprengte und diese mit dem Wachstum nicht so schnell nachkam. Das erkläre die vielen Rindenstücke auf dem Boden.

Der Ilex (Stechpalme) beim Steinbrunnen ist zwar botanisch betrachtet ein Busch, aber so groß wie ein Baum. Deshalb wollte Brunsing ihn nicht auslassen, zumal er im Mittelalter eine große Rolle spielte, wenn es um den Schutz vor marodierenden Banden ging. Bei Überfällen versteckte sich die Bauernfamilie unter dem Busch in der Hoffnung, dass die stacheligen Blätter die Horden abhalten würden. Das immergrüne Laubgewächs war früher für die Menschen etwas Besonderes, erst recht im Winter durch seine roten Früchte. Damals entstand die beliebte Weihnachtsdekoration mit Stechpalmenzweigen, die wir heute noch kennen. Außergewöhnlich ist, dass nur die Blätter im unteren Bereich stark bestachelt sind, nämlich auf der Höhe von Rehmäulern und Co. Weiter oben sind die Blattränder nahezu glatt.

Neben der Augustabrücke steht eine große Eibe, die im Mittelalter ebenfalls von großer Bedeutung war, da aus ihrem Holz die Bögen für die Pfeile gemacht wurden. Dieser Baum wächst auffällig oft um alte Ritterburgen herum, weil er damals so für den Waffennachwuchs sorgte. Dass die Eibe extrem giftig ist, wussten nicht nur die Rachegöttinnen der griechischen Mythologie zu schätzen, sondern auch Schwangere vergangener Jahrhunderte, indem sie einen Sud aus Eibennadeln zur Abtreibung nutzten. Ein Highlight beim Steinbrunnen ist die Hänge- oder Trauerbuche. Fast jeder kennt den Rat des Volksmundes bei Gewitter, "Eichen sollst Du weichen, Buchen sollst Du suchen", aber kaum jemand weiß, warum. Der Grund: An der glatten Buchenrinde läuft das Regenwasser schneller ab als an der rauen Eichenborke, die dem Blitz mehr Angriffsfläche bietet.

Angesichts der schönsten und ältesten Dreiergruppe aus Ginkgo-Bäumen empfahlen gleich einige Besucher Ginkgo-Extrakt gegen vorzeitige Alterserscheinungen wie Falten und Gedächtnislücken. Nachdem Brunsing erzählte, dass ein Ginkgobaum 600 Meter von der Einschlagstelle der Atombombe in Hiroshima entfernt im Frühjahr darauf schon wieder austrieb, war auch der letzte Zweifler von dieser Wirkung überzeugt. Und Markus Brunsing setzte noch eins drauf: "Wer diese Bombe überstanden hat, überlebt auch den Klimawandel."

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