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Pfarrer und Dichter - zwei Seelen wohnen in seiner Brust
17.05.2019 - 00:00 Uhr
Von Gisela Brüning

Baden-Baden - Nach siebenjähriger Tätigkeit als Pfarrer an der evangelischen Lutherkirche im Stadtteil Lichtental übernimmt Thomas Weiß am 1. Juni das Amt des Leiters der "Landesstelle für evangelische Erwachsenen-und Familienbildung" beim Oberkirchenrat in Karlsruhe.





Vor allem die Luthergemeinde wird ihren Seelsorger vermissen, der den Menschen das Evangelium auf besondere Art predigte. Nicht in abgehobener lebensferner Sprache, sondern nah bei den Menschen, offen für die individuellen Bedürfnisse "kanzelte" er "sündige Schäfchen" nicht von oben herab ab, um sie auf Linie zu trimmen. Sein Anliegen war und ist, mit Gläubigen und Ungläubigen, mit Linken und mit Rechten im Dialog andere Positionen kennenzulernen und eigene unverrückbare zu vertreten ("Unser Kreuz hat keinen Haken"). Er scheut sich nicht, seine Überzeugung oder die derjenigen, die sich für Umwelt, Demokratie und Menschenrechte öffentlich äußern, zu unterstützen.

Weiß, 1961 in Karlsruhe geboren, studierte in Bielefeld und Freiburg evangelische Theologie, deren universitäre Vermittlung ihm schon bald klar machte, dass "Gott so nicht funktioniert". Anderen, wie dem Philosophen Friedrich Schleiermacher, dessen Theologie vom Menschen ausgeht, und anderen Geistesgrößen, folgten seine Gedanken aufnahmebereit. Besondere Überzeugungskraft ging von seinem Professor Theo Sundermeier aus, der nach Jahren in Afrika an der Uni Heidelberg lehrte und unter dem Begriff "Interkulturelles Verstehen" darauf hinwies, dass Inhalte stammesreligiöser Kulturen durchaus im Kontext mit der christlichen Religion verschmelzen können. Gerade im Hinblick auf die Integration betont der überzeugte "Kulturprotestant" Weiß Toleranz gegenüber den Geflüchteten. Hatten Anhänger dieser Strömung bereits im 19. Jahrhundert den Einklang der christlichen Religion mit der allgemeinen Kulturentwicklung zum Ziel, so müsse nach wie vor heute die Religion unverzichtbarer Bestand des kulturellen Lebens bleiben. Mehr als 30 Jahre brachte sich Thomas Weiß unter dem Schwerpunkt "Literatur und Kultur im urbanen Kontext" bei der Freiburger Erwachsenenbildung ein. Sprache als Mittel des gegenseitigen Austauschs und Verständnisses im Dialog - das ist der Schlüssel, der ihm bisher schon bei den zahlreichen Kontakten, Veranstaltungen und Gesprächen in seiner Gemeinde Herz und Hirn der Menschen öffnete. Hiermit erklärt sich ein Teil seines kirchlichen Erfolgs. Der andere Schlüssel, der dem standhaften Protestanten in die Hand gelegt wurde, sind die Literatur und die Gabe, schöpferisch mit Bildern und Worten umzugehen. Im Internet findet man unter seinem Namen einen Autor und Lyriker, der mit zahlreichen Veröffentlichungen genannt ist. Allein fünf Gedichtbände des Stipendiaten vom "Förderkreis deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg" und des Mitglieds der "Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik" stehen auf dem Werkverzeichnis. Daneben religionspädagogische Schriften, Kurzgeschichten und Romane. Zwei Seelen wohnen untrennbar in der Brust von Thomas Weiß: die des Pfarrers und die des Dichters. Fragt man, welche ihm die Wichtigere sei, gibt er keiner den Vorzug. So ist nachvollziehbar, dass auf der Einladung zu seiner Verabschiedung am 19. Mai kein Bibelvers zu finden ist, sondern unter dem Abbild einer Baumscheibe das Gedicht von Rainer Maria Rilke:

"Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn./ Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,/ aber versuchen will ich ihn."

Trotz des beruflichen Ortswechsels bleiben Christine und Thomas Weiß der Kurstadt erhalten. Baden-Baden zu verlieren würde bedeuten, auf den Charme der Natur zu verzichten, Freunde und Bekannte zu verlassen. Und außerdem schätzt der künftige Leiter beim Oberkirchenrat das geballte hochkarätige Kulturangebot in Baden-Baden, das er interaktiv vor allem beim Theater und der Philharmonie zu schätzen weiß.

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