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Schüler engagieren sich für den Artenschutz
27.09.2018 - 00:00 Uhr
Baden-Baden (uls) - Im vollen Einsatz sind Bohrer, Klemmen und Schrauben, wenn die Schüler des Markgraf-Ludwig-Gymnasiums (MLG) Holzkästen für Fledermäuse nach Vorgaben des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) zimmern. In der Natur mangelt es an Unterschlüpfen, da es alte Bäume mit Baumhöhlen kaum noch gibt und totes Holz aus den Wäldern entfernt wird.

Vier Schulstunden lang schraubt die Klasse die beim NABU erworbenen Holzbauteile für Fledermauskästen zusammen. Unter der Leitung von Ulrike Schweiger, Biologielehrerin am MLG und Initiatorin des Projektes, ist das Artenschutzprojekt fest im Schuljahr verankert. Der Freundeskreis der Schule sponsert den Einkauf der Holzbauteile. In weiteren 18 Schulstunden erfahren die Schüler Umfangreiches über die Lebensweise von Fledermausarten, ihre Funktion im Ökosystem sowie ihre Gefährdung. In Deutschland sind fast alle Arten dieser Säugetiere bedroht - einige sogar vom Aussterben. Mancherorts fehlt es den heimischen Fledermäusen an Nahrung, weil es immer weniger Insekten gibt.

Quartiermangel ist jedoch das Hauptproblem. "In unseren aufgeräumt aussehenden Wirtschaftswäldern sind Baumhöhlen knapp", betont Schweiger. Fast alle Bäume sind gleich alt. "Knorrige, alte Stämme, abgebrochene, dicke Äste findet man kaum. Es fehlt überall an totem Holz", so Schweiger. In Totholz jedoch bauen Spechte ihre Nisthöhlen. Siebenschläfer oder Fledermäuse sind die Nachmieter. Hier wachsen die Jungen auf, und die Höhlen bieten Schutz vor Tageslicht und Feinden. "Die Natur braucht dieses vermeintliche Chaos. Nur so entsteht ihre Vielfalt, und nur so bleibt sie erhalten", erklärt die Biologin.

Mit dem Artenschutzprojekt "bat teens" verfolgt das Markgraf-Ludwig-Gymnasium ein großes Ziel. "Es soll nicht nur theoretisches Wissen vermittelt werden. Wir wollen aktiv sein, um die Schüler für den Nachhaltigkeitsgedanken zu sensibilisieren", sagt Schweiger. Das Artenschutzprojekt zeigt Handlungsperspektiven auf und lehrt im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung, einer der Leitperspektiven des neuen Bildungsplanes 2016. "Artenschutz ist leider immer noch ein leeres Wort. Viele interessiert es nicht, ob in Zukunft eine Tier- oder Pflanzenart weniger anzutreffen ist", meint die Pädagogin. Zu vermitteln, dass Artenschutz jeden etwas angeht, sei der erste Schritt, zu zeigen, dass jeder Schüler etwas bewirken kann, der nächste. "Durch das weltweite Artensterben gefährden wir Menschen uns doch irgendwann selbst", betont Schweiger. Das Aussterben einer Art zieht das Aussterben weiterer Arten nach sich - bis hin zum Zusammenbruch ganzer Ökosysteme. "Irgendwo am Ende einer solchen Kettenreaktion stirbt der Mensch, und diese Zusammenhänge diskutieren wir im Unterricht", erklärt Schweiger.

Bereits aktiv im Naturschutz ist auch Beate Link. Die Diplom-Biologin arbeitet in der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz (AGF) mit. Sie zieht verletzte Tiere auf, berät bei Fragen zu Fledermäusen und leistet Öffentlichkeitsarbeit. Einmal im Schuljahr sind mit ihr auch Fledermäuse zu Besuch am MLG.

Ob sich dank des Projekts tatsächlich Fledermäuse im Wald ansiedeln, wird sich zeigen. Seit ein paar Wochen hängen etwa 15 Kästen im Naturschutzgebiet "Sauersbosch, Pfrimmersbach- und Märzenbachtal" am Schafberg in der Nähe des Panoramaweges. In unmittelbarer Umgebung jagen Fledermäuse. "Jetzt können wir nur abwarten und schauen, was passiert", sagt Michael Merkel, Leiter des Ökotrupps des städtischen Fachgebiets Forst und Natur. Dank ihm und seinem Team, bestehend aus zwei Bufdis (Teilnehmer am Bundesfreiwilligendienst) und zwei FSJlern (Teilnehmer am Freiwilligen sozialen Jahr), hängen die Kästen in Waldrandlage - gut einsehbar und gut zu kontrollieren.

"Man kann den Fledermäusen nicht vorschreiben, wo sie sich hinhängen", meint auch Simone Stollenmaier, beim Fachgebiet Forst und Natur für die Waldpädagogik zuständig, "künstliche Kastengebiete sind lediglich ein Angebot für die Tiere". Es gibt Kastengebiete, die 20 Jahre und länger nicht angenommen werden. Bei Mückenfledermäusen (Pipistrellus pygmaeus) oder Zwergfledermäusen (Pipistrellus pipistrellus) besteht eine Chance, bei stärker bedrohten Arten weniger. Stollenmaier betont: "Ein hundertprozentiger Ersatz für Naturhöhlen in naturnahen Wäldern sind die Kästen jedoch nicht."

Nichtsdestotrotz: Einsatz zeigen werden der Ökotrupp und die Schüler des MLG bis Ende des Jahres. Das Kastengebiet wird durch weitere, jedoch komplizierter gebaute Holzkästen ergänzt. Nach Tipps mehrerer Fledermausexperten sägt der Ökotrupp die neuen Bausätze zu. Die Schüler werden sie wieder zimmern. Bisweilen nehme eine potenziell gefährdete Fledermausart, die Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii), diese künstlichen Unterschlüpfe an. Sie jagt bevorzugt in Streuobstwiesen. Einige wenige Tiere wurden laut Stollenmaier im Naturschutzgebiet Sauersbosch bereits gesichtet. Vielleicht findet diese bedrohte Fledermausart in naher Zukunft ein neues Zuhause.

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