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Hirschbrücke: 1818 in schwierigen Zeiten erbaut
03.09.2018 - 00:00 Uhr
Von Roland Seiter

Baden-Baden - Die Hirschbrücke ist Steinbachs wichtigste Brücke. Sie liegt direkt am Postplatz. Interessant ist das Bauwerk aber auch aus geschichtlicher Sicht. Die 1818 erbaute klassizistische Hirschbrücke ist ein Kulturdenkmal und steht unter Denkmalschutz. Markant ist ihre noch aus barocker Zeit stammende Nepomukfigur.

Das Datum des Jahres 1818 ist in den bergseitigen Brückenbogen eingemeißelt. Die über den Steinbach führende Sandsteinbrücke erinnert mit ihren außergewöhnlichen Ruhebänken zwischen den gegliederten Postamenten an die Tulla-Brücke in Weingarten bei Karlsruhe.

Die Statue des Brückenheiligen Johannes von Nepomuk auf der westlichen Brüstung wurde nach einem Verkehrsunfall Anfang der 1960er Jahre durch eine Kopie ersetzt. Das inzwischen restaurierte Original schmückte bereits die Vorgängerbrücke. Denn dort, wo heute die architektonisch aufwendige und gestalterisch gelungene Hirschbrücke steht, befand sich bis Anfang des 19.Jahrhunderts ein in die Jahre gekommenes, recht zerschlissenes Bauwerk.

Die Stadt Steinbach musste auf Anordnung der vorgesetzten Behörde die Brücke beim "Hirschen" reparieren. Durch Steinbach, und somit über die Hirschbrücke, verlief die wichtige Verbindungs- und Handelsstraße von Frankfurt nach Basel. Sie war von überregionaler Bedeutung und wies ein für damalige Verhältnisse hohes Verkehrsaufkommen auf. Bald aber reifte der Plan, die wichtige Brücke erweitert neu zu errichten. Die Kosten sollten aus dem Stadtsäckel bezahlt werden. Der Bauplan stammte von Ingenieur Obrecht vom Großherzoglichen Direktorium des Murgkreises Rastatt.

Laut Obrecht sollte eigentlich am 27. Oktober des Jahres 1812 mit der "Beischaffung der Materialien" begonnen werden. Für den Betrag von 1625Gulden waren die Arbeiten bereits an die Bühler Firma Fidel Trapp vergeben worden. Allerdings sah sich die Stadt Steinbach nicht in der Lage, die Bausumme aus der Stadtkasse zu bezahlen. Deshalb unterstützte das Murgkreisdirektorium die Bitte des Steinbacher Stadtrates, die Brückenbaukosten aus der Chausseekasse zu übernehmen, aus der die Kosten für den Straßenbau bestritten wurden.

Dem Innenministerium begründete der Steinbacher Magistrat seinen Antrag: Die Landstraße sei zuvor mit Steinen gepflastert worden. Dazu seien 2000 Wagenladungen erforderlich gewesen. Mitsamt dem Steineklopfen sei alles in Fronarbeit ausgeführt worden. In dieser Zeit hätten die Steinbacher aber ihrer lebensnotwendigen Feldarbeit nicht nachgehen können.

Gewicht der Steine für Fuhrwerkeoftzuschwer

Durch das hohe Gewicht der sehr großen heranzutransportierenden Granitsteine seien Fuhrwerke und auch Geschirr häufig zerbrochen. Die Granitsteine seien sehr schwer zu zerschlagen gewesen. An anderen Orten würden Züchtlinge und Sträflinge diese Arbeiten ausführen. Zudem sei die Gemeinde nach langen und harten Kriegszeiten hoch verschuldet.

Die Bühler Firma forderte 1814 eine Abschlagszahlung von 600 Gulden für bereits ausgeführte Reparaturen von der verarmten Meister-Erwin-Stadt. Steinbach war aber schlichtweg nicht in der Lage, den Betrag zu entrichten. Die Baufirma erhob schließlich beim Hofgericht in Rastatt Klage auf Zahlung.

Ein neuer Plan kam im Jahre 1818 auf den Tisch: Weil viele und besonders schwere Güterfuhrwerke auf der Strecke von Frankfurt nach Basel die Brücke beim "Hirschen" passierten, schenkte man an höherer Stelle den durch Hochwasser entstandenen Beschädigungen am Gewölbe eine starke Beachtung, "weil durch einen Einsturz ein großes Spektakel entstehen könnte".

Der neue Plan wurde zur Steigerung an Baufirmen ausgeschrieben. Das Fundament sollte laut den Plänen zwei Meter tief im Flussbett verankert, das Gewölbe sollte zwei Meter hoch werden. Die Fahrbahn war von bisher 4,20 Meter auf künftig 7,20 Metern zu verbreitern. Insgesamt sollte die Brücke letztlich 9,60 Meter breit werden.

