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"Großer Schritt" für Thermalwasser
13.04.2019 - 00:00 Uhr
Von Sarah Reith

Baden-Baden - Auch künftig darf das Baden-Badener Thermalwasser nicht nur zum Baden, sondern auch zum Duschen verwendet werden. Was selbstverständlich klingt, stand lange auf der Kippe. Nun wurde nach zähen, mehrjährigen Verhandlungen endlich eine Lösung gefunden - die sich die Bäder- und Kurverwaltung Baden-Württemberg (BKV) eine Million Euro kosten lässt.

Seit zehn Jahren stehe das Thema im Raum, erinnerte BKV-Geschäftsführer Steffen Ratzel gestern bei einem Pressegespräch. Nun sei zwar kein einfacher und auch kein günstiger, aber dennoch ein erfolgreicher Abschluss gelungen. Dafür habe man "unglaublich viel Zeit investiert". Intensive Gespräche zwischen der BKV als Eigentümer der Bäder, der Carasana GmbH als deren Betreiber, dem Gesundheitsamt sowie dem Denkmalschutz seien erforderlich gewesen. Auch Wissenschaftler und Gutachter seien hinzugezogen worden.

Zum Hintergrund: Seit Jahren hatte das Gesundheitsamt Bedenken, das im Friedrichsbad traditionelle Duschen mit Baden-Badener Thermalwasser überhaupt noch zu erlauben. Neben dem 2015 vorerst gescheiterten Versuch, den Heilwasserstatus und damit verbunden die Genehmigung zum Trinken für das Thermalwasser zu bekommen, war das auch der Grund, vor einigen Jahren eine Entarsenierungsanlage zu bauen. Allein der Einbau dieser Anlage kostete rund eine Million Euro, den Großteil davon übernahm damals ebenfalls die Bäder- und Kurverwaltung (wir berichteten).

Doch auch, wenn das Duschwasser so weniger natürliches Arsen enthält: Es handelt sich von seiner Zusammensetzung her trotzdem nicht um Trinkwasser. Letzteres wird aber laut BKV-Chef Ratzel aufgrund einer Veränderung der Trinkwasserverordnung seit einigen Jahren für Duschen in Bädern grundsätzlich verlangt.

"Das ist uns



eine Million Euro wert"

BKV und Carasana wollten trotzdem unbedingt verhindern, dass aus den historischen Duschen, mit denen das Badevergnügen im Friedrichsbad traditionell beginnt, nur Leitungswasser plätschert - der Raum sollte als "Thermalwasserstation" im Ablauf erhalten bleiben. Und das ist gelungen, wie Ratzel gestern nicht ohne Stolz verkündete: "Der eigentliche historische Parcours bleibt unangetastet. Das ist uns eine Million Euro wert."

So viel investiert die BKV jetzt, um einen bisherigen Abtrockenraum vor dem historischen Duschraum umzubauen. Dort sollen die geforderten "Reinigungsduschen" mit Trinkwasser zusätzlich installiert werden. So können sich die Besucher also, wie vom Gesetz gefordert, mit Leitungswasser waschen, bevor sie unverändert in den historischen Bereich eintreten und die Thermalwasserduschen nutzen.

Trotz der entstehenden Kosten betonte auch Carasana-Geschäftsführer Jürgen Kannewischer: "Das ist der Kompromiss, mit dem wir alle am besten leben können." Zu diesem Kompromiss gehört auch, dass das Thermalwasser für die historischen Duschen - im Gegensatz zum Badewasser - weiterhin entarseniert wird.

Der Umbau des Abtrockenraums soll Mitte Mai zunächst auf der "Herrenseite" beginnen. Ist man dort fertig, geht es ab Juli analog auf der "Damenseite" des Hauses weiter. Das hat auch Auswirkungen auf den täglichen Betrieb: Thermen-Betriebsleiter Konrad Lansche erläuterte, dass es während des Umbaus keine getrennten Badetage für Frauen und Männer geben werde, sondern nur "gemischte Tage" auf der jeweils offenen Seite des Bades.

Die historische Wirkung des Abtrockenraums will man so weit wie möglich erhalten, erläuterte Jürgen Fischer, Technischer Leiter bei der BKV. So wird an der Wand, an der die Duschen platziert werden, eine Marmorplatte eingezogen, wie es sie im Haus an anderer Stelle schon gibt.

Erlaubnis zum Trinken als nächste Aufgabe

Aber nicht nur dieses Baumaterial ist kostspielig: Unter anderem ein neuer Warmwasserbereiter und Leitungen durch den Keller und das gesamte historische Haus machen den Umbau so teuer.

Ein "erster großer Schritt" fürs Thermalwasser sei damit gelungen, betonte Ratzel. An einem Weiteren werde noch gearbeitet. Noch immer sei er "verhalten optimistisch", dass es auch gelingen werde, das Baden-Badener Thermalwasser wieder zum Trinken freizugeben. Dafür müsse man ihm aber Zeit geben.

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