Rote Nase als Lizenz zum Quatsch-Machen
Rote Nase als Lizenz zum Quatsch-Machen
11.03.2019 - 00:00 Uhr
Baden-Baden (red) - "Darf ich mich vorstellen?", fragt der Clown-Doktor den elfjährigen Tom - und geht einen Schritt nach vorne, ohne seinen Namen zu nennen. Tom ist verwirrt und fragt neugierig: "Ja, wie heißt du denn?" "Na, ich habe mich doch gerade vorgestellt", antwortet der Clown-Doktor mit einem Zwinkern und macht nochmals einen Schritt auf den Elfjährigen zu. Jetzt hat der Junge den Witz verstanden und muss lachen. Das Eis ist gebrochen, die beiden kommen ins Gespräch über die Schule, Toms Leidenschaft für das Bauen von Modellflugzeugen, und warum er im Krankenhaus ist.

Als Prof. Dr. Jodocus Osterhase, Facharzt für Kuscheltiere, feiert Klaus-Peter Wick in der Kinderstation der Balger Klinik bereits sein 20-jähriges Jubiläum, heißt es in einer Mitteilung. "Ich möchte bei den kleinen Patienten einen Freudenklecks hinterlassen, der hoffentlich ein wenig anhält", beschreibt Wick sein Hauptanliegen. "Aber ich will als Clown niemandem auf die Füße treten oder gar verulken. Mir ist es ganz wichtig, dass ich stärke und nicht verunsichere. Schließlich möchte ich lustig sein, ohne jemandem wehzutun", hebt Wick die Intention seiner Arbeit hervor.

Die Idee als Clown-Doktor zu arbeiten, kam Wick Ende 1997, als er mit seinem sechs Monate alten Sohn vier Stunden Wartezeit in der Karlsruher Kinderklinik verbringen musste. Da er bereits über eine Clown-Ausbildung verfügte, fragte er direkt bei der Klinik nach, ob er im Klinikum als Clown-Doktor anfangen dürfe. "Ich habe mir das alles erst mal selbst beigebracht. Es gab ja keine Schule diesbezüglich. Am Anfang hatte ich als Clown-Doktor drei Gags, jetzt bin ich bei über 170", blickt Wick zurück. Es ist ein Sammelsurium aus Erfahrungen, aus denen Wick eine Methode entwickelt hat, um pädagogisch, medizinisch und therapeutisch zu arbeiten. Als Theaterschauspieler, Regisseur, Theaterpädagoge, Improvisations-Theaterdarsteller und professioneller Clown kann Wick aus einem großen Repertoire schöpfen.

In der Balger Klinik erfreut er seit Januar 1999 die kleinen kranken Patienten mit seiner Gesellschaft. Die Kinder freuen sich am Meisten über den gemeinsamen Quatsch mit Prof. Dr. Osterhase. "Manchmal höre ich aber auch den Eltern und Kindern einfach nur zu und bin der Staubsauger für ihre Sorgen", berichtet Wick. Es ist ein situatives Arbeiten, da man sich immer wieder neu auf sein Gegenüber einlassen sollte, heißt es in der Mitteilung weiter.

So wie bei der vierjährigen Emma, die aufgrund einer Bronchitis in der Kinderstation in der Balger Klinik ist. Als der Clown-Doktor den Raum betritt, schaut sie ihn nur mit großen Augen an und hält ihre Mutter fest an der Hand. Prof. Osterhase kann aber mit vielen Seifenblasen bereits ein zaghaftes Lächeln in Emmas Gesicht zaubern. Bei Emmas Kuscheltier misst er mit einem Metermaß das Fieber.

Das bringt die Vierjährige zum ersten Mal zum Kichern. Dann lässt der Clown-Doktor sie einen Luftballon aussuchen und bastelt daraus einen Hund, den er dem Mädchen auf den Kopf setzt. Jetzt ist Emma dabei. Als Prof. Osterhase sich verabschieden will, flüstert sie ihrer Mutter zu, dass er noch nicht gehen soll. Sie wünscht sich noch mehr Seifenblasen.

"Ich möchte die Kinder ablenken und ihnen eine schöne und lustige Zeit schenken", erklärt Wick. "Der Clown ist hierfür die beste pädagogische Figur, denn er darf Fehler und Unsinn machen. Die Kinder entdecken sich darin wieder, deshalb ist der Clown so beliebt bei ihnen", fasst Wick zusammen. Das schönste Geschenk bei dieser Arbeit ist für Prof. Osterhase, wenn die Kinder Stühle und Tische vor die Zimmertür stellen, damit der Clown-Doktor den Raum nicht mehr verlassen kann. Dann weiß Wick, dass sie eine tolle Zeit mit ihm hatten.

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