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Nach Chaos-Hochzeit: Kritik an der BKV
11.04.2019 - 00:00 Uhr

Von Nina Ernst

und Harald Holzmann

 

Baden-Baden - Die Großhochzeit am Sonntag im Kurhaus, bei der Gäste den Kurpark als Abstellplatz für ihre Autos genutzt und den Verkehr im Zentrum blockiert haben (wir berichteten), zieht politisch Kreise. In der Kritik steht die Bäder- und Kurverwaltung (BKV), die für die Vermietung des Kurhauses verantwortlich ist. Die BKV hatte die Polizei offenbar vorab über Bedenken wegen der Veranstaltung informiert, die Stadtverwaltung aber nicht. Die CDU-Fraktion will Geschäftsführer Steffen Ratzel im Gemeinderat befragen. Dieser lehnt das aber ab.

 Der Ablauf der Veranstaltung sei nicht im Sinne der Bürger, der Verwaltung und der Gäste von Baden-Baden verlaufen, heißt es in einem Schreiben des für Ordnungsangelegenheiten zuständigen Dezernent Roland Kaiser an SPD-Stadtrat Werner Henn. Dieser hatte sich am Abend nach der Hochzeit mit einem Beschwerdebrief an die Verwaltung gewandt (wir berichteten) und von Störungen durch die Hochzeitsgesellschaft im Straßenverkehr und in Bezug auf ein Konzert der Philharmonie im Weinbrennersaal berichtet. Die Chaos-Hochzeit sei nicht bei der Verwaltung angemeldet gewesen, so Kaiser, und er betont, dass dazu auch keine Notwendigkeit bestand, weil solche Veranstaltungen normalerweise "ohne derart massive Auswirkungen" abliefen.

War der Poller für Poserrunden geöffnet? 

Pikantes Detail am Rande: Die BKV hatte zwar nicht die Stadtverwaltung informiert, sich aber vorab an die Polizei gewandt. Denn offenbar hatte man im Kurhaus kalte Füße bekommen. Das geht jedenfalls aus der Stellungnahme Kaisers hervor. Die Verwaltung habe erfahren, "dass das Kurhaus auf die Polizei zugegangen sei, weil der BKV mittlerweile Bedenken bezüglich der Vertragspartner" gekommen waren, heißt es im Schreiben an Henn. Gegenüber dem BT hatte die BKV noch erklärt, dass man Mietern zwar nie vollständig in die Karten schauen könne - im besagten Fall hätten sie aber einen soliden Eindruck gemacht. "Letztlich ist festzustellen, dass offensichtlich sämtliche dem Kurhaus mitgeteilten Rahmenbedingungen durch den tatsächlichen Ablauf der Veranstaltung überschritten wurden", so Kaiser weiter. Die BKV wolle intern überprüfen, wie künftig derartige Probleme besser vorhergesehen werden können. Die Stadtverwaltung wolle auch darauf hinwirken.

Ungeklärt ist noch eine weitere Frage: War der Poller in der Kaiserallee geöffnet? Das liegt nahe, denn laut Henn haben Hochzeitsgäste dort sogenannte Poserrunden mit hochmotorisierten Autos gedreht. Laut Kaiser war der Poller aber intakt und befand sich am Sonntag "im Regelbetrieb". Man wolle allerdings noch einmal ermitteln, ob die Pfosten möglicherweise doch absichtlich abgesenkt worden seien, um die Poserrunden zu ermöglichen.

Auch der CDU-Fraktion ist der Ablauf der Veranstaltung ein Dorn im Auge. Gestern früh hieß es in einer ersten Stellungnahme von CDU-Stadtrat Hansjürgen Schnurr zum Thema, die Veranstaltung sei "völlig aus dem Ruder gelaufen". In dem Schreiben wurde Ratzel "in Anbetracht der "Fassungslosigkeit" zahlreicher Zaungäste" regelrecht vor den Gemeinderat zitiert, um seine Sicht zu schildern.

Ratzel will Thema nicht öffentlich klären

Später verschickte die CDU die offizielle Version des offenen Briefes - in deutlich abgeschwächter Form. "Auch vor dem Hintergrund der Großveranstaltung am letzten Wochenende" lade man den BKV-Chef "ein zu einem Dialog über die Weiterentwicklung der Einrichtungen der Bäder- und Kurverwaltung, insbesondere Trinkhalle, Gastronomie und Veranstaltungen im Kurhaus", hieß es darin. Das ist nicht die erste Einladung, die Ratzel bekommen hat. Auch FDP-Stadtrat Rolf Pilarski hatte kürzlich gefordert, der BKV-Chef solle im Gemeinderat seine Strategie in Sachen Kurhaus, Trinkhalle, Thermalwasser und Reiherbrunnen vorstellen (wir berichteten).

Doch Steffen Ratzel, selbst stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU im Mannheimer Gemeinderat, will seinen Kollegen aus Baden-Baden nicht Rede und Antwort stehen - jedenfalls nicht in öffentlicher Sitzung. Ratzel habe bereits beim BKV-Neujahrsempfang berichtet, hieß es gestern von BKV-Sprecherin Michel. Zudem stehe man in regelmäßigem Austausch mit der Stadtverwaltung. Ratzel werde in nächster Zeit nicht vor den Gemeinderat treten. Es gebe keinen aktuellen Anlass. Ratzel wolle das Thema intern klären, direkt mit den Stadträten, machte Michel deutlich. Vielleicht komme es im Herbst zu einem öffentlichen Austausch.

SPD-Stadtrat Henn betonte gestern, er hoffe, dass sich die Kommunikation zwischen Stadtverwaltung und BKV verbessere. "Bei solchen Großveranstaltungen sollte man schon etwas vorsichtiger vorgehen und klare Grenzen ziehen, inwieweit öffentlicher Raum für private Veranstaltungen genutzt werden darf", schrieb er der BKV ins Stammbuch.

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