http://www.spk-bbg.de
Welterbe: Bewerbung auf der Zielgeraden
18.01.2019 - 00:00 Uhr
Von Harald Holzmann

Baden-Baden - Jetzt hat bald die Unesco das Sagen: Die Bewerbung von Baden-Baden gemeinsam mit zehn weiteren historischen europäischen Kurstädten des 19. Jahrhunderts um die Aufnahme in die Unesco-Liste des Weltkulturerbes geht auf die Zielgerade. Gestern gaben Vertreter des Wirtschaftsministeriums, der Stadt und der Industrie- und Handelskammer (IHK) bei einer Pressekonferenz im Rathaus einen Überblick. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:

Der Welterbe-Antrag beschäftigt die Baden-Badener nun schon seit 2006. Wie ist der Stand der Dinge?

Der Antrag ist jetzt ausformuliert und fertig. Auf insgesamt 1 434 Seiten wird aufgeführt, wieso die Gruppe von elf Städten aus sieben europäischen Ländern - Baden-Baden, Bad Kissingen und Bad Ems (Deutschland), Karlsbad, Franzensbad und Marienbad (Tschechien), Baden bei Wien (Österreich), Bath (Großbritannien), Montecatini Terme (Italien), Spa (Belgien) und Vichy (Frankreich) - als "Great Spas of Europe" ins Weltkulturerbe aufgenommen werden sollen. Am Dienstag, 22. Januar, treffen sich die Bürgermeister der Städte und die Unesco-Botschafter der sieben Staaten in der tschechischen Botschaft in Paris, um den Antrag zu unterzeichnen. Bis 1. Februar muss der unterschriebene Antrag bei der Unesco in Paris eingereicht sein.

Und was passiert dann?

Mit der Einreichung des Antrags werde ein Automatismus in Gang gesetzt, sagt Andreas Förderer, Fachmann für Welterbe-Bewerbungen. Die Unesco prüft den Antrag zunächst auf Vollständigkeit. Bis Juni benennt der Internationale Rat für Denkmalschutz einen für die Bewerbung zuständigen Gutachter. Im Sommer werden Experten-Kommissionen unterwegs sein und die elf Bewerberstädte bei Besuchen vor Ort auf Herz und Nieren überprüfen. Bis De zember werden die Fachleute einen Bericht abgeben. Im Frühjahr 2020 teilt der Internationale Rat für Denkmalschutz seine Empfehlung mit. Im Juli 2020 gibt die Unesco dann bekannt, ob die Bewerbung Erfolg hatte.

Gibt es noch mögliche Hindernisse auf dem Weg?

Ja. Fachleute halten es durchaus für möglich, dass die Experten des Denkmalschutzrates nicht alle elf Bewerberstädte für welterbefähig halten. So kann es sein, dass die Bewerbung vor der Unesco-Entscheidung mit einer geringeren Anzahl von Städten noch einmal überarbeitet werden muss. Auch die Forderung nach anderen Nachbesserungen ist durchaus möglich. Deshalb kann es sein, dass die Unesco nicht 2020, sondern erst im Jahr danach über den Antrag entscheidet.

Wieso findet die Unterzeichnung in der tschechischen Botschaft statt?

Baden-Baden ist der Initiator der transnationalen Bewerbung gewesen. Da es in Deutschland aber viele Welterbe-Kandidaten gibt, wäre eine Bewerbung bei der Unesco unter deutscher Federführung erst in fünf bis zehn Jahren möglich gewesen. Um schneller zum Zug zu kommen, werden die Unterlagen deshalb unter tschechischer Führung eingereicht. Nur so ist es möglich, eventuell schon 2020 ins Weltkulturerbe aufgenommen zu werden.

Was hat die Kurstadt von einem Welterbe-Titel?

Ganz konkrete wirtschaftliche Vorteile listet Jenny Greis von der IHK auf. Baden-Baden spiele bereits jetzt in der obersten Liga als Tourismusstandort. Der Welterbe-Titel werde die Anziehungskraft steigern, für noch mehr Gäste sorgen und allgemein die Technologieregion Karlsruhe stärken. Zudem werde es für die Firmen in Baden-Baden, wenn sie mit dem Welterbe-Titel werben könnten, leichter, Fachkräfte zu gewinnen. Oberbürgermeisterin Margret Mergen sieht darüber hinaus auch die Innenwirkung des Titels. "Es ist etwas Besonderes, in so einer Stadt zu leben, Eigentum zu haben oder eine Institution oder Firma zu führen", sagt sie.

Was hat die Bewerbung Baden-Baden gekostet?

Die Stadt zahlt zurzeit mehr als 60 000 Euro im Jahr für Personal und Material. Das Land unterstützt die Bemühungen seit mehr als fünf Jahren mit jeweils über 100 000 Euro jährlich, sagt Wirtschaftsstaatssekretärin Karin Schütz.

