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Fast 1 500 Haushalte sind von Hartz IV abhängig
Fast 1 500 Haushalte sind von Hartz IV abhängig
17.01.2019 - 00:00 Uhr
Von Henning Zorn

Baden-Baden - Der generell positive Trend auf dem Arbeitsmarkt hat sich im vergangenen Jahr auch in der Kurstadt deutlich bemerkbar gemacht. Dies geht aus der Bilanz des hiesigen Jobcenters hervor, das sich um die Bezieher von Hartz-IV-Leistungen kümmert.

Über eine "sehr schöne Entwicklung" freute sich gestern die bisherige Leiterin des Jobcenters, Marie-Christine Junker (siehe auch "Zum Thema"), gemeinsam mit Bürgermeister Roland Kaiser. Die Anzahl der arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger sank im Vorjahr an der Oos um fast 15 Prozent auf 742.

Doch die Zahl der Menschen in Baden-Baden, die die Unterstützung des Jobcenters bekommen, ist noch weitaus größer. Insgesamt sind in der Kurstadt 1 499 Haushalte, in denen 2 719 Personen leben, von Hartz IV abhängig.

Daher wird in der Statistik der Arbeitsverwaltung besonders Bezug genommen auf die Lage bei den sogenannten Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften - hier gab es 2018 analog zum Bundestrend einen Rückgang um 6,3 Prozent. Den größten Anteil an diesem Rückgang haben in der Kurstadt die Ein-Personen-Haushalte, während bei Haushalten mit Kindern nur wenig Besserung zu verzeichnen war.

Ursache für die allerdings unter dem Strich günstige Entwicklung in Baden-Baden sind die guten Rahmenbedingungen durch die Konjunktur. Dies zeigt sich auch, wenn man die gesamte Arbeitslosenquote (SGB II und III) ansieht, die an der Oos in den vergangenen zwölf Monaten von 4,9 auf 4,6 Prozent sank.

Im Zuständigkeitsbereich des Jobcenters ist 2018 auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen um 10,8 Prozent und der Teilnehmer von Weiterbildungen, Sprachkursen und anderen Maßnahmen, was man auch als Unterbeschäftigung bezeichnet, um 6,4 Prozent gesunken.

Junker machte gestern auf einige Besonderheiten des hiesigen Arbeitsmarktes aufmerksam. Auffällig sei ein überdurchschnittlicher Anteil an geringqualifizierten Arbeitslosen, dem ein unterdurchschnittliches Beschäftigungspotenzial im Niedriglohnbereich gegenübersteht. So gab es im Vorjahr in Baden-Baden den größten Zuwachs an sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung vor allem in Sektoren, in denen höhere Qualifikation verlangt wird: Immobilien, freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen. Aufgrund der Altersstruktur der Bevölkerung liegt in Baden-Baden auch der Anteil älterer Leistungsbezieher über dem Durchschnitt.

Große Erwartungen setzen Junker und Kaiser in das am 1. Januar in Kraft getretene Teilhabechancengesetz, das neue Fördermöglichkeiten besonders für Langzeitarbeitslose bietet. Damit sollen Personen, die in den vergangenen sieben Jahren mindestens sechs Jahre lang im Leistungsbezug waren, durch geförderte Arbeitsverhältnisse in den Arbeitsmarkt integriert werden. Dabei übernimmt der Bund in den ersten beiden Jahren 100 Prozent der Lohnkosten, danach verringert sich der Zuschuss schrittweise.

Geförderte Arbeitsverhältnisse gibt es auch für Menschen, die seit zwei Jahren arbeitslos sind - hier beginnt der Zuschuss mit 75 Prozent. Interessierte Arbeitgeber können sich an das Jobcenter wenden.

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