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Staatsanwalt sieht Angeklagte "als Erbschleicher überführt"
Staatsanwalt sieht Angeklagte 'als Erbschleicher überführt'
12.03.2019 - 00:00 Uhr
Baden-Baden (sre) - Nach fast 60 Verhandlungstagen wurde in dem Prozess gegen eine Rechtsanwältin aus der Region und ihren Ehemann, einen Steuerberater, gestern die Beweisaufnahme geschlossen. Der Staatsanwalt forderte in seinem Plädoyer lange Haftstrafen und Berufsverbote für die beiden Angeklagten.

Annähernd 16 Monate dauert das Verfahren vor dem Baden-Badener Landgericht bereits. Und auch gestern sah es zunächst nicht nach baldigen Plädoyers aus. Doch der Vorsitzende Richter Wolfgang Fischer wies eine Reihe von Anträgen der Verteidiger zurück. Diese hatten unter anderem die Anhörung weiterer Zeugen gefordert. Zudem lehnten sie einen Schmuck-Sachverständigen wegen möglicher Befangenheit ab. Dieser Vorwurf war in den zurückliegenden Monaten auch schon gegen sämtliche Richter, Schöffen, Staatsanwälte und einen medizinischen Gutachter erhoben worden. Auch diesmal wies das Gericht ihn allerdings als unbegründet zurück, sodass Staatsanwalt Jan-Marc Schwengers nachmittags plädieren konnte.

Schwengers äußerte sich sehr kritisch zum Verhalten der Angeklagten während des Mammut-Verfahrens. Diese hätten sich als Opfer eines breit angelegten Komplotts dargestellt, in das unter anderem Staatsanwaltschaft, Gericht und Polizei verstrickt gewesen sein sollten. Auch verbale Bezüge auf das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte seien nicht gescheut worden. Die Aussagen der Angeklagten seien "widersprüchlich, unplausibel und lebensfern anmutend", die Verteidigung auf Konflikte angelegt gewesen. Zudem habe die angeklagte Rechtsanwältin gezielt "unschuldige Dritte" belastet, Zeugen übel nachgeredet und ihnen Straftaten vorgeworfen. Ihr Mann habe einen Belastungszeugen beleidigt.

Ungeachtet dessen seien die Angeklagten "als Erbschleicher überführt". Der Anklagevorwurf habe sich nahezu vollumfänglich bestätigt. Die beiden hätten sich über mehrere Jahre hinweg möglichst viele Bestandteile des Vermögens einer alten Dame nach dem Tod von deren Ehemann angeeignet, darunter Geld, Grundbesitz und Schmuck.

"Äußerst konspirativ und verschleiernd"

Dabei sei der angeklagten Rechtsanwältin die Demenzerkrankung der alten Dame von Anfang an bekannt gewesen. Letztere sei spätestens im April 2011 nicht mehr geschäfts- und testierfähig gewesen. Die Angeklagte habe deshalb auch verschiedene Vollmachten sowie ein Testament, das sie als Alleinerbin der alten Dame einsetzte, auf das Jahr 2010 zurückdatiert. Sie sei "äußerst konspirativ und verschleiernd" vorgegangen, habe die alte Frau von ihrem Umfeld isoliert, aus der fachärztlichen Betreuung herausgenommen und ihren Hausarzt gewechselt.

Die gutachterliche Einschätzung zur Demenzerkrankung sei von einer Vielzahl von Zeugen bestätigt worden. Die Personen, die dagegen die Aussagen der Angeklagten stützten, bezeichnete der Staatsanwalt als "Lagerzeugen", die er als unglaubwürdig einstufte.

Er bescheinigte der Angeklagten eine "sehr hohe kriminelle Energie" und warf ihr versuchten Betrug, Untreue und Wucher vor. Ihr mitangeklagter Ehemann habe sich der Beihilfe zur Untreue und zum Wucher schuldig gemacht. Die beiden hätten einen Schaden in Millionenhöhe angerichtet. Lediglich der anfangs erhobene Vorwurf der versuchten Erpressung gegen den Ehemann sei nicht ausreichend zu beweisen. Ansonsten sei dieser "als Mittäter zu sehen". Er sei frühzeitig in den Plan eingeweiht und bei der Ausarbeitung von Verträgen sowie der Gründung einer Kapitalgesellschaft zu Verschleierung von Geldflüssen maßgeblich gewesen.

Für die Angeklagte forderte Staatsanwalt Schwengers acht Jahre und sechs Monate Haft sowie ein lebenslanges Berufsverbot, für ihren Mann vier Jahre Haft und ein dreijähriges Berufsverbot. Die luxuriöse Eigentumswohnung der mittlerweile verstorbenen alten Dame sei an die Erbengemeinschaft zurückübertragen worden, zudem sollten aber noch der kostbare Schmuck sowie mehr als 500 000 Euro an Taterträgen von den Angeklagten eingezogen werden, forderte Schwengers.

Die Verhandlung wird am Donnerstag, 21. März, fortgesetzt. Dann ist das Plädoyer der Verteidigung vorgesehen.

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