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Landschaftspfleger sind selbst sehr pflegeleicht
12.01.2019 - 00:00 Uhr
Von Christa Hoffmann

Sinzheim - Sie strahlen Ruhe und Gelassenheit aus, die sich auf jeden Spaziergänger übertragen, der etwas Zeit mitbringt. Fast bewegungslos stehen sie mit ihren eindrucksvollen Hörnern und ihrem Zottelfell auf der Wiese hinter einem Elektrozaun. Wer Glück hat, entdeckt unter dem dichten Haarschopf auch die großen, lebhaften Augen der Hochlandrinder. Drei jungen Männern aus Sinzheim gehören zusammen 25 dieser vierbeinigen Schönheiten. Hauptgrund für die Anschaffung: Die schottischen Highland Cattles sind selbst pflegeleicht und pflegen die Landschaft.

Vorreiter war Johannes Kopp aus dem Sinzheimer Ortsteil Ebenung: Der Winzer hat im Frühjahr 2016 die ersten dieser genügsamen Tiere in Sinzheim angeschafft. Sie sollten seine zahlreichen Streuobstbaumflächen abweiden, die er sonst einmal im Jahr hat mähen müssen. Diese Art der Grünpflege habe er - neben der Haltung von Enten - in anderen Weinbaubetrieben kennengelernt, erzählt er.

Die Rinderart sei einfach zu handhaben, robust und brauche keine Stallungen, begründet Johannes Kopp seine Wahl. In der Regel reiche der Besuch eines Tierarztes, der den Rindern Blut abnehme, einmal im Jahr. Er habe mit vier einjährigen Tieren (Färsen) angefangen und sie als Zweijährige decken lassen. Inzwischen ist seine Herde auf acht Tiere angewachsen, und es sind erneut vier seiner Rinder trächtig. Allerdings möchte er auf Dauer nicht mehr als zwölf Tiere behalten. Entweder verkauft er dann einige oder lässt sie schlachten und behält das Fleisch für den Eigenbedarf.

Wenn man draußen auf der Weide ist und die muskulösen, kräftigen Tiere mit dem stoischen Wesen sieht, die ausgewachsen etwa 1,30 Meter hoch werden und zwischen 300 und 500 Kilogramm wiegen können, möchte man an so etwas aber gar nicht denken. Schon gar nicht, wenn man die vier jungen Rinder von Benedikt Huck und Roman Huck sieht, die neugierig in Richtung der Besucher schauen. Als die beiden Rinderhalter Äpfel aus der Tasche ziehen, kommen sie angelaufen. Nur das jüngste, einjährige Hochlandrind bleibt etwas zurück. Es lässt sich noch nicht mit dem Obst von Roman Huck locken. 17 Rinder auf drei verschiedenen Weiden in Halberstung, Vormberg und Kartung besitzen die zwei "Hucks" inzwischen, die sich von Jugend auf kennen und befreundet, aber nicht miteinander verwandt sind.

Roman Hucks Familie bewirtschaftete früher einen Hof mit Viehhaltung in Kartung, hat die Tiere aber inzwischen aufgegeben. "Wir haben immer Kühe gehabt", erinnert er sich, aber die traditionelle Anbindehaltung lehnt er inzwischen ab. Da er aber an der Viehwirtschaft hängt, kam er auf die Hochlandrinder, da er für Stallvieh hätte viel sanieren müssen. So haben sich die beiden Freunde 2017 für die robuste Rasse der schottischen Hochlandrinder entschieden und in Baden-Baden mit der Familie Baumann aus dem Baden-Badener Ortsteil Geroldsau kompetente Berater gefunden. Axel und Christine Baumann halten und züchten schon fast 30 Jahre lang diese genügsamen Tiere. Daraus habe sich inzwischen eine Partnerschaft entwickelt, berichtet Benedikt Huck. Seine Hochlandrinder und die seines Kollegen grasten auf eigenen und zugepachteten Flächen. Langfristig wollen die beiden Viehhalter dahin kommen, dass jedes Jahr sieben Rinder geschlachtet werden können.

Entgegen dem wuchtigen Aussehen sind die Vierbeiner nicht sehr schwer und verdichten daher auch kaum die weichen Böden. Das hat besonders Johannes Kopp überzeugt. Und dass sie nicht so hochwertiges Futter brauchten. Sie nehmen auch mal mit einer Brombeerhecke Vorlieb. Außerdem sind ihre Kuhfladen in einem Gebiet der Monokultur ein wichtiger Dünger und ein Festmal für Insekten, weiß der Winzer die Vorteile zu schätzen. Regelmäßig werde das verfilzte Fell der Rinder gepflegt. "Das mögen sie, dann strecken sie einem den Hals hin", sagt er und fängt gleich mit dem Kämmen an. Und das Tier verdreht genussvoll die Augen. Kopp: "Sie sind verschmust wie Hund und Katz." Sie seien zwar groß, hätten aber "den Charakter einer Maus" und wüssten nicht, wie groß und schwer sie seien. Da allerdings ihr Verhalten Fremden gegenüber nicht berechenbar ist, sollte man Abstand zu ihnen halten und sie außerdem auf keinen Fall füttern. Er habe schon Brotlaibe und Küchenabfälle von der Weide wegräumen müssen, beschwert sich Benedikt Huck.

Beschwerden gibt es auch von anderer Seite: So manchen Spaziergängern tun die in Regen, Kälte und im Matsch stehenden Tiere leid, wenn sie sehen, wie ihnen das Wasser übers Fell läuft. Sie glauben dann an eine schlechte Haltung der Besitzer und informieren die Behörden. Das mag gut gemeint sein, aber diese Art Rinder will in keinen Stall. Wo sie herkommen, herrschen ganz andere Wetterbedingungen. Wenn sie die Wahl haben, sagt Benedikt Huck, "lassen sie den Unterstand links liegen".

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