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Der Straßenrand als Müllkippe: Aufräumen entlang des Krötenzauns
Der Straßenrand als Müllkippe: Aufräumen entlang des Krötenzauns
21.02.2019 - 00:00 Uhr
Von Conny Hecker-Stock

Baden-Baden - Es sind unter anderem zwei Themen, die den Vorsitzenden des Naturschutzbundes (NABU) Rastatt-Murgtal, Karl-Ludwig Matt, derzeit umtreiben: die Vermüllung der Landschaft und der Amphibienschutz bei der L 67 bei Haueneberstein.

Seit drei Jahren startet im Frühjahr die Aktion Amphibienschutz entlang der stark befahrenen Verbindung zwischen Haueneberstein und Kuppenheim. Es ist ein gemeinsames Projekt des NABU Rastatt und der Stadt Baden-Baden. Das hiesige Fachgebiet Forst und Natur stellt die wiederverwendbaren Zäune und die jungen Leute, die im Rahmen eines freiwilligen ökologischen Jahres einen ganzen Tag lang die Zäune auf einer Länge von 800 Metern beiderseits der Straße aufgebaut haben. Zudem leistet das Forstamt eine kleine finanzielle Aufwandsentschädigung an die elf ehrenamtlichen Helfer, die zusammen mit Karl-Ludwig Matt die Überprüfung der Zäune in täglich zwei Schichten übernehmen. Morgens bis neun Uhr und abends gegen 23 Uhr wird die Strecke abgegangen, um in den alle 20 Meter im Boden versenkten Eimern hängen gebliebene Kröten einzusammeln und auf der anderen Straßenseite in Richtung des Naturschutzgebietes Kreuzäcker wieder auszusetzen. Denn dort wollen sie hin. Um in den Feuchtbiotopen abzulaichen, nehmen sie die gefahrvolle Wanderung aus Richtung des Ooser Fußballplatzes auf sich und treten vielfach später wieder den Rückweg an.

Im Vorjahr konnten so über 700 Tiere gerettet werden, über die anhand von Tageszählbögen genau Buch geführt wird. Da wird das Wetter eingetragen, die Temperatur und ob es sich um Erdkröten, Gras- oder Springfrösche oder sonstige Amphibien wie Molche oder Feuersalamander handelt.

Nach einer Zählung von 2018 passieren laut Matt täglich 14 000 Fahrzeuge die Straße. Diese soll laut der Straßenbaubehörde beim Regierungspräsidium Karlsruhe im Zug des Kreiselbaus an der Förcher Kreuzung in Richtung Haueneberstein begradigt und mit einem Radweg ausgestattet werden. Matt hat im Hinblick darauf ein Amphibienleitsystem mit Tunnels alle 40 Meter angeregt, die den Zaun überflüssig machen würden. Die Chancen dafür stehen gut, wie er sagt.

Bevor die eigentliche Amphibienaktion starten konnte, mussten die Helfer allerdings acht Tage lang Berge von Müll entlang der 800 Meter langen Strecke aufsammeln. Plastik in allen Varianten, ob als Verpackung, Flaschen, Planen oder Becher, Glasflaschen, Dosen und aller mögliche Unrat wird offensichtlich einfach aus vorbeifahrenden Autos geworfen, empört sich Matt angesichts der fehlenden Wertschätzung gegenüber der Natur. Ohne Räumung verbleibe der Müll in der Landschaft und werde von Starkwinden auf die Felder geweht, wo ihn die Bauern unterpflügten.

Von der Stadt Baden-Baden werden Mäharbeiten an Straßenrandstreifen laut Pressesprecher Roland Seiter mit der vertraglichen Direktive an Fremdfirmen vergeben, zuvor den Müll aufzusammeln. Matt, der erst dieser Tage eine Iffezheimer Grundschulklasse mit der Problematik vor Ort konfrontierte, sieht noch viel Aufklärungsarbeit nötig - und konsequentes Handeln, um unseren Nachkommen keine Müllwüste zu hinterlassen. Er hält es mit dem Wunsch des Dalai Lama: "Wir haben nur dieses eine Zuhause, es geht um das Überleben aller Lebewesen auf der Erde."

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