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Viele Brücken und Straßen im roten Bereich
22.03.2019 - 00:00 Uhr
Von Harald Holzmann

Baden-Baden - Sanierung und Neubau von Brücken und Straßen werden die Stadt in nächster Zeit teuer zu stehen kommen. Das hat Bürgermeister Alexander Uhlig gestern bei einem Pressegespräch klar gemacht. Zudem räumte er ein, dass bei der Überprüfung des Bauzustandes von Brücken gesetzlich vorgeschriebene Fristen nicht eingehalten wurden.

Was Autofahrer und Busfahrgäste subjektiv empfinden, ist nun amtlich: Viele Straßen in der Stadt sind marode. Zudem sind eine ganze Menge Brücken in einem so schlechten Zustand, dass an einer Sanierung oder gar einem teuren Neubau in den nächsten Jahren kein Weg vorbei führt. Das ist Resultat einer Bestandsaufnahme im Auftrag der Verwaltung. Presse und Bauausschuss wurden gestern über Ergebnisse informiert. Wichtige Fragen und Antworten im Überblick:

Wie ist der Zustand der kurstädtischen Straßen?

29,5 Prozent der Straßen, sind dringend sanierungsbedürftig, weitere 16,4 Prozent in einem Zustand, der der Beobachtung bedarf. Das geht aus dem Kataster hervor, das die Verwaltung hat erarbeiten lassen. Insgesamt sind dafür 600 Straßenkilometer, 320 Kilometer Geh- und Radwege sowie 10,7 Kilometer Parkbuchten und 6,4 Kilometer Treppenanlagen überprüft worden.

Wie ist die Situation bei den Geh- und Radwegen?

Hier sieht es besser aus. Nur 6,9 Prozent der Wege werden im roten Bereich als dringend sanierungsbedürftig eingestuft.

Welche Stadtteile und Straßen sind besonders betroffen?

Rot markierte Straßen gibt es in allen Stadtteilen. Die vom Bund betreuten Durchgangsstraßen sind meist im blauen oder grünen Bereich eingestuft, viele städtische Straßen gelten aber als schadhaft.

Wie sieht es bei den Brückenbauwerken aus?

127 Brücken und Stützmauern hat die Verwaltung überprüfen lassen. Das Ergebnis: Der Zustand von 15 Brücken ist "nicht ausreichend" oder gar "ungenügend". Beides sind Einstufungen, die laut den geltenden Bestimmungen eine "umgehende Instandsetzung nötig machen", wie Vincenz Wienk-Borgert vom städtischen Bereich Tiefbau gestern im Bauausschuss aufzeigte. Bei den Prüfungen werden Noten zwischen eins und vier vergeben. Anders als bei Schulnoten, beginnt bei Note Drei der rote Bereich. Die durchschnittliche Note der kurstädtischen Bauwerke liegt bei 2,6.

Was sagt die Note über die Sicherheit der Brücken aus?

Nicht unbedingt viel. Dass eine Brücke im roten Bereich liegt, bedeutet nicht etwa, dass sie einsturzgefährdet ist. Allerdings gibt es meist irgendwelche Sicherheitsmängel. Das kann ein verrostetes oder zu niedriges Geländer sein, dessen Reparatur oder Ersatz recht billig ist. Es ist aber auch möglich, dass tatsächlich die Standsicherheit gefährdet ist. Dann ist ein teurer Neubau nötig.

Welche Brücken liegen im roten Bereich?

Eine Note zwischen Drei und Vier haben unter anderem Bernhardusbrücke (am Ooswinkel), Luisen- und Kaiserbrücke (Hindenburgplatz), Fieserbrücke, Schillerbrücke, die Brücke am Ooser Landgraben, die Brücke zur Feuerwehr in Lichtental, der Handwerkersteg in der Innenstadt, die Fußgängerbrücke vom Aumattstadion zur Grünen Einfahrt, der Kreutzersteg, zwei Brücken in Neuweier (Schlossackerweg und Mauerbergstraße beim Heiligenstein) sowie zwei in Steinbach (Häfnergasse und Schöttlinggraben). Die mit einer glatten Vier am schlechtesten bewertete Brücke ist die Holzhofbrücke in Lichtental.

Wie geht es jetzt weiter?

Ein Ingenieurbüro wird im Auftrag der Verwaltung eine Prioritätenliste erstellen, aus der hervorgeht, welche Straßen in welcher Reihenfolge in den kommenden Jahren saniert werden. Dabei ist nicht nur das Schadensbild ausschlaggebend, sondern auch die Bedeutung der Straße und der Aufwand, der nötig ist. Ziel ist die Ausarbeitung einer substanziellen Erhaltungsstrategie. Dafür ist laut Uhlig in den kommenden Jahren viel Geld und Personal nötig.

Und bei den Brücken?

Da sieht die Strategie ähnlich aus. Die Brücken im roten Bereich werden Schritt für Schritt saniert oder neu gebaut. Gestern gab der Bauausschuss grundsätzlich grünes Licht für Fieserbrücke, Hubertusbrücke, die Brücke beim Ooser Landgraben und den Neubau der Kreithgrabenbrücke (wir berichteten). Die Kuchenhofbrücke in Oberbeuern wurde zudem nach einer 240 000 Euro teuren Erneuerung gestern wieder eröffnet. Prüfungen, die künftig im gesetzlich vorgegebenen Rhythmus stattfinden, sollen sicherstellen, dass Schäden frühzeitig erkannt werden.

Wie wurde bisher geprüft?

Jährlich durch eine Begehung und alle sechs Jahre durch eine Hauptprüfung. Die ebenfalls vorgeschriebene Zwischenprüfung immer drei Jahre nach einer Hauptprüfung hat sich Baden-Baden bei den meisten Brücken gespart. Bei mehr als zwei Drittel der Bauwerke gab es nie eine solche Zwischenprüfung. "Da gab es in den zurückliegenden Jahren Versäumnisse", hieß es gestern vonseiten der Verwaltung.

Wo liegt die Ursache dafür?

Auf BT-Nachfrage wurde in erster Linie Personalmangel im Rathaus geltend gemacht. Außerdem ließen Verwaltungsmitarbeiter durchblicken, dass auch in anderen Städten die Prüfungsmoral nicht die beste sei. "Wir in Pforzheim haben das aber immer gemacht", sagte Uhlig, der dort bis vor einigen Jahren als Baudezernent tätig war. "Solange nichts passiert, sagt halt keiner was." In Baden-Baden werde man sich künftig aber streng an die Vorschriften halten.

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