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Naturgedichte vor Ort hören und erleben
Naturgedichte vor Ort hören und erleben
19.02.2019 - 00:00 Uhr
Von Janina Fortenbacher

Baden-Baden - Das Sternchenthemenfestival "Fit fürs Abi" geht in diesem Jahr in seine zehnte Runde. Mit einem "Lyrischen Spaziergang" durch die Baden-Badener Innenstadt fiel gestern der Startschuss für die Veranstaltung am Theater, bei der Abiturienten eine Woche lang Nachhilfe in Deutsch und Musik erhalten. Durch Vorträge, Workshops und Aufführungen soll der Schulstoff lebendig werden. Im Mittelpunkt stand gestern das Thema Naturlyrik.

Ausgestattet mit Smartphones und Kopfhörern macht sich eine Gruppe angehender Abiturienten vom Gymnasium Hohenbaden bei strahlendem Sonnenschein zu einem Streifzug durch die Natur auf. Angeführt wird die Truppe von Leona Lejeune, die in diesem Jahr die Festivalleitung innehat. Sie war es auch, die den "Lyrischen Spaziergang" ins Leben gerufen hat. Dazu sind an zehn Orten in Baden-Baden QR-Codes angebracht, die Audiodaten tragen. Die Schüler haben so die Möglichkeit, an jeder Station über das Smartphone ein Gedicht aus der Zeit von Sturm und Drang bis zur Gegenwart anzuhören. Alle Gedichte sind von Schauspielern des Theaters Baden-Baden eingesprochen worden und handeln - passend zum jeweiligen Ort - von der Natur.

"Mir w ar es wichtig, die Schönheit der Lyrik für jeden erlebbar zu machen", sagt Lejeune, während sie auf die Lichtentaler Allee zusteuert. Dort befindet sich die erste Station des Spaziergangs. Lejeune hat versucht, die einzelnen Gedichte auf die verschiedenen Orte abzustimmen. Im ersten Gedicht geht es um Wurzeln, Stämme, Äste und die Bäume im Ganzen.

Während die Schüler gespannt den lyrischen Worten lauschen, schweift ihr Blick immer wieder über die Grünfläche der Lichtentaler Alle mit ihren hochgewachsenen Bäumen. "Meistens interpretiert man die Gedichte leise im Klassenraum", merkt Lejeune an. "Aber erst, wenn sie laut vorgelesen werden, erahnt man, welcher Sinn, welche Freude oder Traurigkeit eigentlich in Reim und Versen steckt". Besonders erlebbar würden die Texte an dem Ort, auf den sie sich beziehen.

Signy Lörch kann ihr zustimmen: "Ich finde diese andere Unterrichtsform gut. In der freien Natur kann man sich das Gedicht besser bildlich vorstellen als im dunklen Klassenzimmer." Lörch besucht die Klassenstufe K1 des Gymnasiums Hohenbaden. Ihr Abitur steht zwar erst im nächsten Jahr an, sie nimmt aber trotzdem mit ihrem Deutsch-Kurs am Spaziergang teil.

Deutsch-Lehrerin Petra Nobakht-Baader gefällt die Idee, Lyrik nicht nur trocken zu interpretieren, sondern auch zu hören und zu erleben. "Dass das ganze mit modernen Medien gekoppelt wird, damit muss ich mich allerdings erst noch anfreunden", sagt sie. Sie wolle selbst herausfinden, ob sich die moderne Technik mit den alten Gedichten vereinen lässt.

An einer Parkbank vor dem Stadtmuseum befindet sich die zweite Station. Dort, im Schatten der mächtigen Tannen, können die Teilnehmer das Gedicht "An die Bäume" von Ricarda Huch anhören und mit allen Sinnen erfahren. Danach geht es weiter zum Pavillon neben dem Kurhaus und schließlich - einige Treppenstufen später - befindet sich die Gruppe am Ententeich. Das Gedicht an diesem Ort handelt von einem See und dichten Tannen und fügt sich - ähnlich wie die vorherigen Texte - perfekt in die Umgebung ein.

Nach sechs weiteren Stationen endet der Rundgang schließlich in der Seufzerallee in Höhe des Gymnasiums Hohenbaden. Lejeune hat vor, die Stationen auch über die Festivalwoche hinaus bestehen zu lassen. Die Gedichte sind für jeden frei zugänglich. Einen Stadtplan mit den einzelnen Stationen erhalten Interessierte am Theater.

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