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Kurzes Donnern - und langwierige Arbeit
28.12.2018 - 00:00 Uhr
Von Sarah Reith

Baden-Baden - Gut vier Monate liegt die erste Sprengung auf dem SWR-Areal zurück. Seither hat sich auf der Großbaustelle für das neue Medienzentrum viel getan: Zwölf Meter ist die Baugrube mittlerweile tief, 28 000 Kubikmeter Fels wurden bereits abgetragen. Trotzdem ist noch unklar, ob der Zeitplan aufgeht und schon im kommenden März mit dem Rohbau begonnen werden kann.

Entscheidend dafür ist das Wetter. "Sinkende Temperaturen sind ein Problem", erläutert Bauleiter Uwe May vom beauftragten Architekturbüro Wurm und Wurm aus Bühl. Sollte es Dauerfrost geben, könnte die Baugrube nicht mehr mit Spritzbeton gesichert werden. Letzteres ist notwendig, weil durch das Wegsprengen und Abtragen des Bergs auf einer Seite der Baugrube ein Steilhang entsteht - nur wenige Meter von einem Bestandsgebäude des SWR entfernt.

"Hangsicherung ist ein wichtiges Thema", betont folglich auch Klaus Warber, Projektleiter vor Ort von der Bohrtechnik Roßwag GmbH und Co. KG. Der derzeit rund zwölf Meter hohe, neue Steilhang wird noch weiter wachsen. Um die 18 Meter tiefe Baugrube herzustellen, fehlen schließlich noch sechs Meter. In Material bedeutet das: Wenn die Arbeiten nach der Weihnachtspause am 7. Januar wieder beginnen, sind weitere rund 14 000 Kubikmeter Fels abzutragen.

Um das gute Wetter auszunutzen, wurde in der letzten Phase vor Weihnachten fast täglich gesprengt. Haupttermin für jede Sprengung ist um 14.08 Uhr. Die Vorarbeiten dafür beginnen allerdings schon viel früher, berichtet Warber. Meist sind schon am Vortag zahlreiche tiefe Löcher gebohrt worden. Das Gerät dafür: ein schallgedämpfter Hightech-Spezialbohrer, der, würde man alle Bohrungen zusammenzählen, laut May auf der Baustelle leicht 500 Meter Fels pro Tag durchbohrt.

Morgens werden die vorbereiteten Löcher dann "geladen", also mit Sprengstoff befüllt. Wenn mittags alles fertig ist, wird um 14 Uhr die Straße gesperrt. Sprengposten sorgen dafür, dass niemand in den Gefahrenbereich gelangt. In wenigen Minuten ist dann alles vorbei: Zunächst erklingen zeitversetzt zwei Hupsignale, die die Sprengung ankündigen, danach erbebt für einen Moment die Erde, es donnert. Später wird mit einem weiteren Signal entwarnt.

Erst danach können SWR-Mitarbeiter wieder an ihre Arbeitsplätze direkt am Fenster zurückkehren, die sie vorher verlassen sollen, um der Gefahr eines Steinflugs zu entgehen. Bis jetzt sei aber "noch kein Stein geflogen", meint May nicht ohne Stolz. Dafür sorgen die tonnenschweren Sprengmatten, die während einer Sprengung den jeweiligen Bereich abdecken.

Obwohl bisher stets alles glattging, ist Sprengmeisterin Martina Stahn immer nervös, wenn es losgeht: "Jedes mal hast du Herzklopfen", verrät sie. Das lasse "Gott sei dank" nicht nach, egal wie viele Sprengungen man schon betreut habe - sonst würde man leichtsinnig werden, meint sie. Wenn die Sprengmeisterin Feierabend macht, beginnt für andere auf der Baustelle erst die Hauptarbeit. Nun muss das gelöste Material mit Großmaschinen weggeschaufelt und auf Lkw verladen werden.

Zwischen fünf und 15 Sattelzüge sind täglich unterwegs, um das Material abzutransportieren, und sie machen jeweils bis zu fünf Fahrten am Tag, wie May erläutert. Die Baugrube ist für ihn der "erste Meilenstein" des Großprojekts. Weitere werden folgen - aber das dauert noch: Bis Ende 2020 soll der Rohbau stehen, erst Ende 2022 ist die Inbetriebnahme vorgesehen.

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