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Ein echter Renoir unter dem Bett
Ein echter Renoir unter dem Bett
14.12.2018 - 00:00 Uhr
Von Conny Hecker-Stock

Baden-Baden - Mit dem Jahresende schließen in der Lichtentalerstraße 40 Christa Elwert-Willwersch und Egon Willwersch ihren Laden. Damit verliert die Kurstadt ein Traditionsgeschäft, das 1949 als Buchbinderei und Fachbetrieb für Bildereinrahmung von Rudolf Elwert gegründet worden war. Damals lagen das Geschäft noch am Bertholdplatz.

Christa Elwert-Willwersch war zwar zu jener Zeit ein kleines Mädchen, sie kann sich jedoch noch gut an den Geruch der Pferde erinnern, die in der benachbarten alten Schmiede beschlagen wurden. Sie hielt sich damals auch viel in der väterlichen Werkstatt auf: "Ich bin mit dem Geruch von Leim und Papier groß geworden." Mit der zusätzlichen Inbetriebnahme des Schreibwarengeschäfts 1953 stieg Mutter Gerda mit in den Betrieb ein, 1964 erfolgte dann der Umzug in die heutigen Räume.

Im handwerklichen Bereich waren mehrere Mitarbeiter beschäftigt, auch wurden immer Lehrlinge ausgebildet - aus Überzeugung, um den Beruf weiterzugeben. Christa Elwert-Willwersch arbeitete nach ihrer Ausbildung als freie Restauratorin unter anderem an der Staatlichen Landesbibliothek in Karlsruhe und legte zusätzlich ihre Meisterprüfung als Buchbinderin ab. Über die Freilichtbühne Öti gheim lernte sie ihren späteren Mann Egon Willwersch kennen. Er kam aus dem Bereich der Mathematik und Physik, sattelte jedoch beruflich sofort um und absolvierte eine Ausbildung in der Handbuchbinderei und Bildereinrahmung. Als Rudolf Elwert sich wegen schwerer Krankheit zurückziehen musste, stieg Christa Elwert-Willwersch 1977 mit ein, zwei Jahre später übernahmen sie auch die Werkstatt. Egon Willwersch bildete sich fundiert weiter, belegte ein Fernstudium über Kunststile und -geschichte, Farbenlehre und künstlerische Drucktechniken.

Kurios ist, dass Kunden häufig mit der etwas diffusen Idee eines Bilderrahmens zu ihm kamen und sich häufig am Ende genau für den entschieden, den Willwersch als erstes vorgeschlagen hatte. In den 80er Jahren "boomte das Geschäft wie verrückt", erzählen beide rückblickend im BT-Gespräch. Da sei die 68er Generation sesshaft geworden, Gebrauchskunst in Form von Grafiken oder Aquarellen zu erschwinglichen Preisen war damals sehr gefragt. Willwersch erinnert sich noch gut an den Besuch eines Kunden, auf dessen Ölbild er die Signatur Renoirs erkannte. Auf die tolle Kopie angesprochen meinte der ganz locker, es sei das Original im Wert von rund 1,5 Millionen Mark. Da es für den Tresor zu groß war, verbrachte das Bild das Wochenende unter dem heimischen Bett der Willwerschs, die in dieser Nacht nicht wirklich gut schliefen.

Als 1986 das Schreibwarengeschäft geschlossen wurde, eröffnete Joachim Elwert in den vorderen Räumen eine Galerie, und man arbeitete einige Jahre Hand in Hand, bis er die Galerie nach Karlsruhe verlagerte.

Egon Willwersch und seine Frau, die 1988 beim dritten gemeinsamen Kind aus dem Geschäft ausstieg und wieder als freie Restauratorin arbeitete, hatten viele große Aufträge seitens der Stadt und aller Museen der Kulturmeile. Teils statteten sie mit ihren Bilderrahmen für Kunden von Zürich über München bis Frankfurt ganze Hotels aus und mussten, um ein Prachtstück transportieren zu können, sogar einmal die Tür aushängen. Beide empfinden viel Wehmut, da ihr Rückzug sehr viele traurige Kunden hinterlässt, wie ihnen mehrfach signalisiert wurde. Doch beide freuen sich nun auch, mehr Zeit für ihre Hobbys wie wandern, Konzerte oder Museumsbesuche zu haben.

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