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Familiendrama um Macht und Liebe
Regisseur Rudi Gaul, Chefdramaturgin Kekke Schmidt sowie die Schauspieler Berth Wesselmann, Lilli Lorenz und Patrick Schadenberg (von links) stellen das Stück 'Vor Sonnenuntergang' vor. Foto: Hecker-Stock
04.09.2018 - 00:00 Uhr
Von Conny Hecker-Stock

Baden-Baden - Die Matinee zum Gerhart-Hauptmann-Stück "Vor Sonnenuntergang" am Theater war besonders rege nachgefragt, der Besucherandrang nach den Ferien ähnelte beinah schon einem Premierenpublikum.

Chefdramaturgin Kekke Schmidt, Regisseur Rudi Gaul sowie die Schauspieler Berth Wesselmann, Lilli Lorenz und Patrick Schadenberg beleuchteten das Inszenierungskonzept und die zugrundeliegende Intention unter dem Aspekt des Spielzeitmottos "Erben".

Das packende Familiendrama um Macht, Liebe, verwurzelte Strukturen und Intrigen dreht sich um den Seniorchef eines angesehenen Verlagshauses, der mit seinen 70 Jahren einer 20-jährigen Praktikantin näherkommt. Matthias Clausen (Berth Wesselmann), der sein Unternehmen auf der Grundlage humanistischer Werte zum Erfolg geführt hat, kämpfte sich nach dem Tod seiner geliebten Frau vor drei Jahren nur langsam ins Leben zurück. Seine sich anbahnende und rasch gefestigte Beziehung mit Inken (Lilli Lorenz) wird von der Familie sehr kritisch gesehen. Diese empfindet das Andenken an die geliebte Mutter und verehrte Firmenchefin als beschmutzt, die über ihr Bildnis und einen leeren Stuhl im insgesamt bürokratisch rationalen Bühnenbild von Olga Motta stets präsent ist.

Das Klischee der ehrgeizigen jungen Frau, die sich den älteren Herrn angelt, geblendet von der monetären und politischen Macht des Chefs, zündet jedoch nicht. Aus der vermeintlichen Affäre scheint sich zum Schrecken der Kinder und deren Partner eine tiefe Liebe zu entwickeln, nicht nur ein Ring an Inkens Finger aus dem Vermächtnis der Mutter lässt Emotionen hochkochen.

Inken bringt die Generationenfolge durcheinander, indem sie sich für den alternden Senior interessiert, statt sich Schwiegersohn Erich Klamroth (Patrick Schadenberg) zu angeln, den nur an Verkaufszahlen statt humanistischer Gesinnung orientierten Juniorchef des Unternehmens.

Der unwillkürliche Automatismus ihr zumeist unterstellter unlauterer Motive reizte Regisseur Rudi Gaul besonders an dem Stück. Denn Inkens Liebe, die tatsächlich auf einer anderen, sehr kostbaren Ebene stattfindet, will ernst genommen und nicht als sexuelle Abenteuerfahrt erlebt werden.

Ebenso intensiv bringt Gaul die Frage der Machtverhältnisse innerhalb der Familie und des Verlagshauses auf den Punkt. Der Juniorchef, aufgestiegen aus der unteren Schicht, ergreift die Chance, aus seinem Leben etwas zu machen und sieht die Praktikantin anfangs als weniger gefährlich an als der Rest der Familie. Doch es wird ernst, als der alte Matthias Clausen deren zunehmende Intrigen, die in einem angestrebten Entmündigungsverfahren gipfeln, nicht mehr hinnimmt und selbst den Säbel zieht.

Laut Rudi Gaul spiegelt die Sitzordnung des am kargen Business orientierten Bühnenbildes von Olga Motta subtil die Familien- und Verlagsstrukturen wider. Die Schauspieler, die fast als komplettes Ensemble auf der Bühne stehen, tragen Perücken und sind kaum wiederzuerkennen in diesem packenden Familiendrama. Sie entführen in die lässige Welt der Reichen und Schönen mit einem gewissen "Gossencharakter aus Tratsch und Klatsch" und halten dabei dem Publikum einen Spiegel vor aus Hass, Neid und Eifersucht. Da darf man doch gespannt sein.

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