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Wichtiger Wegbegleiter im Pflege-Dschungel
26.10.2018 - 00:00 Uhr
Von Veruschka Rechel

Baden-Baden - Ab März 2011 baute Sozialpädagogin Tanja Fröhlich im Fachbereich Bildung und Soziales den Pflegestützpunkt Baden-Baden im Gewerbepark Cité1 auf. Durch ein neues Gesetz sollten damals in Baden-Württemberg wohnortnah solche Einrichtungen etabliert werden. Mittlerweile gibt es im Land rund 50, wobei Baden-Baden eine der ersten war. Das liege am hohen Altersdurchschnitt in der Kurstadt, sagt Fröhlich.

Der Pflegestützpunkt ist erste Informations- und Anlaufstelle für Betroffene, Angehörige und alle Beteiligten. Seine Mitarbeiter sehen sich als Helfer und Lotsen, die begleiten und die nötige Versorgung koordinieren. Sie beraten die Menschen nicht nur äußerst kompetent telefonisch, im Pflegestützpunkt oder daheim, sondern nehmen auch ihre Befindlichkeiten sehr ernst und fangen sie manchmal sogar auf. Jährlich melden sich dort fast 600neue Ratsuchende.

Seit Januar 2017 greift das Pflegestärkungsgesetz II. "Dadurch ist der Beratungsbedarf gestiegen", berichtet Fröhlich. Doch sie und ihre Mitarbeiterin Veronika Koffler, Pflegefachkraft und -beraterin, sehen dem gelassen entgegen. Obwohl es vielfach nicht nur mit einer einzigen Beratung getan ist. Schon lange lassen sich zunehmend mehr Betroffene und Angehörige über einen längeren Zeitraum begleiten. "Viele Verwandte wohnen weit weg, sogar in Australien, und dann sind wir Ansprechpartner zum Beispiel für die Pfleger." Der Pflegestützpunkt ist für alle, die gesetzlich krankenversichert sind, ein kostenloser Service. Dazu gehört ebenso eine individuelle Wohnberatung vor Ort zu dem Thema "barrierefrei wohnen". Denn immer mehr Menschen mit körperlichen Einschränkungen wünschen sich, im vertrauten Umfeld bleiben zu können. "Um diesem Anspruch gerecht zu werden, haben wir rund neun Ehrenamtliche zum Wohnberater geschult", so Fröhlich.

Zwei Wohnberater stellten in der Sitzung des Sozialausschusses am Mittwoch ihre Arbeit vor. Barriereüberwindung, also beispielsweise, wie man ins eigene Haus hineinkommt, und der Badumbau seien Hauptaufgaben, berichteten sie. Oftmals gäben sie Empfehlungen wie Treppenlifte oder verschiedene Hilfsmittel, wie ein einfacher Haltegriff.

Dadurch, dass die Pflegekasse jetzt mehr Geld in den Topf geworfen hat, sei die häusliche Pflege besser als vorher abgesichert, sagt Fröhlich. Viele versuchten auch, es durch Verzicht und Einsparungen irgendwie hinzubekommen. Wobei der pflegende Angehörige nach wie vor draufzahle - finanziell wie auch zeitmäßig.

"Geht es um die Betreuung in einem Heim, können rund zwei Drittel der Ratsuchenden, die zu mir kommen, die Kosten nicht allein aufbringen", weiß Fröhlich. Sie selbst war vorher unter anderem in der Suchttherapie tätig. "Aber in der Altenhilfe arbeite ich am liebsten. Dort erfährt man noch so etwas wie Dankbarkeit." Dankbar sind viele Senioren ebenso für die kostenlose Broschüre "Aktiv älter werden in Baden-Baden". Der umfangreiche Wegweiser ist übersichtliche Orientierungshilfe mit vielen wichtigen Anregungen, Tipps und Hilfestellungen für die ältere Generation. Erhältlich ist er in den Bürgerbüros und im Internet.

Beratung: "Je früher, umso besser"

Auch das Thema Demenz nimmt zunehmend Raum in den Gesprächen ein. In diesem Fall ist der Pflegestützpunkt ebenfalls erste Anlaufstelle für Angehörige von Betroffenen. Denn ein weiterer Schwerpunkt neben der Beratung ist die Vernetzung von allen Akteuren, die in irgendeiner Form im Pflegebereich tätig sind, zum Beispiel die Arbeitsgruppe der Demenzkampagne. Überhaupt ist der gesamte Pflegebereich besonders komplex. Allein schon deshalb, weil es verschiedene Töpfe gibt, aus denen man finanzielle Unterstützung bekommen kann.

"Das ist für viele ein undurchdringlicher Dschungel, in dem wir uns aber sehr gut auskennen", betont Fröhlich. "Am liebsten sind wir präventiv tätig. Je früher wir angesprochen werden, umso besser." Wenn beispielsweise jemand aus Gebrechlichkeit seinen Haushalt nicht mehr allein bewältigen kann, ist das zwar noch kein Grund für einen Pflegegrad, aber für Hilfe. Denn beim Pflegestützpunkt geht es nicht nur um den Anspruch auf finanziellen Zuschuss, sondern auch darum, woher man wann welche Unterstützung bekommen kann. Das fängt beim Hausnotruf für Sturzgefährdete an und hört bei der Palliativpflege auf.

www.pflegestuetzpunkt.baden-baden.de

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