https://www.top-zusteller.de/
https://www.top-zusteller.de/
Wichtige Rolle für geheimnisvollen Keller
Wichtige Rolle für geheimnisvollen Keller
16.04.2019 - 00:00 Uhr
Von Henning Zorn

Baden-Baden - Im Sommer soll auf dem Vincentiushaus-Areal mit dem Abbruch des ehemaligen Pflegeheims und der Schaffung einer exklusiven Wohnanlage begonnen werden. Vorbereitende Arbeiten laufen bereits seit einiger Zeit. Bei alledem muss allerdings der Schutz der auf dem Gelände lebenden Fledermäuse gewährleistet werden. Hier spielt ein geheimnisvoller Gewölbekeller eine wichtige Rolle.



Eine artenschutzrechtliche Überprüfung hat ergeben, dass auf dem geplanten Bauareal Fledermäuse ein Zuhause gefunden haben. So siedeln einige Zwergfledermäuse an der Unterkante des Dachstuhlbereichs des früheren Alten- und Pflegeheims - allerdings nicht zur Aufzucht von Jungen, sondern vor allem als Ruhestätte, die vermutlich auch als Winterquartier genutzt wird.

Der parkartige Bereich des Vincentiushaus-Geländes dient offensichtlich auch diversen Fledermäusen als Jagdgebiet. Nist- und Ruhestätten in Bäumen hat man aber nicht gefunden, da die dortigen Gehölze auch keine dafür geeigneten Höhlungen aufweisen.

Ganz besonders ins Blickfeld der Überprüfung geriet aber ein in den Felsen gehauener und vergitterter Geräteschuppen, der sich bei genauerem Hinsehen als tief ins Gestein gehauener, mindestens 40 Meter langer Gewölbekeller erwies. Im hinteren Bereich ist er nach Angaben des Hausmeisters des früheren Vincentiusheims seit Jahrzehnten nicht mehr begangen worden und auch völlig unbeleuchtet.

Da der Keller außerdem trotz des Gitters für die Tiere gut zugänglich ist, dürfte er nach Ansicht des Experten zumindest zeitweise als Zwischen- oder Überwinterungsquartier einzelner Fledermausarten (Großes Mausohr, Langohr, Bartfledermaus) dienen. Daher hat man bei den Bestimmungen des hier zuständigen Bebauungsplans "Zwischen Stephanien- und Vincentistraße" die Forderungen des Tierschutzes mit aufgenommen.

Der Gewölbekeller ist daher entweder komplett zu erhalten oder bei fachlicher Begleitung eines Fledermauskundlers maximal 25 Meter einzukürzen. Darüber hinaus soll er als Winterquartier für Fledermäuse durch Verkleinerung des Eingangs zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit und Reduzierung der Temperaturschwankungen sowie durch das Anbringen von Hohlblocksteinen aufgewertet werden. Außerdem legt der Bebauungsplan fest, dass der Abbruch des Dachstuhls des Pflegeheims aufgrund der Verhaltensweisen der Fledermäuse nur zu bestimmten Zeiten erfolgen kann. Möglich wäre auch, im Zeitraum August/September zunächst nur die Dachziegel zu entfernen und den Abriss ein bis zwei Tage später fortzusetzen, damit die Tiere in dieser Zeit umziehen können. Beim Neubau müssen in diesem Bereich sechs Dauerquartiere für Fledermäuse in Form von Unterbrutkästen eingebaut werden.

Im Umweltbericht zum Bebauungsplan fürs Vincentiushausgelände wird aber auch darauf verwiesen, dass Flächeninanspruchnahme in Form von Nutzungsänderungen und Versiegelung von Flächen sowie die Entfernung bestehender Vegetation und die Fällung von Bäumen zum Verlust von Lebensraum für Tiere und Pflanzen führt. So hat man sehr genau in der artenschutzrechtlichen Prüfung die Folgen für die Vögel aufgelistet, von denen auf dem Gelände insgesamt 23 Arten registriert wurden.

Ein Revierverlust ist durch die Neubebauung zu erwarten beziehungsweise wahrscheinlich für die Singdrossel, den Zilpzalp und den Zaunkönig. Bei der Amsel rechnet der Experte zumindest vorübergehend mit einer deutlichen Verringerung der Zahl der Brutpaare. Bei anderen Arten wie der Schwanzmeise, der Mönchsgrasmücke oder dem Rotkehlchen ist noch offen, ob und in welchem Umfang sich ein Verlust einstellen wird.

BeiträgeBeitrag schreiben 
Umfrage

Die Zahl der Metzgerei- und Bäckereibetriebe geht im Südwesten weiter zurück. Kaufen Sie Fleisch oder Backwaren bewusst in Fachgeschäften?

Ja, immer.
Ja, meistens.
Eher nicht.
Nein.


Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1