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Gelbe Hütte sorgt für düstere Stimmung
Gelbe Hütte sorgt für düstere Stimmung
12.02.2019 - 00:00 Uhr
Von Sarah Reith

Baden-Baden - Schon vor Jahren sorgten zahllose Kleinbauten im freien Feld für Diskussionen - und die Baden-Badener Stadtverwaltung versuchte, diesen vielfach ausufernden Wildwuchs einzudämmen. Nun ist die Diskussion in Ebersteinburg wieder hochgekocht. Der Anlass: eine knallgelb gestrichene Gartenhütte mitten im Landschaftsschutzgebiet.

Ortschaftsrätin Katja Frank (Grüne) hat den Fall unlängst im Ebersteinburger Ortschaftsrat thematisiert. Sie hat auch schon mehrfach mit der Verwaltung Kontakt aufgenommen - ist aber mit der Reaktion alles andere als zufrieden.

Der Hintergrund: Ihrer Ansicht nach verstößt ein Grundstücksbesitzer im Landschaftsschutzgebiet "Baden-Baden" im Gewann "Haberäcker" bei Ebersteinburg massiv gegen die Vorgaben des Landschaftsschutzes. Das sei der Verwaltung bereits im Frühjahr 2018 gemeldet worden, machte Frank in einem Schreiben an die Stadt deutlich. Inzwischen wurden auf dem Grundstück laut Frank sämtliche Bäume gefällt, die vorhandene Hütte mit Ziegeln eingedeckt und gelb angestrichen. Zudem würden auf dem Grundstück Gartenmöbel gelagert. Im Januar forderte Frank die Verwaltung auf, ihrer Aufsichtspflicht nachzukommen: "Solche egoistischen Grundstücksbesitzer gefährden nicht nur die Natur, sie verhöhnen all diejenigen, die sich an Recht und Ordnung halten und ihre Grundstücke nach den Vorgaben des Landschaftsschutzes bearbeiten", ärgerte sie sich.

Das Problem ist nicht neu: Schon 2010 berichtete das BT von Kleinbauten in der freien Landschaft, die an vielen Stellen im Stadtkreis oft illegal entstanden waren. Damals sagte die Verwaltung dieser Entwicklung den Kampf an und versuchte, die wilden Zustände zu ordnen. Es wurden sogenannte Feldgartengebiete eingerichtet, in denen kleine Geschirrhütten erlaubt sind. Größere Gartenhäuser wurden aber auch dort für unzulässig erklärt. In den darauffolgenden Jahren nahm man mit Besitzern solcher "Datschen" Gespräche auf und erwirkte Umbauten. Die Verwaltung machte damals aber deutlich, dass man es personell nicht leisten könne, sich mit allen illegalen Hütten zu befassen. Nur besonders problematische Fälle sollten aufgegriffen werden.

Bis heute sei die Hüttenproblematik ein Thema und werde die Verwaltung sicher noch die nächsten Jahre beschäftigen, erläuterte der zuständige städtische Fachgebietsleiter Rudolf-Karl Teichmann auf BT-Nachfrage. "Illegale Bauten werden sukzessive aufgegriffen und abgearbeitet", betonte er.

Auch die nun in Ebersteinburg diskutierte Hütte liegt in einem Feldgartengebiet. Laut Verwaltung handelt es sich um eine "alte Hütte im Bestand", die im Zusammenhang mit einer Feldgartennutzung grundsätzlich zulässig sei. "Allerdings muss sich die Hütte in die umgebende Landschaft einfügen." Daher sei der Anstrich in Gelb bereits im vergangenen Jahr untersagt worden. Da der Nutzer sich nicht einsichtig zeige, werde das Überstreichen der Hütte nun über eine Anordnung zwangsweise durchgesetzt. Die Ortschaftsrätin bat man um Geduld: Die Bearbeitung solcher Vorgänge sei zeitintensiv und langwierig.

Ansonsten sieht die Stadt in diesem Fall keinen Handlungsbedarf: Der Zaun sei zwar kein Wildschutzzaun (eigentlich wäre nur ein solcher zulässig), ein Abriss sei aber unverhältnismäßig. Und die gefällten Bäume unterlägen nicht der städtischen Baumschutzsatzung. Damit wiederum ist die grüne Ortschaftsrätin keineswegs einverstanden: Sie zweifelt schon den Bestandsschutz der Hütte selbst an, weil diese zwar aus der Zeit vor der Eingemeindung stamme, in den 1970er Jahren aber deutlich vergrößert worden sei.

Außerdem fordert sie von der Verwaltung, dem Geschehen auf dem Areal rasch Einhalt zu gebieten. In den vergangenen Tagen seien weitere unzulässige Veränderungen vorgenommen worden: So wurden großflächig Steine auf dem Grundstück verteilt, ein Grill aufgestellt und es liege ein Stapel Fliesen herum, womöglich für die Erweiterung einer Terrasse. Mit einem Feldgarten, in dem Gemüse angebaut oder Obstbäume gepflegt würden, habe das nichts mehr zu tun, sagt Frank. Sie fürchtet um den Charakter des ganzen Gebiets: Wenn man solche Entwicklungen nicht stoppe, würden daraus nach und nach Schrebergärten. Und dann sei eine Bebauung auch nicht mehr weit.

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