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Von Mädchenschule zum Gymnasium
22.01.2019 - 00:00 Uhr
Baden-Baden (red) - Mit einer gemeinschaftlichen Auftaktveranstaltung hat das Richard-Wagner-Gymnasium (RWG) sein Jubiläumsjahr zum 150-jährigen Bestehen der Schule eingeläutet. Alle Schüler und Lehrer frühstückten gemeinsam mit ihrer Klasse, aber nicht in den jeweiligen Klassenzimmern, sondern im ganzen Schulhaus verteilt. Ziel der Veranstaltung war es, so Mitorganisatorin Ulrike Häußler, die Schulgemeinschaft zu stärken und Spaß zu haben. Eine zusätzliche amüsante Note erhielt die Aktion dadurch, dass die Schüler verkleidet kamen - nach einem Motto, das sich jede Klasse selbst ausgesucht hatte.

"Das gemeinsame Frühstück war ein voller Erfolg. Es herrschte eine ganz besondere Atmosphäre im Schulhaus", wird Schulleiter Matthias Schmauder in einer Mitteilung zitiert. Einen Tag zuvor hatte sich der Schulleiter bereits in einer Ansprache an die Schüler gerichtet, um den Beginn des Jubiläumsjahres gebührend hervorzuheben. Schmauder, der während seiner Rede historische Kleidung trug, die im Entstehungsjahr der Schule um 1869 üblich war, vermittelte der Schülerschaft einen interessanten Einblick in die Geschichte der Schule sowie einen Ausblick auf das bevorstehende Jubiläumsjahr.

Das ganze Jahr über werden noch weitere vielfältige Jubiläumsveranstaltungen stattfinden: Im Februar diskutieren die Klassen 10 gemäß der europäischen Ausrichtung der Schule mit Abibac-Zug mit der Landtagsabgeordneten Beate Böhlen (Grüne) über die Zukunft Europas. Im März lädt der Förderverein seine Mitglieder und Sponsoren zu einer Jubiläumsveranstaltung ein. Die Theater-AG inszeniert als Jubiläums-Theaterveranstaltung im selben Monat Molières "Der eingebildete Kranke". Das große Jubiläumsschulkonzert wird im April gegeben, im Juli findet ein Sponsorenlauf statt. Am Ende des Schuljahres wird ein Schulfest mit großem Ehemaligentreffen veranstaltet, bevor dann im folgenden Schuljahr der offizielle Festakt stattfinden wird. Die Festschrift erscheint im September.

Das ganze Jahr hindurch wird außerdem eine 150 Meter lange Zeitleiste mit den wichtigsten Meilensteinen der Schulgeschichte die Schule durchziehen. Wer sich für die Jubiläumsveranstaltungen der Schule interessiert, kann sich auf der Homepage für den dafür eingerichteten Newsletter registrieren lassen. Dort finden sich auch alle Informationen rund um das Jubiläumsjahr. Alle ehemaligen Absolventen sind zu den Veranstaltungen eingeladen, die Abiturienten der vergangenen 20 Jahre werden von der Schule persönlich angeschrieben.

Ein Blick auf die Geschichte zeigt, dass sich die Schule häufig gewandelt hat und durchaus als Kind ihrer jeweiligen Zeit zu sehen ist, heißt es in der Mitteilung. Die Schule wurde am 6. April 1869 zunächst als höhere Töchterschule mit dem Rang einer erweiterten Volksschule eröffnet. Sie war zu diesem Zeitpunkt noch in einem nahezu herrschaftlichen Haus in der Stephanienstraße untergebracht. Schon zehn Jahre später, im Jahre 1879, wurde aus der erweiterten Volksschule eine "Höhere Mädchenschule", eine Mittelschule, die somit als höhere Schulanstalt dem Land und nicht mehr der Stadtgemeinde unterstellt ist. Im Laufe der Zeit wechselte die Schule noch mehrmals ihren Status, insgesamt zeigte sich allerdings, dass der mittlere Schulabschluss seit der Jahrhundertwende den gewachsenen Anforderungen des Bildungsbürgertums nicht mehr genügte.

1940 wurde schließlich das erste fachgebundene Abitur an der Schule, die seit 1937 "Richard-Wagner-Schule" heißt, abgelegt. Laut mündlicher Überlieferung wurde der Namensgeber gewählt, um einer möglichen nationalsozialistischen Namensgebung zuvorzukommen. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges musste die Lehranstalt ihren Sitz für französische Schüler räumen und fand Zuflucht in den Gewölben der Büchlerschen Schule, dem heutigen Pädagogium. Ab 1950 war sie in der Inselstraße untergebracht. In diesem Jahr erhielt die Schule schließlich den Namen: Richard-Wagner-Gymnasium. Zwei Jahre später wurde die erste allgemeine Hochschulreife abgelegt. Die Schule kehrte in die Stephanienstraße zurück. Ein weiterer wichtiger Meilenstein folgte im Jahre 1965: Das RWG wurde Koedukationsschule und wurde fortan auch von Jungen besucht. 1980 bezog die Schule den Neubau im Schulzentrum West in der Rheinstraße, wo sie heute noch sitzt.

Eine wichtige Neuausrichtung der Schule erfolgte im Jahr 2007: Das RWG startete in seinen bilingualen Zug, der Schülern die Möglichkeit bietet, das deutsche und zugleich das französische Abitur, das "Abibac", abzulegen. Der neue Zug entwickelte sich in den folgenden Jahren bis heute ausgesprochen erfolgreich. Seit 2008 ist das Baden-Badener Richard-Wagner-Gymnasium außerdem eine offene Ganztagsschule mit Hausaufgabenbetreuung am Nachmittag und einer Schulmensa.

Dass die Schule bis heute den Namen Richard Wagners trägt, der bedeutende Opern, aber auch antisemitische Schriften verfasst hat, ist nicht unumstritten. Das RWG hat seinen Umgang mit dieser Tatsache jedoch in einer kritischen Auseinandersetzung mit seinem Namensgeber gefunden, so die Mitteilung. So wird sich unter anderem die Festschrift kritisch der Person Richard Wagner nähern. Aus der Not könne eine Tugend gemacht werden, so Matthias Schmauder, indem der Name Wagner als immer wiederkehrender Anlass genutzt werde, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen.

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