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Brücke geschlagen zwischen den Menschen
30.11.2018 - 00:00 Uhr
Von Ulrich Philipp

Baden-Baden - "Das vergangene Jahr war sehr anstrengend aber auch sehr bereichernd", diese Einschätzung formulierte am Mittwochabend Silke Heimann zur Abschlussveranstaltung des Projektes "Baden-Baden liest ein Buch". Elf Mitstreiterinnen der Aktion hatten sich aus diesem Anlass in der Stadtbibliothek getroffen und zogen ein durchweg positives Resümee.

"Es war ein umwerfender Erfolg, die Bevölkerung hat begeistert mitgemacht", stellte Rita Hampp fest, die einen Rückblick auf die lange Liste der einzelnen Veranstaltungen gab. Bereits bei der Auftaktveranstaltung im Januar reichten die Stühle im Gymnasium Hohenbaden nicht aus, um allen Menschen einen Sitzplatz anbieten zu können. Die Klasse 8b der Schule hatte damals in einer szenischen Lesung bittere Erfahrungen von Gerhard Durlacher nachgespielt, die dieser während seiner Kindheit im nationalsozialistischen Baden-Baden hatte machen müssen und die er in seinem Buch "Ertrinken" beschrieben hat. Die Historikerin Angelika Schindler hatte damals ein bewegendes Porträt Durlachers gezeichnet.

Mehr als 200 Besucher waren im Mai dabei, als im Richard-Wagner-Gymnasium die Veranstaltung "Trotzdem leben!" stattfand. Eigens aus den Niederlanden angereist waren die tief bewegte Witwe Durlachers Anneke sowie ihre Töchter Jessica und Eva. Teil des Programms war die Vorführung des Films "Ertrunken" des Regisseurs Georg von Langsdorff. Es folgten zahlreiche weitere Veranstaltungen, der Verein Leselust bot mehrere Lesetreffen an, Barbara Hoffs von der deutsch-israelischen Gesellschaft las auf dem Platz hinter der Stadtkirche anlässlich des 85. Jahrestags der Bücherverbrennung aus "Ertrinken", es gab einen Lese-Spaziergang mit dem Theater, und Mitarbeiter der Stadtverwaltung luden zu mehreren "Readers Cornern" in den Rathausgarten ein. Dies war möglich, weil Oberbürgermeisterin Margret Mergen selbst eine begeisterte Teilnehmerin war und unter anderem den Gemeinderäten jeweils ein Exemplar des Buches "Ertrinken" an ihren Platz im Sitzungssaal des Rathauses hatte legen lassen.

Pfarrer Michael Teipel las auf dem Dachboden der Stiftskirche aus "Ertrinken" vor. Hoch über den Dächern der Stadt konnten die Teilnehmer einige der Wege nachvollziehen, die Durlacher als kleiner Junge gegangen war. Mehr als 20 Veranstaltungen wurden organisiert, die in den allermeisten Fällen sehr gut besucht waren.

Als besonders nachhaltig sollte sich dabei der Workshop "Baden-Baden schreibt ein Buch" erweisen, bei dem Flüchtlinge, die zum Teil seit Jahrzehnten in Baden-Baden leben, ihre Fluchterfahrungen zu Papier bringen. Angelika Schindler und Petra Mallwitz leiten dieses Projekt, dem der Aktionsfonds "ViRal - Vielfalt stärken - Rassismus bekämpfen" einen Preis verliehen hat, der mit 5 000 Euro verbunden ist und es ermöglicht, ein Buch mit den Flüchtlingserfahrungen herauszubringen. Diese Aktion wird am 20. Januar 2019 im Bonhoeffersaal mit einer szenischen Lesung fortgesetzt, in der besondere Augenblicke unterschiedlichster Fluchtgeschichten nachgespielt werden. Jede der Teilnehmerinnen des Abends zog ihr ganz persönliches Resümee im Gespräch mit dem Badischen Tagblatt.

Leona Lejeune, Dramaturgin am Theater, erklärte, "Baden-Baden liest ein Buch" habe eine Brücke geschlagen zwischen den Menschen in der Stadt. Elke Beneke und Eva Egloff vom Verein Leselust waren beeindruckt davon, dass einige Zuhörer auch beim Lesemarathon in der Fußgängerzone bis zum letzten Satz durchhielten. Tina Lipps, die in einem Wohnprojekt aus "Ertrinken" vorgelesen hat, sagte, das Thema gewinne an Aktualität angesichts neuer Meldungen, nur wenige Jugendliche in Europa wüssten etwas über den Holocaust. Ulla Hocker zeigte sich beeindruckt von den Bürgern, die zahlreich zu den Veranstaltungen gekommen seien. Anke Flesch, Lehrerin am RWG, bleibt Anneke Durlacher in bleibender Erinnerung, die so berührt gewesen sei, dass sie im nächsten Jahr wiederkommen wolle. Und Petra Heubner-Sänger vom Kulturbüro der Stadt sagte, es sei ein großes Netzwerk entstanden, und die Idee des Lesegartens werde auch in Zukunft weiterverfolgt.

Leona Lejeune überreichte Rita Hampp, die die treibende Kraft hinter "Baden-Baden liest ein Buch" war, abschließend eine Flasche Wein, eine Blume und ein Buch mit dem Titel "Wie Demokratien sterben".

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