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Aumatt-Areal: Noch Fragen klären
17.11.2018 - 00:00 Uhr

Von Harald Holzmann

Baden-Baden - So viele Bürger verirren sich selten in den Ratssaal: Zur Beratung des Bauausschusses über die geplanten Neubauten in der Aumattstraße waren rund 60 Zuschauen gekommen. Sie konnten eine lebhafte, mehr als zweistündige Debatte verfolgen, an deren Ende nicht abgestimmt wurde.

Ob über Billigung und Offenlage des Bebauungsplans "Dienstleistungsbereich Aumattstraße" sowie über den städtebaulichen Vertrag mit Investor Martin Dietrich wie geplant bei der nächsten Gemeinderatssitzung am 26. November entschieden wird, das ließ Bürgermeister Alexander Uhlig auch offen. Zunächst gelte es, Fragen zu klären, sagte er. Dabei ging es ihm auch um ein Anliegen der Grünen: Fraktionschefin Beate Böhlen hatte Unverständnis darüber geäußert, dass die Verwaltung das Bebauungsplanverfahren in beschleunigter Form vorantreibt, die keine Umweltverträglichkeitsprüfung und eine abgespeckte Bürgerbeteiligung vorsieht. "Wäre das ein normales Verfahren, würden wir zustimmen", sagte sie. Es gebe doch keinen Grund für Eile.

Die Verwaltung ist der Meinung, dass zwar ein beschleunigtes Verfahren angestoßen worden sei, die Bürgerbeteiligung aber auf freiwilliger Basis trotzdem sehr intensiv gewesen sei und den Vorgaben eines normalen Verfahrens entsprochen habe. Das gelte auch für andere Verfahrensschritte wie die Umweltverträglichkeitsprüfung. Deshalb will Uhlig prüfen, das Verfahren umzuwandeln, was zur Akzeptanz des Bauvorhabens in Oosscheuern beitragen soll.

Diese ist derzeit eher gering. Das war Beifallsbekundungen der Bürger zu entnehmen, die trotz Ermahnungen durch Uhlig immer wieder aufkamen, wenn Kritiker das Wort ergriffen. Neben Böhlen waren das vor allem Martin Ernst von den Freien Bürgern, der sich auch über die Eile mokierte, mit der das Projekt vorangetrieben werde, und Rolf Pilarski (FDP). Kritische Worte gab es wegen der Höhe der Gebäude, die zwischen drei und sechs Etagen liegt sowie von neun bis 24,60 Meter reicht. "Ein sechsstöckiger Büroturm passt nicht zu Baden-Baden", sagte Pilarski. Auch Rainer Lauerhaß (Freie Wähler), Joachim Knöpfel (SPD) und Klaus Bloedt-Werner (CDU) kritisierten diese Höhe, obwohl sie die Planung ansonsten lobten. Letzterer forderte das Gremium auf, dem Projekt eine Chance zu geben. "Es wird Veränderungen in Oosscheuern geben. Wir müssen versuchen, diese planungsrechtlich in den Griff zu kriegen", sagte Bloedt-Werner. Den Kritikern warf er vor, mit Blick auf die im Mai 2019 anstehende Kommunalwahl das Projekt, wenn man es schon nicht verhindern könne, verzögern zu wollen, um erst nach dem Urnengang zustimmen zu müssen. Ihm dagegen sei es "scheißegal, ob es Beifall gibt für das, was ich sage", meinte er.

Uhlig: Verkehrsproblem wird zuerst gelöst

Gutachter und Architekten hatten zuvor über eine Stunde über Lärm- und Umweltschutz, Gebäude- und Grünplanung sowie die Lösung von Verkehrsproblemen referiert und gezeigt, dass sie sich bis ins letzte Detail dem Bauprojekt befasst haben, das nach seiner Fertigstellung größtenteils von der Firma Grenke angemietet werden soll. Die Aufmerksamkeit der Zuhörer galt vor allem dem Verkehrsplaner, der Vorschläge machte, wie die überlastete Ampelkreuzung am Ebertplatz umgestaltet werden könnte, um heutigen und künftigen Anforderungen gerecht zu werden.

Seine Empfehlungen sehen vor, die Ampel besser zu schalten, ein zweispuriges Abbiegen aus der Jagdhausstraße in die Lange Straße zu ermöglichen, den Überweg für Radfahrer und Fußgänger näher an die B 500 zu verlegen und mehr Platz für Autos auf der Ebertbrücke zu schaffen, indem der Gehweg auf eine neue Fußgängerbrücke über die Oos verlagert wird. Falle auch die Ampel weg, die derzeit noch vor der Einfahrt zum Autohaus Gerstenmaier platziert sei, werde der Verkehrsfluss besser als heute sein - trotz zusätzlicher Belastung durch die geplanten Gewerbebauten in der Aumattstraße und der projektierten Wohnbebauung auf dem Gerstenmaier-Areal (wir berichteten). "Diese Maßnahmen könnte man auch ohne die Neubauten in der Aumattstraße umsetzen", meinte er - und erntete Beifall.

Uhlig sagte, dass die Verkehrsprobleme gelöst werden sollen, bevor die Bebauung kommt. Das sei der Schlüssel zur Entwicklung des Gebiets. Auf die Frage von Martin Ernst, wann die Ebertplatz-Einmündung umgebaut werde, antwortete Uhlig, dass frühestens im Doppelhaushalt 2020/21 Geld für die Planung eingestellt werden könnte. "Ansonsten sind Sie, der Gemeinderat, Herr des Verfahrens", spielte er den Ball zurück ins Gremium.

Angetan waren alle Stadträte von der Landschaftsplanung. Die Ausweitung der Oos, das Anlegen einer Streuobstwiese hinter den Gebäuden und einer Naturwiese entlang des Gewässers sowie eines neuen Fuß- und Radwegs zwischen Aumattstadion und Jagdhausstraße wurden ebenso begrüßt wie der Neubau einer Fußgängerbrücke über die Oos. Über Wege zwischen den neuen Gebäuden soll die neue Grünzone für Anwohner der Aumattstraße leicht erreichbar sein.

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