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Stetes Wachstum auch im 90. Jahr
Mitarbeiter Mario Christ am neuen Pick-and-Place-Roboter, der mit Easy-Eye-Technik ausgerüstet ist. Foto: Philipp
23.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Ulrich Philipp

Baden-Baden - In den 1920er Jahren lag Baden wie ganz Deutschland nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg wirtschaftlich am Boden. Die Alliierten hatten dem Land im Versailler Vertrag Reparationszahlungen aufgebürdet, und das Elsass war seit 1919 französisches Staatsgebiet. Dennoch schickten sich allen Widrigkeiten zum Trotz tatkräftige Männer und Frauen an, den Aufbruch in die Moderne zu wagen. Einer davon: der Hauenebersteiner Handwerker Albert Reiß.

Die Zahl der Unternehmensgründungen nahm in diesen Jahren zu, auch in Baden herrschte eine teilweise fast euphorische Stimmung des Neubeginns. In Haueneberstein gründete Albert Reiß im Jahr 1928, ein Jahr vor Beginn der Weltwirtschaftskrise, ein Blechner- und Installationsgeschäft. Dass dieser Betrieb auch Jahrzehnte später noch existiert, das hätte sich Reiß vermutlich nicht träumen lassen, umso mehr dürfte er sich freuen, wenn er das von ihm aus der Taufe gehobene Unternehmen heute betrachten könnte.

Im 90. Jahr seines Bestehens zählt die Firma Arku, wie sie heute heißt, zu den weltweit marktführenden Herstellern von Präzisions- und Hochleistungsrichtmaschinen. Im laufenden Geschäftsjahr rechnet das Unternehmen mit einer Gesamtleistung von 65 Millionen Euro, Tendenz weiter steigend: "Es brummt", erklärt der heutige geschäftsführende Gesellschafter und gleichnamige Enkel des Firmengründers, Albert Reiss, der die Leitung des Unternehmens im Jahr 1986 von seinem Vater Artur übernommen hat. Letzterer hat übrigens den Namen Arku kreiert, der für "Artur Reiss Kuppenheim" steht. In den Nachbarort hatte er in den 60er Jahren den Betrieb verlegt, war nach einigen Jahren aber wieder in die Gemeinde am Eberbach zurückgekehrt. Seit einer Namensänderung schreibt sich Reiss zudem mit zwei "s". Außer dem Hauptstandort in Haueneberstein mit 170 Mitarbeitern gibt es heute zwei weitere in Cincinnati/Ohio in den USA sowie im chinesischen Kunshan mit jeweils etwa 15 Angestellten. "In den letzten 20 bis 30 Jahren hatten wir jährlich ein Wachstum von durchschnittlich zehn Prozent", betont Reiss im Gespräch mit dem BT. "Dabei haben wir eine Exportquote von 70 Prozent, wovon wiederum die Hälfte nach Amerika und Asien geht", fährt er fort. Insgesamt werden Kunden in rund 30 Ländern beliefert, kein Wunder, dass Reiss da gegen die gerade von den USA verhängten Zölle ist. Die seien eine Gefahr für den Welthandel und würden vor allem auf die USA selbst zurückfallen und diesen in erster Linie schaden.

Speziell sein Unternehmen Arku sei in einem Nischensegment aktiv und habe in den USA keine ernstzunehmenden Wettbewerber. Das Land sei daher mehr oder weniger auf importierte Maschinen angewiesen. Unter weltweit zehn Herstellern von Richtmaschinen sei Arku der größte, es gelte global aufgestellt zu sein, so Reiss.

Die größte Herausforderung sei momentan der Facharbeitermangel erklärt er. Aus diesem Grund investiert der Maschinenbauer in die Ausbildung von Nachwuchskräften. Momentan absolvieren sieben Studenten bei ihm ihr duales Maschinenbaustudium, das heißt, dass sie im Wechsel immer drei Monate im Betrieb und danach wieder drei Monate an der Universität in Karlsruhe sind. So verdienen sie bereits während ihrer Ausbildung Geld. "Wir bieten das an, weil man sich anstrengen muss, geeignete Bewerber zu bekommen", betont Reiss. Zusätzlich werden aktuell insgesamt zehn junge Menschen zu Mechatronikern und Industriemechanikern ausgebildet. Gemeinsam mit ihren Vorgesetzten und der Unternehmensleitung engagieren sie sich außerdem in einem sozialen Projekt. Im vergangenen Mai beispielsweise haben sie einen Spielplatz in der Merkurstraße hergerichtet und unter anderem mit Hilfe von Rindenmulch den Boden erneuert. "Wir waren dabei alle sehr motiviert" sagt Reiss.

Was die Zukunft seines Unternehmens betrifft, zeigt sich der Geschäftsführer optimistisch: "Wir sind zuversichtlich, die richtigen Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt zu haben", sagt er auch mit Blick auf einen neu installierten, selbstlernenden Roboter. Der erkennt dank der Kameratechnik Easy Eye unterschiedliche Materialien und Stärken und kann bis zu 100 Kilogramm schwere Metallteile auf Richtmaschinen mit Namen wie "Edge Breaker 2000" oder "Flat Master" hieven. "Wir automatisieren unsere Prozesse seit Jahren", fährt Reiss fort, wodurch die gewohnt hohe Qualität erreicht werden könne. Ein weiterer Effekt: Dadurch ist die Produktion mit wenigerFacharbeitern möglich.

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