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Hilferuf wegen Merkur-Bergbahn
11.01.2019 - 00:00 Uhr
Von Henning Zorn

Baden-Baden - Im Rahmen der neuen Serie "Baden-Baden vor 50 Jahren" blicken wir zum Auftakt anhand der damaligen Berichte im Badischen Tagblatt auf die Geschehnisse in der Kurstadt im Januar 1969.

Einen großen Silvesterball gab es nicht nur im Kurhaus, sondern auch in der Offiziersmesse der französischen Streitkräfte in der Cité, wo dem Berichterstatter der Tageszeitung "die große Anzahl schlanker bis gertenschlanker Damen" auffiel. Seine Erklärung: Bei den französischen Garnisonen spiele eben auch im Physischen die Form eine wichtige Rolle.

Wenig erfreulich verlief der Jahreswechsel für die Besitzerin einer Villa in der Lydtinstraße. Während die Frau im Kurhaus feierte, wurde ihr Zuhause von einem Einbrecher ausgeräumt, der unter anderem Pelzmäntel, Halsketten, Brillanten und Goldmünzen mitgehen ließ.

Nachdem zu Jahresbeginn der Betrieb der Merkur-Bergbahn wegen des maroden Zustands stillgelegt werden musste, richtete der Baden-Badener Gemeinderat einen Hilferuf an den Verwaltungsrat der Bäder- und Kurverwaltung. Man bat um finanzielle Unterstützung, um die Bergbahn wieder betriebsfähig zu machen. Der Stadt selbst fehlten die dafür nötigen Mittel. Verwiesen wurde auf die große touristische Bedeutung der Bahn auf den Merkur.

Bei der Jahresfeier der Baden-Badener Verkehrsbetriebe wurden unter anderem eigene Fahrspuren für die städtischen Busse gefordert. Damals herrschte offenbar auch mehr winterliche Kälte als heute: So gab man den unteren kleinen Waldsee zum Schlittschuhfahren frei.

Kurz vor seinem 75. Geburtstag schied mit Alfred Brenner der letzte Vertreter der weltbekannten Baden-Badener Hotelierfamilie aus der Geschäftsführung der Brenner Hotel KG aus, deren alleinige Besitzerin nun die Oetker-Gruppe war.

Von so etwas können die Gesangvereine heutzutage wohl nur noch träumen. Der MGV "Fidelitas" Ebersteinburg berichtete in seiner Jahreshauptversammlung im Januar 1969, dass sich die Sängerzahl im Jahr zuvor nahezu verdoppelt habe.

Die innerstädtischen Verkehrsprobleme beschäftigten auch damals schon die Kommunalpolitik. Ein Experte unterstrich in einer Gemeinderatssitzung die starke Sogwirkung der Innenstadt und machte einen erstaunlichen Vorschlag zur Problemlösung: Geschäfte und Dienstleistungsbetriebe sollten aus der Innenstadt verlegt werden.

Zu den Schwierigkeiten im Zentrum gehörten auch schon 1969 mangelnde Parkplätze. Und so mancher öffentliche Stellplatz wurde von Dauerparkern blockiert. Daher entschied sich die Verwaltung zur Aufstellung zahlreicher Parkuhren - unter anderem im Bereich des Ludwig-Wilhelm-Platzes.

Auf dem Gutenberg-Sportplatz begann der Bau des neuen Dienstgebäudes der Polizei, zu dem sich dann auch ein neues Gebäude für das Amt für öffentliche Ordnung gesellte, das sich dort dann bis zum Umzug in einen Neubau in der Briegelackerstraße befand.

Einem im Baden-Badener Landgerichtsgefängnis einsitzenden Strafgefangenen gelang die Flucht, als er im alten Gerichtsgebäude in der Vincentistraße zum Arbeitseinsatz eingeteilt war. Besonders lang konnte der wegen fortgesetzten Diebstahls verurteilte Mann seine Freiheit aber nicht genießen, denn am Tag danach wurde er in Rastatt wieder festgenommen.

Ivan Rebroff zu Gast



im Rebland

Ivan Rebroff, der russische Sänger mit der gewaltigen Stimme, besuchte das Rebland: Im "Bocksbeutel" in Umweg sang er für einen guten Zweck. Heftige Diskussionen gab es in der Kurstadt über Preise und Programm des Theaters. Angesichts einer Tarifänderung ging es in der öffentlichen Debatte auch um die Frage, ob am Theater zu wenig "Althergebrachtes" zu sehen ist - was auch heute manchmal zur Sprache kommt.

Um immer genügend Thermalwasser zur Verfügung zu haben, ließ man zwei neue Quellen erschließen. Dazu musste in der Baden-Badener Altstadt eine lange Leitung verlegt werden, die über den Marktplatz bis zum Friedrichsbad führte.

Ende Januar hatte dann die Fastnacht Baden-Baden voll im Griff. Bei der Prunk- und Fremdensitzung der Narrenzunft wurde Malermeister Herbert Falk zum "Prinz Karneval" proklamiert. Dieser Name zeigt, dass die Baden-Badener Fastnacht damals noch stark vom rheinischen Karneval beeinflusst war.

Vom zunehmenden Börsenfieber waren auch die Baden-Badener erfasst: Die Stadtsparkasse stellte ihren neuen Börsenfunkfernsprecher vor, der in der Schalterhalle die Börsenfreunde über aktuelle Kursentwicklungen informierte.

Was macht Baden-Baden eigentlich mit den zurückfließenden Geldern aus der Spielbankabgabe? Darüber schien man sich damals beim Land nicht so recht im Klaren zu sein, wie Äußerungen von Landtagspräsident Camill Wurz zeigten. Er forderte nachdrücklich mehr Offenheit bezüglich des Etats der Bäder- und Kurverwaltung.

Groß war der Ärger in Ebersteinburg, weil die Kreisstraße nach Förch wieder einmal wegen der Frostaufbrüche gesperrt werden musste. Eine Protestversammlung wurde im Bergdorf einberufen, man fühlte sich abgeschnitten und forderte einen grundlegenden Ausbau der Straße.

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