Welche Rolle spielt Baden-Baden im Konzert der elf Bewerber?

Claus Wolf, Präsident des Landesdenkmalamtes, betont, dass die Kurstadt zusammen mit Spa, Vichy, Bath und dem tschechischen Bäderdreieck eine "herausragende Stellung" einnehme. "Baden-Baden ist auf jeden Fall das Flaggschiff der drei deutschen Antragssteller", so Wolf weiter. Die Stadt, die im 19. Jahrhundert als "Sommerhauptstadt Europas" galt, verfüge als Ganzes über eine bis heute bestehende und ganz spezifische Siedlungsform, die es nur in den damaligen Modebädern gab. Mergen verweist zudem auf eine Dichte von weltbekannten Schriftstellern, Musikern, Künstlern und politischen Machthabern, die in Baden-Baden nicht nur als Badegast weilten, sondern hier viele Monate, manchmal sogar Jahre ihres Lebens verbracht haben. Auch das sei ein ganz herausragendes Merkmal der Kurstadt.

Und wie hat die Kurstadt die internationalen Pläne vorangetrieben?

Baden-Baden war in den zurückliegenden Jahren immer wieder Motor der Bewerbung. Aus dem Rathaus der Kurstadt werden die finanziellen Angelegenheiten der gesamten Bewerbung verwaltet. Zudem seien bei Tagungen und Treffen an der Oos Meilensteine gesetzt worden. Hans-Peter Mengele, Vorsitzender des Freundeskreises Lichtentaler Allee, erinnert zudem daran, dass die Idee zur Welterbe-Bewerbung im Jahr 2006 von Baden-Badener Bürgern kam. "Das klang zunächst sehr ambitioniert, wurde aber im Laufe der Jahre immer realistischer. Dass aus dieser Idee für Baden-Baden nun ein gemeinsamer Plan für elf europäische Städte geworden ist, zeigt, dass sich die Kurstadt auch heute noch als internationale Drehscheibe bewährt", so Mengele.

Kommentar

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Baden-Baden
Baden-Badener 3D-Modell in Arbeit

04.01.2019
Dreidimensionales Stadtmodell
Baden-Baden (hez) - Immer weiter ausgebaut wird das städtische Geoinformationssystem. Viele Daten sind im Internet auf der städtischen Homepage abrufbar, was für die Bürger Anrufe oder Besuche im Rathaus ersetzen kann. In Arbeit ist ein 3 D-Modell Baden-Badens (Foto: Stadtverwaltung). »-Mehr
Elchesheim
Mittwochs ist künftig zwangsweise Ruhetag

29.12.2018
Ruhetag wegen Fachkräftemangel
Elchesheim-Illingen (HH) - Der Fachkräftemangel zieht Kreise. Seinetwegen wagen in Elchesheim-Illingen Bäckereimeister Michael Niklaus und seine Ehefrau Karin einen Schritt, zu dem sie sich mit Hoffen und Bangen entschieden haben: Mittwochs ist künftig Ruhetag (Foto: HH). »-Mehr
Lausanne
´Wir wollen zurück zu den Wurzeln´

29.12.2018
Bach: "Zurück zu den Wurzeln"
Lausanne (red) - IOC-Präsident Thomas Bach spricht im Interview über das Misstrauen gegenüber Sportorganisationen, den Klimawandel und Probleme bei der Spiele-Vergabe. Der ehemalige Weltklasse-Fechter aus Tauberbischofsheim feiert am Samstag seinen 65. Geburtstag (Foto: dpa). »-Mehr
Karlsruhe
Einsatz für Denkmalschutz mit viel Herzblut

15.12.2018
Kulturpreis für Zehntscheuern
Karlsruhe (cl) - Das Forum Gernsbacher Zehntscheuern gewinnt den Kulturpreis der Technologie-Region Karlsruhe. Mit dem "KULT2018" wurden auch das Kulturerbe Schwarzwaldhochstraße, der Historische Verein Rastatt und die Brahmsgesellschaft Baden-Baden geehrt (Foto: Viering). »-Mehr
Karlsruhe
Schwung für die Idee des Rechtsstaats

11.12.2018
Verein fördert "Forum Recht"
Karlsruhe (kli) - Mit einem Förderverein soll das in Karlsruhe geplante "Forum Recht" einen Schritt vorankommen. "Wir wollen mit dem Verein bundesweit ausstrahlen für ein herausragendes Projekt", erläutert der erste Vorsitzende des Fördervereins, Ulrich Eidenmüller (Foto: Förderverein). »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
Umfrage

Rastatt bekommt sprechende Mülleimer. Damit will die Stadt zur korrekten Müllentsorgung motivieren. Halten Sie solch ein Vorgehen für sinnvoll?

Ja.
Nein.
Das weiß ich nicht.


Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1