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Storch weist den Weg durch die Jahrhunderte
08.09.2018 - 00:00 Uhr
Von Christa Hoffmann

Baden-Baden - Rund 85Gäste des Weinguts Nägelsförst haben sich am Donnerstag auf eine zauberhafte Zeitreise begeben, die 1268 ihren Anfang nahm. In diesem Jahr soll der Weinbau am Klosterbergfelsen in Varnhalt begonnen haben - also vor 750 Jahren. Die Lage gehört zum Weingut Nägelsförst.

Nägelsförst-Geschäftsführer Steffen Röll erklärte, dass Cistercienserinnen aus dem französischen Cîteaux die Rebstöcke ins Kloster nach Lichtenthal gebracht hätten. Diese seien dann auf einer "Anhöhe mit Blick ins Rheintal" gepflanzt worden. Momentan stehen auf 33 Hektar Nägelsförst-Land etwa ein Drittel Riesling-, ein Drittel weiße Spätburgunder- und ein Drittel Rotweinstöcke - überwiegend Spätburgunder, berichtete Röll. Sieben Hektar davon seien mit Jungreben bepflanzt worden.

Eindringliche Akkordeonklänge begleiteten die Besucher zu unterschiedlichen (Zeit-)Stationen auf dem Gelände - mit entsprechenden Gerichten aus dem dargestellten Jahrhundert und den korrespondierenden Weinen des Guts - angeführt von einem Storchendarsteller, da ein Storch die Etiketten der Nägelsförster Tropfen ziert. Fünf Mitglieder der Wanderbühne "Carnivore" aus Heidelberg öffneten mit ihren Auftritten dann immer ein Guckloch auf eine historische, auf Wein bezogene Besonderheit in den auf 1268 folgenden Jahrhunderten bis heute. "Kalbsfuß ist damals in der feinen Gesellschaft gerne gegessen worden", wusste der Baden-Badener Koch Ronny Loll und servierte als Appetithäppchen eine Kalbsfußpraline und nachfolgend jeweils die passenden Köstlichkeiten. Eindringlich stellten die Schauspieler die Pest in Mitteleuropa um 1347 dar, die rund 20Millionen Tote forderte und jegliche Helfer für die Weinlese dahinraffte. Auch der berühmte Weintrinker Johann Wolfgang Goethe (1749-1832) war ein Thema.

Internationale, nationale und regionale Kunden waren eingeladen worden, das Jubiläum mitzufeiern und die Weine des Guts vor Ort zu kosten, das im April 2016 den Besitzer gewechselt hatte. Es gehört seither einer bodenständigen fränkischen Unternehmerfamilie aus Fürth. Neun Festangestellte, darunter Kellermeisterin Annette Bähr, und drei Vertriebsmitarbeiter kümmern sich laut Röll um den Betrieb.

Man sei mitten in der Hauptlese, sagte der Weinbaufachmann Röll, der bisher mit dem Wein sehr zufrieden ist, obwohl es in diesem Jahr nur etwa die Hälfte des Niederschlags von 2017 gegeben habe. Alten Reben würde das nichts ausmachen, da sie tief wurzelten. Und nicht nur die Tage, sondern auch viele Nächte seien mit über 20 Grad Celsius tropisch gewesen. "Wir haben frühzeitig die Weichen gestellt", ergänzte, er, damit die Weine keinen mediterranen Charakter bekämen, und man habe teilweise auf Entblätterung verzichtet, damit die Trauben nicht in der prallen Sonne standen. Man begrenzte auch die zunehmende Zuckerkonzentration, um die Weine "trinkig" zu lassen, so dass elegante, frische Weißweine mit 12,5 Volumenprozent Alkohol entstehen, erklärte Röll. Er geht, was die Menge betrifft, von 25 Prozent mehr als im Vorjahr aus.

Seit der Übernahme 2016 habe man sich sehr stark um die Wachstumsmärkte im asiatischen Raum bemüht, so der Fachmann. Im gehobenen Segment gebe es dort Weinliebhaber, aber es sei noch einiges an Aufbau- und Entwicklungsarbeit zu leisten. Er wolle das Weingut "international aufstellen, ohne den Heimatmarkt zu vernachlässigen". Aus strategischen Gründen verzichte man auf Literwein.

Die Baugenehmigung für ein Hotel garni und Eventräume auf dem Gelände habe man nicht verlängert. Die Pläne aus den 1990er Jahren seien überholt, so Röll. Man arbeite weiter daran, aber momentan stehe die Erweiterung des Guts, das 17 Stillweine, drei Sekte und einen Jubiläumswein in der traditionellen Tonflasche anbiete, im Mittelpunkt, dann die Sanierung der Gebäude.

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