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Bis heute gilt: "Baden-Baden ist nicht einfach"
08.03.2019 - 00:00 Uhr
Von Gisela Brüning

Baden-Baden - "Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden." Weitgehend mit Sören Kierkegaard einer Meinung, schränkt Sigrun Lang kurz vor ihrem 80. Geburtstag, den sie am kommenden Sonntag feiert, die Aussage um einige offengebliebenen Fragen ein. Was sich aber wie ein roter Faden durch ihr gleichermaßen arbeits- und erfolgreiches Leben zieht, sind Fügungen des Glücks, die immer wieder zu neuen Herausforderungen, Chancen, Begegnungen und letztlich Erfolgen führten.

Als nicht unbedeutender Türöffner erwies sich das in Zürich erfolgreich abgeschlossene Studium der Architektur und Städteplanung. Selbst "Old Grope", Walter Gropius, der 1934 das Bauhaus in Dessau verließ und in Boston ein Architektur-Büro gründete, bot der jungen Absolventin 1964 angesichts dieser prestigeträchtigen Uni spontan eine Stelle an, die sie bei einem Kooperationspartner zwei Jahre lang in Amerika festhielt. Im selben Jahr hatte sie ihren Mann Antoine, einen Kommilitonen von der Eidgenössischen Technischen Hochschule, geheiratet, und während des USA-Aufenthalts kam Tochter Anne-Marie auf die Welt. Bevor Sigrun Lang, seit 1974 als Dr.-Ing. promoviert, bis heute 40 Jahre in Baden-Baden verbrachte, konnte man sie als Architektin im In- und Ausland, und zuletzt als Leiterin des Stadtplanungsamts in Kehl antreffen.

1979 begann eine Phase, die sie rückblickend als besonders fruchtbar und erfolgreich einstuft. Aus 88 Bewerbungen ging sie als einzige Frau als Siegerin um das Amt der "Kurdirektorin" der Bäder-und Kurverwaltung hervor. Sie weckte Aufbruch-Stimmung im Unternehmen mit 450 Mitarbeitern, die sich - durch die neue Chefin motiviert - als zuverlässiges Team in das breit gefächerte Aufgabengebiet eingebracht hätten, lobt sie. Bald ging es voran im Baden-Baden der 80er Jahre. Marksteine wie der 11. Internationale Olympischen Kongress, die Landesgartenschau, der Bau der Stadtklinik und vor allem die Realisierung der höchst erfolgreichen Caracalla-Therme erinnern an das Aufblühen Baden-Badens als internationale Kur-, Kultur- und Kongressstadt.

"Die unmittelbar damit verbundene Flexibilität, Begegnungen mit vielen Menschen unterschiedlicher Sprachen und Kulturen, die Offenheit, immer wieder etwas Neues zu entdecken und zu gestalten, haben mich durch mein 44 Jahre währendes Berufsleben begleitet, auf das ich mit Freude zurückblicke." Diese Aussage gilt heute noch wie ehedem. Nach der prosperierenden Phase als Vorstand der BKV trat Sigrun Lang 1998 mit dem Amt der Oberbürgermeisterin Baden-Badens ein schweres Erbe an. Die finanziell angespannte Lage verschärfte sich durch Hochwasserschäden, den verheerenden Sturm Lothar und weiteren Unbill. Das gerade eröffnete Festspielhaus stand vor der Insolvenz; gegen massiven Widerstand vieler Bürger und Stadträte wurde das Museum Frieder Burda gebaut, das heute als internationaler Publikumsmagnet an der "Museums-Meile" zum Ruhm und Wohlstand der Stadt beiträgt. Nach dem Abzug der Franzosen galt es, die Cité zum attraktiven neuen Stadtteil umzuwandeln. Problematisches Hickhack belastete auch die Existenzsicherung des Airparks und Flughafens Karlsruhe/Baden-Baden.

"Baden-Baden ist nicht einfach." Auch dieses Fazit hat nach wie vor Gültigkeit für die einstige Frau an der Spitze. "Man muss Widerstände überwinden, Überzeugungsarbeit leisten, die Zeit geduldig reifen lassen. Es war mein Bestreben, meinen Mitarbeitern und den Menschen generell respektvoll gegenüberzutreten und ihre Fähigkeiten konstruktiv einzusetzen. Toleranz ist eine Voraussetzung für gedeihliches Miteinander", bilanziert sie ihre Erfahrungen. Dank vieler wertvoller Kontakte und eines stabilen Netzwerks gelang es der nach außen hin eher zurückhaltend wirkenden Politikerin trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten viel für die Strahlkraft der Stadt zu erreichen.

Nachdem die frühere OB auch ihr Amt als Präsidentin des Europäischen Heilbäder-Verbands in andere Hände abgegeben hat, bleibt mehr Zeit für gemeinsame Reisen, Naturerlebnisse und kulturelle Angebote mit ihrem Mann. Aber Sigrun Lang nutzt dennoch viele Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren und zu helfen, wo sie gebraucht wird. An erster Stelle rangiert das "Hospiz Kafarnaum", dessen Förderverein sich mit ihr an der Spitze unermüdlich für das Wohlbefinden der "Gäste" am Ende ihres Lebens einsetzt.

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