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Prozess gegen Ehepaar: Verteidiger fordern Freispruch
22.03.2019 - 00:00 Uhr
Baden-Baden (nie) - "Ich bin unschuldig." Die letzten Worte des Angeklagten folgten gestern am Landgericht auf die Plädoyers der Verteidigung. Im Betrugsprozess gegen eine Rechtsanwältin aus der Region und ihren Ehemann, einen Steuerberater, forderten die Verteidiger für ihre Mandanten Freispruch.

Dieser Forderung schloss sich auch die angeklagte Rechtsanwältin in ihren kurzen letzten Worten an. Sie hätte ihnen nie schaden können, meinte sie im Bezug auf ein mittlerweile verstorbenes Baden-Badener Ehepaar. Dieses sollen die beiden Angeklagten um ihr Vermögen gebracht und einen Schaden von mindestens 1,33 Millionen Euro angerichtet haben.

Auch nach fast 16 Monaten mit rund 60 Verhandlungstagen wurden die beiden Verteidiger, Olaf Klemke und Nicole Schneiders, gestern nicht müde, Anträge zu stellen. Zum einen verlangten sie eine sogenannte Beiordnung als Pflichtverteidiger, da die Angeklagten nicht mehr in der Lage seien die Anwaltskosten zu tragen. Würde das positiv beschieden, müsste der Staat die Vergütung übernehmen. Zum anderen wollte Olaf Klemke Einsicht in viele Dokumente von Bargeldabhebungen der geschädigten alten Dame haben.

Die von Staatsanwalt Jan-Marc Schwengers geforderten Strafen - acht Jahre und sechs Monate Haft sowie ein lebenslanges Berufsverbot für die Angeklagte, vier Jahre Haft und dreijähriges Berufsverbot für den Angeklagten - nannte Klemke, Verteidiger der Angeklagten, in seinem Schlussvortrag als "vorhersehbar" und unterstellte der Staatsanwaltschaft den "schlechtesten Willen". Mit scharfer Stimme sagte er, es lasse sich auch nach der Beweisaufnahme nicht detailliert feststellen, ab welchem Zeitpunkt die alte Dame genau geschäfts- und testierunfähig war. Im langwierigen Prozess war es vor allem auch darum gegangen, seit wann die Geschädigte an Demenz gelitten hatte. Auch lasse sich nicht eruieren, ab wann die Angeklagte von der Erkrankung wusste. Der Staatsanwalt geht davon aus, dass die Angeklagte verschiedene Vollmachten sowie ein Testament, das sie als Alleinerbin der alten Dame einsetzte, auf das Jahr 2010 zurückdatiert hat. Die Einschätzung des medizinischen Gutachters, wonach die alte Dame bereits seit 2011 testierunfähig war, teilte Klemke im Gegensatz zum Staatsanwalt nicht. Der Gutachter habe die Dame nie selbst untersucht und an Zeugen, die eine andere Meinung vertraten, vorbeigeurteilt. Demnach "hat uns der Staatsanwalt Märchen aufgetischt", so Klemke. "Oberflächlich" nannte er die Annahme der Staatsanwaltschaft, dass sich die von der Verteidigung aufgerufenen Zeugen in ihren Aussagen abgesprochen hätten. Es lasse sich belegen, dass die alte Dame noch 2011 selbst Bargeld abgehoben und allein Bankgeschäfte getätigt habe. Auch sei es wahrscheinlich, dass die Dame Teile ihres Geldes selbst ausgegeben habe. Das erstellte Schmuckgutachten für die Ermittlung des Schadenswerts beschrieb Klemke als "Nebenkriegsschauplatz", im Bezug darauf sei der Tatvorwurf der Untreue nicht ersichtlich.

Ungewohnt kurz hielt sich Nicole Schneiders, Verteidigerin des Steuerberaters. Sie könne sich ihrem Kollegen mit der Forderung nach Freispruch nur anschließen. Zudem sei das Verfahren "einseitig geführt" gewesen. Die Angeklagten seien aus ihrem Leben gerissen worden, obwohl die geschädigte alte Dame nach dem Tod ihres Mannes und im Beisein der Angeklagten regelrecht aufgeblüht sei. Schneiders forderte zudem, ihren Mandanten unter anderem für die Untersuchungshaft zu entschädigen und die Kosten des Verfahrens der Staatskasse aufzuerlegen.

Am Donnerstag, 28. März, soll um 15 Uhr vom Vorsitzenden Richter Wolfgang Fischer das Urteil gesprochen werden.

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