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"Gurgeln und ausspeien verboten"
03.01.2019 - 00:00 Uhr
Von Henning Zorn

Baden-Baden - Auf eine lange Geschichte kann der 110 Jahre alte Reiherbrunnen in der Sophienstraße zurückblicken, der zu den besonderen Attraktionen der Kurstadt gehört. Doch seitdem er kein wirklich warmes Thermalwasser mehr liefert, wird heftig über seine Zukunft diskutiert und die Frage nach dem "Erhalt eines Kulturgutes" gestellt.



Heißes Thermalwasser für Bürger und Gäste aus einem Brunnen - das hat Tradition in der Sophienstraße. Vermutlich schon seit mehr als 200 Jahren. Dort befand sich früher der sogenannte "Warme Brunnen", der, wie das Protokoll einer Sitzung des Bürgerausschusses vom Juni 1904 zeigt, gerne und viel von Kurgästen benutzt wurde. Schon damals legte man Wert darauf, dass das Wasser "rasch und in der richtigen Temperatur" ausläuft.

Das Nass aus der Tiefe war offensichtlich so begehrt, dass man die Nutzer hin und wieder an ihre gute Kinderstube und korrektes Benehmen erinnern musste. So wies das Großherzogliche Bezirksamt im August 1900 in einer Bekanntmachung darauf hin, dass am "Warmen Brunnen" in Baden-Baden "das Gurgeln und Ausspeien" verboten sei.

In den folgenden Jahren wurde der Wunsch laut, den recht schlichten Wasserspender durch einen neuen, schön gestalteten Thermalbrunnen zu ersetzen. Schließlich schrieb die Stadt Baden-Baden 1907 dafür einen Wettbewerb aus unter den Bildhauern des Künstlerbunds Karlsruhe. Darin heißt es auch, dass der Brunnen "zur bequemen Entnahme von Wasser zum Trinken" eingerichtet sein muss.

Der Stadtrat entschied sich schließlich für den Entwurf des Ettlinger Bildhauers Albicker mit dem Namen "Drei Reiher". Der neue Brunnen wurde dann 1908 aufgestellt. Das Badener Tagblatt stellte damals fest, dass der bisherige "Warme Brunnen", der jahrzehntelang "köstliches Thermalwasser" gespendet habe und an dem viele Fremde ihre Trinkkur vollzogen hätten, altmodisch geworden sei: "Er passte nicht mehr so recht in die Zeit verwöhnten Geschmackes und so ging er denn, hoch an Jahren, nachdem er bis zur letzten Stunde seinen Dienst wacker geleistet hatte." An seine Stelle trete nun ein "geschmackvoll ausgeführtes Brunnendenkmal", das für den ganzen Stadtteil eine Zierde sein wolle.

Diese Informationen zum Ursprung des Reiherbrunnens fand Stadtrat Rolf Pilarski (FDP) bei einer ausführlichen Recherche im Stadtarchiv. Grund dafür war sein Ärger darüber, dass aus dem Reiherschnabel mittlerweile nur noch recht kühles Thermalwasser plätschert. Der 110 Jahre alte, denkmalgeschützte Brunnen sei somit seines Wesens beraubt worden. Stattdessen habe man dort ein Warnschild befestigt: "Kein Trinkwasser".

Der Brunnen, so Pilarski, sei zeitweise abgestellt und dann mit dem spärlicheren und kühleren Thermalwasser wieder in Betrieb genommen worden, ohne dass darüber der Gemeinderat informiert oder gar gefragt worden sei.

"Kulturhistorische



Bedeutung geschädigt"

Auf Drängen Pilarskis hat die verantwortliche Bäder- und Kurverwaltung mittlerweile zur Situation des Reiherbrunnens Stellung genommen. Um eine bessere Hygiene zu gewährleisten, heißt es darin, sei eine neue Leitung mit geringerem Querschnitt installiert worden. Dies gelte besonders für den Bereich unmittelbar vor dem Auslauf des Thermalwassers am Brunnen. Durch den geringeren Querschnitt reduziere sich die Durchflussmenge des Wassers, was auch zur starken Abkühlung führe. Einen Rückbau hin zum alten Zustand am Reiherbrunnen hält die BKV nicht für möglich.

Für Pilarski ist dies aber nicht akzeptabel. Man habe jetzt einen alten, aber bis heute gültigen Ratsbeschluss der Stadt ad absurdum geführt und "die kulturhistorische Bedeutung des Brunnens beschädigt". Er fordert, den historischen Zustand wieder herzustellen. Es gehe hier um den Erhalt eines Kulturguts. Der Brunnen müsse einen kräftigen, heißen Strahl von natürlichem Thermalwasser abgeben. Außerdem solle auf einer Informationstafel daneben eine "Trinkempfehlung" stehen, damit jedermann selbst entscheiden könne, ob er von dem Wasser probieren will.

Inzwischen hatt sich der FDP-Stadtrat in dieser Angelegenheit auch an Oberbürgermeisterin Margret Mergen gewandt. Diese habe ihm ihre Unterstützung zugesagt, das Wasser des Reiherbrunnens wieder "heiß zu bekommen", teilte er kürzlich mit.

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