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Uhren flöten, scheppern und singen um die Wette
25.02.2019 - 00:00 Uhr
Von Gisela Brüning

Baden-Baden - Wer von Schwarzwälder Uhren hört und dabei im Innenohr den bekannten Kuckucksruf vernimmt, tickt - oder tippt - im folgenden Fall nicht ganz richtig: Von den mehr als 50 Schwarzwälder Uhren von Norbert Neugebauer, die noch bis Ende des Monats im Waldhotel "Forellenhof" zu bewundern sind, meldet sich nur eine einzige mit dem erwarteten Vogellaut.

Die anderen Uhren flöten, scheppern, singen, setzen Musikwalzen in Bewegung und warten mit vielerlei Attraktionen auf. Absicht bei ihrer Herstellung war, die Begehrlichkeit und Kauflust der Bevölkerung, seit Jahrhunderten aber auch das Interesse von Reisenden und Touristen aus aller Welt zu wecken. Vielleicht wird ja der eine oder andere Besucher des "Forellenhof" von der Leidenschaft des Norbert Neugebauer angesteckt und macht sich ebenso wie dieser auf die Suche nach alten, durch Rost und Schmutz kaum zu erkennenden Uhrwerken, die dank aufwendiger Restaurierung im alten Glanz auferstehen.

1954 mit den Eltern von Berlin nach Freiburg gezogen, nahm der junge Norbert Neugebauer den Schwarzwald, die berauschend schöne Landschaft und die badische Behaglichkeit sofort als Heimat an. Von Kindheit an ein begeisterter Bastler, baute er sich die Möbel für seine Studentenbude selbst und krönte das stilechte Ambiente mit einer Schwarzwälder Uhr. Ihr anfangs recht erbärmlicher Zustand spornte den Studenten der Medizin an, diesem ramponierten Teil gleichsam wie einem Phönix aus der Asche zu ehemaliger Schönheit zu verhelfen.

Das ist nun viele Jahre her, und der Ruhestand schenkt dem in Rastatt lebenden Orthopäden, der seine Praxis in der Kurstadt hatte, die Muße, an alten Uhrgerippen zu tüfteln, zu schrauben, zu malen und Ersatzteile herzustellen. Oft sind Wochen der Arbeit nötig, bis eine historisch exakte Schwarzwälder Uhr wieder ticken kann, sofern man sie lässt.

Der Besucher steht bewundernd vor den originellen Zeitmessern und mag kaum glauben, dass das repräsentative Ziffernblatt kein Original ist, sondern das mittlerweile meisterliche Können des Restaurators beweist. Patina und Goldglanz, Krakelee und Applikationen, immer wieder die kugeligen "Apfelrosen", bewegliche Figürchen und vieles mehr zieht die Betrachter in Bann. Schnell lernt man, dass nicht Uhr gleich Uhr ist. Da gibt es Flötenuhren und Musikuhren, Rahmenuhren und Wendeuhren, die von Augen rollenden Gestalten bewohnt werden.

Die einen verraten mit prunkhaftem Funkeln, dass ihre Besitzer etwas "Besseres" waren. Die anderen erinnern mit dem "Tödlein", dem filigranen Sensenmann, an "Memento mori". Hier kämpft der Satan mit Christus, beide mit eisernen Klöppeln bewehrt, um zu erinnern, dass allen einst die Stunde schlägt.

Zu gern würde Norbert Neugebauer seine Uhren vielen Menschen zeigen, etwa in öffentlichen Gebäuden oder Museen, aber seine zahlreichen Angebote stießen meist auf taube Ohren. Oliver Vetter vom "Forellenhof" hat mit Krippen- und Musikinstrumenten-Ausstellungen bereits ein Sammlerherz bewiesen, und in dem behaglichen Ambiente des Hauses kommen die Uhren seit Mitte November bestens zur Geltung.

An vielen Wänden hängen sie, die "Jockele"-Porzellanuhren, professionell bemalt und von groß bis winzig in allen Variationen. Die Exponate zeigen die Feinmechanik von etwa drei Jahrhunderten, und deswegen legt der "Wahlschwarzwälder" Gewicht darauf, dass sie der Nachwelt als kostbares Kulturgut erhalten werden sollen; als Zeugnis der Tradition, die der Bevölkerung Brot und Arbeit gab und einen gewissen Wohlstand ermöglichte.

Dr. Neugebauer, der sich nicht nur auf den Nachbau historischer Artefakte versteht, kann auch viel über die Geschichte und Politik jener Zeiten berichten: "Wussten Sie, dass die Bevölkerung ursprünglich mit Holzwirtschaft und Flößerei vertraut war? Aber die komplizierte Technik und Schnitzkunst solcher Uhren kupferte sie den Italienern und den Chinesen ab."

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