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Wenn ein kurzer Satz das Leben verändert
Wenn ein kurzer Satz das Leben verändert
07.02.2019 - 00:00 Uhr
Von Conny Hecker-Stock

Baden-Baden - "Nur drei Worte" ist der Titel einer bissigen Gesellschaftskomödie von Joanna Murray-Smith, einer der erfolgreichsten australischen Gegenwartsdramatikerinnen. Die Komödie wurde 2017 in Melbourne uraufgeführt. In der Übersetzung von Peter und John von Düffel feiert das Stück in einer Inszenierung von Otto Kukla am 15. Februar als deutsche Erstaufführung am Theater Baden-Baden Premiere.

Dramaturgin Kekke Schmidt hatte bei einer Soiree zur Einführung neben Kukla die beteiligten Schauspieler Constanze Weinig und Sebastian Mirow als Gast. Anwesend war auch Crescentia Dünßer, die regelmäßig in Kuklas Inszenierungen zu sehen ist. Katharina Kottmeier als Vierte im Bunde war verhindert.

Diese legendären drei Worte, um die es geht, können ebenso "Ich liebe dich" wie "Wir trennen uns" beinhalten. In dem Stück geht es um beides. Zwei Paare sind darin miteinander durch dick und dünn gegangen, hatten ihre Krisen und viele gemeinschaftliche, ihre dicke Freundschaft prägende Erlebnisse. Bis das eine Paar beiläufig eröffnet: "Wir trennen uns." Diese scheinbare Klarheit erzeugt ein Höchstmaß an Unklarheit beim anderen Paar und bringt massive Kollateralschäden in das soziale Umfeld. Denn diese drei Worte hinterfragen plötzlich den gesamten Lebensstil und liebgewordene Rituale. Die als mystisch empfundene erste Begegnung, den gerade noch mit den Freunden gemeinsam gefeierten 20. Hochzeitstag, zusammen erlebte Fernreisen, die heimelige Sicherheit der engen Freundschaft, ist das alles nichts mehr wert, war da überhaupt jemals etwas?

Das System bricht zusammen, die Beteiligten sind verstört. Stimmt es denn bei uns überhaupt noch, fragt sich das andere Paar verunsichert, oder wackelt da auch schon alles. Einen Menschen so sehr zu lieben, dass man seiner weiteren Entwicklung nicht im Weg stehen will, grenzt das nicht an Selbstverleugnung? "Wir leben im 21. Jahrhundert, und Männer sind heute so", sagt Sebastian Mirow und zuckt die Schultern. Nach der Süße des Anfangs, dem trunkenen Erforschen der Vollkommenheit des geliebten Wesens, folge die "lange Schleifspur der Leiden". Sie will aus diesem "Sackgassengefühl" heraus, auch wenn die Freundin sagt, ihre angestrebte Freiheit existiere in Wirklichkeit gar nicht, das sei wie mit dem Osterhasen.

Lebenslange tiefe Gefühle, ein völlig irrat ionaler Optimismus in der Welt der Singularitäten unserer westlichen Wohlstandsgesellschaft. Lässt sich mit dem Akt des Wählens, Bleiben oder Freiheit, soziale Vorbestimmung überwinden? Letztlich macht es keinen Unterschied in dem psychologisch sehr fein beobachteten Stück, ob Galeristin, Verlegerin, Lehrer oder Physiotherapeutin, wenn es um das in die Luft gesprengte, einst harmonische Gefüge geht.

In den 16 Einzelszenen passiert laut Kukla, der von einem hohen Unterhaltungswert seiner Inszenierung spricht, "wahnsinnig viel". Sie sind sehr knapp gehalten, die vier Schauspieler müssen jeweils "von Null auf Hundert", das habe schon etwas Filmisches. Die Szenerie spielt in der intellektuellen Schicht bürgerlicher Akademiker der Mittelklasse, ist aber kein zweites "Wer hat Angst vor Virginia Woolf". Zu den Kostümen von Annie Lenk verrät er noch nichts. Kukla ist auch für das Bühnenbild zuständig. Da ist anfangs die heile Welt, die Risse bekommt, bis diese Welt völlig aus den Fugen gerät, das Kartenhaus zusammenbricht und keiner mehr weiß, wo vorne und hinten ist.

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