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Per Handarbeit werden Rohlinge zu filigranen Unikaten
Per Handarbeit werden Rohlinge zu filigranen Unikaten
24.12.2018 - 00:00 Uhr
Von Gisela Brüning

Baden-Baden - Kerzen mit aufwendigen Verzierungen stehen in großer Auswahl in der Weihnachtsstube der Abtei Lichtenthal. Auch in der Werkstatt von Schwester Benigna kann sich das Auge nicht sattsehen an filigranen Motiven, die jeden Rohling zu etwas Besonderem machen. Als Erinnerung an Taufe, Kommunion oder Hochzeit tragen sie Namen und Daten mitunter durchs ganze Leben der Beschenkten.

Sucht der Blick des Besuchers allerdings den warmen Schein brennender Lichter, verweist Schwester Benignas Blick stumm zur Decke. Dort warnt der Brandmelder vor offenem Feuer im denkmalgeschützten alten Gemäuer des Klosters. Nur während der Messen und Gebetszeiten dürfen Kerzen unter Aufsicht angezündet werden. Während die Nonne mit sicherer Hand einen Faden als Richtschnur vom Docht der Taufkerze in spe zum unteren Rand spannt, weiht sie ihren Gast in das Geheimnis der Kerzenherstellung ein. Wobei Herstellung nicht zutrifft, denn auch vor diesem uralten Kunsthandwerk macht das Online-Zeitalter nicht halt. Auf Bestellung liefern Firmen ihre Produkte mit einem Bienenwachsgehalt von etwa zehn Prozent an die Kunden.

Doch sind eben nicht nur die Rohlinge im Angebot. Farbige Wachsplatten, goldene Fäden zur Konturenbetonung, Zierstreifen, die wie echtes Geschmeide glitzern und ausgestanzte Buchstaben in unterschiedlicher Größe und Ausführung können von den Schutzfolien abgezogen und mit spitzer Feder als Teil des Ornaments übertragen werden. Mit der Wärme ihrer Hände verbinde sie vorsichtig den Untergrund mit dem Muster, betont die Schwester und legt parallel zur Richtschnur eine rosa Fläche an, denn einem kleinen Mädchen soll die Kerze bei seiner Taufe Licht verheißen.

Kerzen stehen für die Klosterfrau als Symbole für Vielerlei. Sie spiegelten die Sehnsucht nach Helligkeit, überlegt sie kurz; weist darauf hin, dass Wärme und Licht um den Preis des sich selbst Verzehrens gespendet werden. Sie verkörperten die Sehnsucht der Menschen nach Tieferem, auch nach dem oft unterdrückten Bezug zum Göttlichen, gibt sie ihrer Arbeit über das Gestalterische hinaus einen tieferen Sinn.

Außerhalb der "Stoßzeiten" wie Ostern oder Kommunion, wenn die Anfragen sie weit über ihr normales Kontingent von 16 Stunden pro Woche in der Werkstatt hielten, versieht Schwester Benigna noch weitere Aufgaben im Kloster. Eine, die ihr sehr am Herzen liegt, ist die Gartenarbeit. Auch hier empfinde sie ihre Naturverbundenheit als Dienst an der Schöpfung und als meditativen Auftrag, der ihr Zeit zum Nachdenken und auch zu einem stillen Gebet lasse.

Während des Gesprächs hat das Werk der Schwester Gestalt angenommen. In zarte Farben gehalten, mit Gold umrandet und von der Taube als Symbol des Heiligen Geists gekrönt, der die Nonne mit etwas Goldschraffur höchste Bedeutung verleiht, möchte man sie am liebsten gleich entzünden. Aber sie ist ja eine Auftragsarbeit - und der Brandmelder würde sicher auch lautstarken Protest einlegen.

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