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Kaum Hoffnung für Hotelprojekt
09.02.2019 - 00:00 Uhr
Von Sarah Reith

Baden-Baden - Fast so hoch wie das Babo-Hochhaus selbst waren die Erwartungen, als 2014 bekannt wurde, dass der türkische Hotelier Hüseyin Aydogan die markante Immobilie im Stadtteil Oos gekauft hatte. Nun, fünf Jahre später, gibt es kaum noch Hoffnung, dass aus dem seit 1999 leerstehenden Gebäude tatsächlich das angekündigte Hotel wird. Nach BT-Recherchen gibt es auch bei den Projekten des Investors in Bad Herrenalb und Baiersbronn Probleme.

In Bad Herrenalb gehört dem Unternehmer seit 2017 das Hotel am Kurpark. Das soll allerdings nicht so bleiben, was dieser Tage auch im dortigen Gemeinderat Thema war. Der Hotelbetrieb laufe offiziell noch, doch die Lampen seien ausgeschaltet, hatte Bad Herrenalbs Bürgermeister Norbert Mai laut einem Bericht des Schwarzwälder Boten in der Sitzung gesagt. Stadtpressesprecher Christian Siebje erläuterte auf BT-Nachfrage, dass man derzeit nicht genau wisse, was in dem zentral gelegenen Hotel vorgehe: Theoretisch könne man dort Zimmer buchen, es sei aber niemand vor Ort, wenn man hingehe: Es hänge lediglich ein Zettel mit einer Telefonnummer an der Tür, an die man sich wenden könne. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass da jemand drin ist", meinte er. Darüber hinaus ist das Hotel nun im Internet auf verschiedenen Immobilien-Verkaufsportalen zu finden: Der Eigentümer will das Haus demnach wieder verkaufen - und zwar für stolze 11,9 Millionen Euro. Nach BT-Informationen hat er beim Kauf nur einen Bruchteil dieser Summe bezahlt.

In Baiersbronn, wo Aydogan ebenfalls 2017 das Hotel am Rinken erwarb, sieht es offenbar auch düster aus. Im Sommer 2018 sei der Eigentümer mit einem Architekten vorstellig geworden und habe ein Baugesuch angekündigt, berichtete Sebastian Kiss von der Gemeinde. Er habe den Wellnessbereich sowie das Dachgeschoss des Hotels ausbauen und weitere Zimmer einrichten wollen. Seitdem habe man aber nichts mehr gehört, der Antrag sei nie gestellt worden. Der Betrieb des Hotels sei offiziell schon länger eingestellt - und daran werde sich so schnell wohl auch nichts ändern: Das Haus befinde sich in einem desolaten Zustand.

Hat sich der Investor womöglich verkalkuliert? Auch für das Babo hatte er zunächst große Pläne: Ein Drei-Sterne Hotel sollte entstehen, und das mit höchst ambitioniertem Zeitplan und für relativ wenig Geld. Doch so einfach war es nicht: Unter anderem gab es Auseinandersetzungen mit dem Denkmalschutz über die Gestaltung der Lobby und die Farbe der Fassade, es fehlten Statik-Pläne, und die Asbest-Problematik war dem Investor, wie er 2017 betonte, beim Kauf offenbar ebenfalls nicht bewusst gewesen.

Hintergrund

Zu diesem Zeitpunkt betonte Aydogan zwar noch, er halte am Hotelprojekt fest (immerhin hatte er 2016 zumindest eine Baugenehmigung bekommen), doch er sprach auch von erheblichen Finanzierungsproblemen. Diese Situation dürfte sich wohl nicht verbessert haben - nachdem nun offenbar auch seine anderen beiden deutschen Hotelprojekte, die er eigentlich schon vor dem Babo hatte zum Laufen bringen wollen, nicht nach Wunsch verlaufen sind. Ob der Hotelier von seiner ursprünglichen Strategie, sich in Deutschland ein zweites Standbein aufzubauen, vor diesem Hintergrund komplett abgerückt ist und auch das Babo gern wieder loswerden würde, ist unbekannt. Auf mehrere Anfragen des Badischen Tagblatts kam keine Reaktion.

Zumindest bei der Baden-Badener Stadtverwaltung hat man kaum noch Hoffnung, dass sich bei dem Projekt etwas tut. Wie berichtet, äußerte Oberbürgermeisterin Margret Mergen im Januar bei einem Pressegespräch ihre Zweifel, "ob der Eigentümer das auf die Reihe bringt". Dabei hatte sie noch 2015 die Pläne des türkischen Investors nach vielen Jahren des Stillstands als "letzte Chance" für das einstige französische Verwaltungszentrum bezeichnet. Nun scheint die Chance zu schwinden - und das "Bâtiment administratif de Baden-Oos" (kurz: Babo) gammelt weiter vor sich hin.

Kurstadt-Spitzen

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Von Thomas Raquot am Samstag, 09.02.2019 um 15:06 Uhr
Kaum Hoffnung für Hotelprojekt
Wann wird dieser hässliche Klotz endlich abgerissen ?
Was hat dieser asbestverseuchte Glaskasten mit Denkmalschutz zu tun ?
Soll solange gewartet werden, bis sich die ersten Teile lösen, auf die Strasse fallen und womöglich noch Jemand zu Schaden kommt ?
Dann wollte ich nicht in der Haut der Verantwortlichen stecken und kann nur hoffen, dass diejenigen dann auch zur Rechenschaft gezogen werden.

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