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Riechen, schwenken, nippen und genießen
Riechen, schwenken, nippen und genießen
04.02.2019 - 00:00 Uhr
Von Christina Nickweiler

Sinzheim - Seidig schimmert der Rosé-Wein im Glas, das Benedikt Grein vom Staatlichen Weinbauinstitut aus Freiburg hält. Kunstvoll sind das Wappen und der Schriftzug des Weinbauinstituts auf das Glas graviert. "Das klare Erdbeeraroma wirkt frisch und fruchtig", urteilt der Weinexperte über einen der insgesamt acht ausgeschenkten Rosé-Weine bei der Sinzheimer Jungweinprobe.

Es ist die 26. Auflage, zu der die Pheromon-Gemeinschaft unter dem Vorsitz des Berufswinzers Michael Boos eingeladen hatte. Eine Bühler Genossenschaft und acht private Weinbaubetriebe - jeweils drei davon aus dem Rebland und aus Sinzheim - unterziehen ihre Rebensäfte, die erst seit wenigen Monaten in den Fässern reifen, einer kritischen Bewertung.

Neben den an der Verkostung teilnehmenden Winzern, hat sich eine illustre Gesellschaft an diesem Freitagnachmittag im Sinzheimer Ratssaal eingefunden - angefangen vom Hausherrn Bürgermeister Erik Ernst und der hiesigen Geistlichkeit, Dekan Martin Schlick, über den Vizepräsidenten des badischen Weinbauernverbandes, Franz Benz, und dem Direktor des staatlichen Weinbauinstituts Freiburg, Rolf Steiner, bis hin zu Vertretern des Regierungspräsidiums Freiburg und Landrat Jürgen Bäuerle. Der zuletzt Genannten hat nach rund zweieinhalb Stunden und der Verkostung von 39 verschiedenen Weinen lobende Worte für die Arbeit der Winzer: "Der Weinbau hat eine große Bedeutung für die hiesige Kulturlandschaft und die Lebensqualität der Menschen." Der Wein und die badische Küche böten hervorragende Produkte für den Tourismus, befindet er.

Dieter Blaeß vom Regierungspräsidium Freiburg sieht die traditionelle Sinzheimer Jungweinprobe als ein wichtiges Forum, wo die Arbeit und die Produkte der Winzer vor Ort nicht nur kritisch beurteilt werden, sondern diese auch etliche Tipps erhalten, wie die Qualität perfektioniert werden kann. Die Qualität des Weins der hiesigen Weinbaubetriebe könne sich locker auf dem internationalen Feld messen, meint er.

Inzwischen trocknet Wein-Kommentator Benedikt Grein mit einer Serviette seine Lippen. Die fünf Damen und ein "Kellner" deuten diese Geste, um die nächsten drei Weine auszuschenken. In wenigen Minuten haben die mehr als 40 Gäste die letzten drei Rosé-Weine im Glas. Die Flaschen mit den Kostproben haben kein Etikett. Sie sind mit einer Nummer versehen, so dass die Weinbaubetriebe zunächst geheim bleiben. Manche Teilnehmer seien aber in der Wein-Sensorik so gut geschult, dass sie alleine an der Stilistik den Winzerbetrieb erkennen können, weiß Rolf Steiner.

Die meisten Teilnehmer versuchen zuerst, die changierenden Farben der Weine wahrzunehmen. Während einige Weine glänzen, sind manche noch etwas trüb. Der Wein-Kommentator riecht am Wein, schwenkt ihn im Glas, riecht erneut und nippt. Er schlürft und schmatzt ein wenig, seziert geradezu den Wein. Dann spuckt er diskret in ein mit Stroh befülltes Gefäß neben seinem Sitzplatz. Anschließend notiert er seine Eindrücke. Er zeigt sich von der Qualität des Rieslings beeindruckt: "Kabinett ist tief gestapelt." Er spricht von dem edlen Rebensaft wie von einer Person: "Der Sauvignon blanc zeigt, was er kann." Schon nach dem dritten Durchgang zeigt sich Grein davon überzeugt, dass der vergangene Sommer im Jungwein bereits zum Ausdruck kommt. Nur 1971 sei in Bezug auf Menge und Qualität ein vergleichbares Jahr gewesen, ergänzt der Direktor des Weinbauinstituts.

Dann beginnt die "Weißwein-Runde" mit dem Müller-Thurgau. "Dicht, präsent, am Gaumen animierend", kommentiert der Weinfachmann und spricht von einem "neumodischen Müller-Stil". Am Ende eines Durchgangs geben sich die jeweiligen Weinbetriebe zu erkennen. Die Winzer informieren dann, wann die Trauben mit wie viel Öchslegrade geerntet wurden und wie lange die Trauben auf der Maische gelegen haben. Es entsteht eine kurze Diskussion: "Der Wein sollte beim Abfüllen viel CO (Kohlendioxid) haben, das gibt einen Schubs nach oben", rät Grein einem anwesenden Winzer. In einem weiteren Gespräch mit einem Winzer, bekommt der Kenner seine zuvor getroffene Feststellung bestätigt, dass eine Weißweinsorte in einem großen Holzfass gelagert wird. "Weißwein im Rosenholzfass ist für Spitzenweine üblich", bemerkt er.

"Bitternis" ist von so manchem gewollt

Als die Weinproben der internationalen Sorten beginnen, ist - gemessen am Geräuschpegel - die Dialogbereitschaft unter den Anwesenden gestiegen. Die bei der Weinverkostung anwesenden Laien erfahren, dass das Urteil "Bitternis" durchaus subjektiver Wahrnehmung unterliegt, dieses Kriterium aber von manchen Weinbaubetrieben gewollt ist, damit die Weine länger halten, als etwa "gefällige" Weine. Lang haltbare Weine gehören zu den begehrten Raritäten bekennender Weinliebhaber.

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