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Treppen als Hindernis in Rathaus und Schule
28.02.2019 - 00:00 Uhr
Von Charlotte Rüggeberg

Baden-Baden - Wo kommt man mit einer Gehhilfe problemlos durch, welche Türen sind für einen Rollstuhl breit genug? Gestern hat der Arbeitskreis "Barrierefreies Baden-Baden" die Zugänglichkeit öffentlicher Einrichtungen in Lichtental unter die Lupe genommen.

Seit der Arbeitskreis vor drei Jahren von der kommunalen Behindertenbeauftragten Beate Wirth gegründet wurde, besichtigten die Mitglieder, etwa fünfzehn Bürgerinnen und Bürger mit unterschiedlichen Behinderungen, unter anderem schon mehrere Schulen, den Innenstadtbereich mit Kurhaus und Theater sowie einige Stadtteile. Der gestrige Rundgang führte nun durch Lichtental: vom Saal des Gasthauses "Goldener Löwe" zum alten Rathaus, dann in die Werkrealschule und zum Kloster.

Bei den Besichtigungen werden Hindernisse stets gemeinsam mit den Zuständigen schriftlich festgehalten, ebenso wie Anregungen zu ihrer Beseitigung: Der Veranstaltungssaal des "Goldenen Löwen" bietet zum Beispiel gehbehinderten Personen bereits eine mobile Rampe an, mit der sich die Stufe am Eingang auch im Rollstuhl oder mit einer Gehhilfe überwinden lässt. Die Schwelle dahinter ist allerdings nicht klar sichtbar und einen Rollator kann man nur mit etwas Schwung darüber schieben, fiel den Teilnehmenden auf - weshalb sie eine gut erkennbare Markierung vorschlugen.

"Wo kann man auf einfache Weise etwas nachhelfen?", ist die Frage, der Beate Wirth gemeinsam mit dem Arbeitskreis nachgeht. "Ohne Barrierefreiheit ist echte Teilhabe nicht möglich", erläuterte sie. Was genau das im Einzelfall bedeuten kann, erklärte Sabine Baumgartner aus der Amsel-Kontaktgruppe, ein Selbsthilfe-Angebot für Erkrankte mit Multipler Sklerose. Wenn man mit einer Gehhilfe unterwegs sei, sei in der Stadt vor allem das Kopfsteinpflaster eine Schwierigkeit, berichtete Baumgartner. Der Marktplatz sei für sie nur erreichbar, wenn unter der Woche im Rathaus der Lift in Betrieb sei. Um am Bahnhof die Gleise zu betreten, sei sie ebenfalls auf einen Aufzug angewiesen - dieser sei aber meistens kaputt.

Das Ziel ihrer Arbeit, erzählte Wirth, sei, "dass jeder diese Denkmöglichkeit in sich trägt: Wie wäre das, wenn ich behindert wäre, welche Schwierigkeiten gäbe es dann?" Beim Neu- oder Umbau von für die Öffentlichkeit wichtigen Gebäuden könne Barrierefreiheit gleich mitberücksichtigt werden.

Bei größeren Veränderungen wie Aufzügen stoßen die Initiativen des Arbeitskreises manchmal an Grenzen. Im alten Rathaus in Lichtental, das unter anderem von Vereinen genutzt wird und in dem sowohl beim Vorder- als auch beim Hintereingang Treppen überwunden werden müssen, könnte der Denkmalschutz ein Problem werden. Ein ähnliches Hindernis gibt es in der Werkrealschule Lichtental: Zwar ist ein ebenerdiger Zugang vorhanden, aber die oberen Stockwerke sind nur über Treppen erreichbar. "Wenn man hier inklusiv arbeiten wollte, müsste man einiges ändern", meinte Schulleiter Günter Grässel, dafür müsse der Wille da sein. Anfragen von Eltern betroffener Kinder habe die Schule noch nicht erhalten. Eine Teilnehmerin merkte an, dass das unwahrscheinlich bleibe, solange die Schule nicht ausdrücklich barrierefrei sei.

Erfolgreiche Veränderungen konnte der Arbeitskreis in letzter Zeit zum Beispiel beim Notausgang des Kaufhauses Wagner erreichen: Nach der Anregung, ein Geländer zu errichten, wurde die Stelle auch mit neuen Fliesen und neuer Beleuchtung ausgestattet.

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