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Autorin zieht Zuhörer in ihren Bann
Die Iranerin Mehrnousch Zaeri-Esfahani (rechts) signiert nach ihrer Lesung aus dem Buch '33 Bogen und ein Teehaus' im St.-Vinzenz-Begegnungszentrum ihre Bücher. Foto: Huck
05.10.2018 - 00:00 Uhr
Von Alois Huck

Sinzheim - Die "Interkulturelle Woche" in Sinzheim, bei der arabisch Kochen und je ein Trommelworkshop für Frauen und Männer im Begegnungszentrum St. Vinzenz stattgefunden hatten, krönte jüngst eine gut besuchte Erzählstunde mit der Autorin Mehrnousch Zaeri-Esfahani im Bürgersaal des Rathauses.

Die 1974 im Iran geborene Mutter von drei Schulkindern schilderte die Flucht ihrer Familie im Jahr 1985 nach Deutschland so spannend und bildhaft, dass die Besucher nicht genug von ihren unglaublichen Geschichten hören konnten. Nach ihrem Vortrag signierte sie ihr Buch "33 Bogen und ein Teehaus", das sich genauso lebendig liest, wie sie im Bürgersaal erzählte.

Wohlbehütet war Mehrnousch Zaeri-Esfahani in der schönen persischen Millionenstadt Isfahan zusammen mit zwei älteren Brüdern und einer jüngeren Schwester aufgewachsen. Ihr Vater war ein gut bezahlter Chirurg. Nach dem Sturz des Schahs wurde alles anders. Unter Ayatollah Chomeini entsteht im Rahmen der islamischen Revolution eine Willkürherrschaft, die alles Bisherige auf den Kopf stellt. Als Mehrnousch Zaeri-Esfahanis 14-jähriger Bruder Mehrdad in den Krieg mit dem benachbarten Irak geschickt werden soll, flieht die Familie. Sie ist damals zehn Jahre alt. Das mittels einer großen Summe "ergatterte" Besuchervisum in die Türkei und von dort ein ebenso gut bezahltes 30-Stunden-Visum in die DDR brachte die Familie nach Ostberlin. Wie sie es schaffte, im Dezember 1985 problemlos nach Westberlin zu kommen, war ebenso eine der unglaublichen Geschichten wie jene, wie die Familie nach dem Aufenthalt in mehreren Flüchtlingsheimen letztlich in Heidelberg ein Zuhause fand.

Mehrmousch Zaeri-Esfahani zog mit ihrer Geschichte die Besucher von Minute zu Minute immer mehr in ihren Bann. Vor allem die Art, wie sie es schaffte, sich als Elfjährige in der deutschen Kultur zurechtzufinden und mühsam die deutsche Sprache lernte, war einfach köstlich. So hatte sie eine Mitschülerin darauf aufmerksam gemacht, dass bei ihr "Tag der offenen Tür" sei, da an ihrer Hose der Reißverschluss offen war. So meinte sie lange Zeit, "Tag der offenen Tür" sei die Bezeichnung für Reißverschluss. Noch zahlreiche weitere amüsante Begebenheiten und berührende Geschichten gab die Autorin zum Besten. In ihrer Heimat waren die Kinder gewohnt, dass es keine Busverbindung zu festgelegten Abfahrtszeiten gab. "Man stellte sich auf die Straße und mit viel Glück kam an diesem Tag ein Bus", erläuterte sie. Als die Familie in Heidelberg in eine Wohnung gezogen war, wollten ihre Brüder mit ihr die Stadt erkunden und stellten sich an eine Straßenbahnhaltestelle. Dort war eine kleine Tafel befestigt, auf der Uhrzeiten verzeichnet waren. Einer ihrer Brüder meinte, das kann doch nicht sein, dass alle zehn Minuten eine Tram kommen kann! "So viele Straßenbahnen kann es gar nicht geben", war die einmütige Meinung. Als dann doch die Straßenbahn auf die Minute genau kam, war ihnen klar: "Wir sind im Paradies gelandet."

In Heidelberg bestand Mehrnousch Zaeri-Esfahani auf der Internationalen Gesamtschule Heidelberg 1994 das Abitur, studierte Sozialpädagogik in Freiburg im Breisgau und erwarb dort im Jahr 1999 ihr Diplom.

In den folgenden Jahren war sie in der Flüchtlingshilfe tätig und dort unter andrem Vorsitzende des Arbeitskreises Asyl Baden-Württemberg, dem heutigen Flüchtlingsrat Baden-Württemberg. 2003 zog sie nach Karlsruhe. Dort betreute sie ab 2007 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in einer Wohngruppe der Heimstiftung Karlsruhe. Im Jahre 2012 erhielt sie im Rahmen ihrer Tätigkeit den Innovationspreis der Diakonie Baden für den Aufbau eines kostenlosen Dolmetscher-Pools für Baden-Baden und den Landkreis Rastatt.

2012 begann ihre Tätigkeit als Autorin. Ihre Kurzgeschichten und Gedichte wurden immer wieder ausgezeichnet und erscheinen in verschiedenen Anthologien. Sie schrieb ihre Autobiografie "33 Bogen und ein Teehaus" und ihren ersten Roman "Das Mondmädchen". Beide Bücher erschienen im Frühjahr 2016. Seit 2017 ist Mehrnousch Zaeri-Esfahani als freie Autorin und Referentin tätig.

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