Die Steine wurden am Fremersberg gebrochen. Beachtliche 22 Fuhren Kalk karrten schwer beladene Fuhrwerke vom Ebersteinburger Kalksteinbruch in den Ochsenmatten hinüber nach Steinbach, um das Gewölbe zu vollenden. Allein zum Ausgraben der Fundamente mussten zwölf "Handfröhner" viele Tage arbeiten.

Die katholische Kirchengemeinde beantragte, eine Bildsäule des Heiligen Nepomuk auf der Brücke zu platzieren. Allerdings kam die Kirche erst nach fertiggestellter Planung auf die Idee. Das Innenministerium brachte deswegen Bedenken wegen der Tragfähigkeit der Brücke vor und verwies auf einen Standort außerhalb der Brücke. Letztlich wurde nach Anhörung des vor Ort arbeitenden Steinhauers der Standort auf der Brüstung der Brücke aber genehmigt.

Die Kosten für die damals schon verkehrsreiche Brücke stiegen nach Fertigstellung auf insgesamt 3565 Gulden an. Noch immer war die Zahlung der Baukosten nicht geregelt - aus heutiger Sicht ein Unding. Unklar ist auch, wer den Auftrag zum Bau gab. Verzweifelt wandte sich die Stadt Steinbach an Großherzog Ludwig I. und fragte in einer Eingabe vom 3. Februar 1819 nach einer Audienz. Die Steinbacher baten inständig, die Kosten der neu erbauten Chausseebrücke zu übernehmen.

Die schriftliche Begründung der Steinbacher Stadtväter lässt die damals großen Nöte erkennen: Durch Missernten und Kriege seien die Rebleute verarmt. Um die Kapitalzinsen bestreiten zu können, habe die Gemeinde sogar Waldungen und Güter verkaufen müssen. Viele Bewohner müssten meist ohne Brot leben. Zur Rettung vor einem gänzlichen Untergang fühle man sich verpflichtet, gegen den unnützen, kostspieligen, zweckwidrigen und prunkvollen Brückenbau zu protestieren. Die Bittschrift um die Audienz war unter anderem unterschrieben von Bürgermeister Mayer, dem Kirchspielverrechner Werk und den Vögten von Müllenbach, Varnhalt, Neuweier und Weitenung. Wer letztlich die Baukosten übernahm, lässt sich aus den dem Autor sich erschließenden Quellen nicht mehr entnehmen. Es ist aber mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Stadt Steinbach wohl allenfalls einen Teil der Kosten aufgebürdet bekam.

Abschließend zur Figur des Schutzheiligen Nepomuk: Der heutige Nepomuk auf der Hirschbrücke ist eine Kopie der barocken Originalstatue. Der Grund dafür ist Anfang der 1960er Jahre zu finden: Ein schwerer, mit einem langen Kran beladener Lastkraftwagen stieß die Statue im wahrsten Sinne des Wortes vom Sockel. Wahrscheinlich bog der Lkw von der Steinbacher Straße in die Yburgstraße ein und "nahm mit dem herausragenden Kran die Statue mit". Dabei fiel diese in das steinerne Bachbett und zerbrach in mehrere Teile. Eine Bühler Steinmetz- und Bildhauerfirma barg die Figur später und setzte sie provisorisch wieder zusammen. Sie diente als Kopie für die Nachfolgestatue. Diese wurde auf dem erhalten gebliebenen barocken Sockel 1965 aufgestellt. Seitdem wacht der neue St. Nepomuk über die Geschicke der Brücke und ihrer Passanten.

In den 1990er Jahren entdeckte Karlfriedrich Ohr vom Landesdenkmalamt die Steinbacher Originalstatue im Hof jenes Bühler Steinmetz-Betriebes. Die rund fünf Tonnen schwere Figur fand im Frühjahr 2001 ihren neuen, wohl endgültigen Platz ganz in der Nähe ihrer früheren Heimat, der Hirschbrücke: Der Original-Nepomuk steht heute im Steinbacher Rebland-Museum. Der neue Heilige hat inzwischen etwas Patina angesetzt. Längst ist nicht mehr zu erkennen, dass der heutige Nepomuk "nur" eine Kopie des Originals ist. Die Inschrift auf dessen Sockel lautet: "Komet her Ihr alle und leget euch zu dissen Fissen die Ihr gesinnet Euere Sinden zu buessen".

Aber nichts hält bekanntlich ewig, auch nicht die Hirschbrücke. Im Sommer 2007 begannen Baufirmen mit recht aufwendigen, mehrmonatigen Sanierungsarbeiten. Erhebliche Schäden am Natursteingewölbe machten dies nötig. Aber auch die Fahrbahndecke musste samt Unterbau komplett erneuert werden. Bleibt zu hoffen, dass der Hirschbrücke ein noch weiterhin langes Leben gegeben ist, denn sie ist eines der markantesten historischen Wahrzeichen Steinbachs.

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