http://www.badisches-tagblatt.de/weihnachtsabo/index.html
Tiefgründig, witzig und frei raus
Wenn 'Heute wegen gestern geschlossen' ist, dann ist der Comedian Jess Jochimsen mit seinen Lebensweisheiten nicht weit. Foto: Rapp
24.10.2018 - 00:00 Uhr
Von Isabella Rapp

Sinzheim - Der in München aufgewachsene Kabarettist und Autor Jess Jochimsen hat mit seinem Programm "Heute wegen gestern geschlossen" mehr als 300 Besucher in die Fremersberghalle in Sinzheim gelockt. Er trat im Rahmen des diesjährigen Kleinkunstfestivals des Interessenkreises Kultur-Jugend auf.

Der in Breisgau wohnende vielseitige Künstler schuf mit seinem Akkordeon und seiner Gitarre eine wunderbare kuschelige Atmosphäre auf der bunt beleuchteten Bühne der Halle. Tiefgründig, philosophisch, analytisch, witzig und auch politisch wagte er sich an noch nie infrage gestellte Themen und lieferte Erkenntnisse unverblümt, kindlich neutral, wie selbstverständlich, frei raus.

Das Publikum reagierte schon zu Beginn mit Raunen und Beifall. Man fühlte sich verstanden und aufgehoben, wenn Jess Jochimsen Probleme der Neuzeit schilderte und man sich darin absolut wiederfinden konnte. So sagt er: "Die Spracherkennung des Smartphones lässt zu wünschen übrig - das Handy kennt das Wort ,Tintenkiller' nicht, schreibt dafür aber ,Tuntenkiller', das kennt es."

Jess Jochimsen regte das Publikum zum Nachdenken an mit Fragen wie: "Was ist Glück?" Seine Antwort klang ganz simpel: Wenn man mit Menschen, mit denen man absolut nichts zu tun haben wolle, auch tatsächlich nichts zu tun habe. Oder: "Was kommt dabei heraus, wenn man einen Atheisten mit einem Zeugen Jehova kreuzt? Ein Typ, der ständig irgendwo grundlos klingelt."

In der Pause gönnten sich die Besucher ein Getränk zum Ölen der vom Lachen beanspruchten Stimme. Nach regem Austausch rief das erloschene Licht im Foyer zu den zweiten 40 Minuten des Programms. Was folgte, war der Song "Russland", der nicht ganz so lustig war. Jess Jochimsen, der Germanistik, Politikwissenschaft und Philosophie studiert hat, betonte dabei, dass Melancholie auch wichtig sei, und zitierte einen Philosophen, "in einer Welt ohne Melancholie würden Nachtigallen anfangen zu rülpsen", und sang schwermütig weiter.

Kurz vor Schluss fielen die Besucher fast vom Stuhl, aber nicht wegen Ermüdungserscheinungen. Jess Jochimsens Dia-Sammlung, seine analoge Power-Point-Präsentation, wie er dem jüngsten Publikum übersetzte, entlockte selbst dem verhaltenen Besucher ein herzhaftes Lachen wegen der zum Teil sarkastisch-witzigen Fotografien aus dem Alltag. Da hieß es unter anderem auf einem Schild vor einer Imbissbude: Hühner-Kebap 2,50 Euro, Kinder-Kebap 1,50 Euro.

Mit dem Schlusssatz entließ der Künstler, der seit 1995 freiberuflich als Comedian über deutschsprachige Kleinkunstbühnen tourt, dann die Besucher: "Die beste Rache ist, ein gutes Leben leben." Das wolle sie sich merken, sagte die Besucherin Rita Merz und ging zum CD- und Buch-Verkauf mit Autogramstunde, die der Künstler im Foyer der Fremersberghalle, in der es auch noch Speis und Trank gab, anbot.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Steinmauern
Amüsantes und Tiefsinniges in Steinmauern

19.11.2018
Poetry Slam lockt ins Kleverhaus
Steinmauern (swa) - Amüsante und tiefsinnige Texte gab es beim ersten Poetry Slam im Kleverhaus: Sechs Wortakrobaten stellten sich mit ihren Texten dem Urteil der Zuhörer. Der Poetenwettbewerb sorgte für ein "volles Haus" und soll auch im nächsten Jahr wieder stattfinden (Foto: swa). »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

In Deutschland werden täglich rund 14.000 Blutspenden benötigt. Doch nur zwei bis drei Prozent der Bevölkerung spenden regelmäßig Blut. Spenden Sie?

Ja, regelmäßig.
Ja, manchmal.
Ich würde gerne, erfülle aber die Anforderungen nicht.
Nein.


http://www.karlsruhe.ihk.de/handelsregister
www.los.de/lrs-rastatt/
Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1