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"Ein ziemlich bunt gemischter Haufen"
'Ein ziemlich bunt gemischter Haufen'
22.11.2018 - 00:00 Uhr
Von Conny Hecker-Stock

Baden-Baden - Die Band besteht seit einem halben Jahrhundert, gefeiert wird das zwei Monate lang mit jeweils drei Konzerten an jedem Wochenende. Deshalb sind die Musiker von Guru Guru auch nur ganz schwer zusammen zu bekommen, aber das hat auch noch zwei andere Gründe.

So leben sie weit verstreut zwischen der Kurstadt und dem hohen Norden, zudem sind alle gestandene Oldies und nicht mehr so reiselustig - abgesehen von den Konzerten. Doch eines der langjährigen Bandmitglieder, Roland Schaeffer, ist hier zu Hause und stellte sich stellvertretend für seine Bandkollegen dem BT-Gespräch.

Der heute 78-jährige Schlagzeuger Mani Neumeier zählte in den 60er Jahren zu den prominenten Jazzmusikern Deutschlands und wurde unter anderem von Jazzpapst Joachim Ernst Behrendt produziert. Er gründete Guru Guru 1968. Vom Free Jazz beeinflusst, war in den ersten Jahren experimentelle Musik in Richtung Psychedelic Rock angesagt "mit irrsinnig lauten Verstärkern". Nach anfangs ständig wechselnder Besetzung begann sich die Band Mitte der 70er Jahre zu stabilisieren. Roland Schaeffer stieß 1976 dazu, gemeinsam mit Bassist Peter Kühnstedt, dieses Trio bildete fortan das Herz der Formation. Schaeffer als Saxofonist und der Gitarrist brachten etwas mehr Struktur in die Krautrockband. Die Musiker lebten fortan in einer Wohngemeinschaft im Odenwald, mit den Jungs für Licht und den Sound waren sie zu siebt, "ein ziemlich bunt gemischter Haufen" erinnert sich Schaeffer.

Alle zwei Jahre brachten sie eine neue Langspielplatte heraus, etwa "Guru Guru live" mit 30 000 verkauften Scheiben oder "Tango Fango". Ältere Fans reagierten etwas angesäuert, als der Rock nicht mehr ganz so krautig wirkte, dafür kamen neue Fans hinzu. Unter anderem wegen der teils kabarettistischen Texte und Showeinlagen, mutmaßt Schaeffer. Dabei bezieht er sich auf den "Atommolch" oder den "Elektrolurch", wobei Mani Neumeier Letzteren immer regelrecht zelebrierte im Fantasiekostüm, so dass der Lurch selbst heute noch auf Konzerten immer wieder verlangt wird.

Nach gut acht erfolgreichen Jahren mit bis zu 800 Fans pro Konzert kam die Neue Deutsche Welle - und die Musik von Guru Guru war nicht mehr so gefragt, zudem ging man sich auch allmählich etwas auf den Keks. Roland Schaeffer reiste nach Indien und blieb in Bangalore hängen, wo er sich in südindischer Musik weiterbildete.

Gemeinsam mit einem Freund ging es noch tiefer in den Süden, wo er lernte, eine riesige Schalmei zu spielen. Vier Jahre lang besuchte er jeden Winter seinen dortigen Lehrer, um weiter zu studieren. Er hatte den bisherigen Musikstil inzwischen völlig verlassen, spielte mit Ägyptern, Türken und Marokkanern, als ihn 1995 ein erneuter Ruf von Guru Guru ereilte. Und so fand man 15 Jahre nach der Trennung wieder zusammen, inzwischen mit Gitarrist Hans Reffert, nach dessen Tod Jan Lindquist hinzukam.

Alle zwei bis drei Jahre wurde eine neue CD produziert, sogar eine Japan-Tournee kam zustande. Auf den Konzerten der Jubiläumstournee, deren geografisch nächster Termin am 8. Dezember im Karlsruher Jubez ist, tanzen die 60-jährigen Fans munter ab zur heute multikulturellen Musik mit Ethnoelementen, die vor allem Schaeffers Schalmei einbringt. Dazu gibt's nach wie vor Rock, etwas Country und sogar Balladen. Doch der "Elektrolurch" wird immer noch gewünscht.

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