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Baden-Baden zu Gast bei den Briten
25.05.2019 - 00:00 Uhr
Von Janina Fortenbacher

London/Baden-Baden - Der britische Wettergott hat es am Mittwoch besonders gut gemeint: Im Licht der Sonne schien das weiße Gebäude der deutschen Botschaft in London noch heller als sonst. Peter Wittig, der seit 2018 das Amt des Botschafters innehat, hatte an diesem Abend zum Empfang in seine Residenz am Belgrave Square geladen, um dort auf Wunsch von Oberbürgermeisterin Margret Mergen die Bemühungen der Stadt Baden-Baden um die Aufnahme in die Unesco-Welterbeliste noch einmal herauszustellen.

Schon von Weitem weisen die deutsche und die europäische Flagge, die nebeneinander über dem Eingang des Gebäudes angebracht sind, auf die Botschaft im Herzen Londons hin. Während sie ruhig im lauen Sommerwind wehten, herrschte im Inneren des Gebäudes jede Menge Trubel.

Rund 500 Leute in eleganten Kleidern und schicken Anzügen waren der Einladung von Wittig und seiner Gattin, Huberta von Voss-Wittig, gefolgt und versammelten sich nach und nach im Empfangsraum der deutschen Botschaft - unter ihnen auch eine Dame, die an diesem Abend mit der Sonne um die Wette strahlte: Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen. "Ich freue mich sehr, heute in diesem wundervollen Gebäude zu sein", sagte sie. Gemeinsam mit Frank Marrenbach, Direktor des Brenners Parkhotel & Spa und Vorstandsmitglied des Freundeskreises Lichtentaler Allee, hatte Mergen die Idee gehabt, hinsichtlich des Weltkulturerbeantrags noch einmal kräftig die Werbetrommel für die Stadt zu rühren. Wolfgang Götz von der Eventagentur "Bunker International Group" koordinierte mit seinem Team die Veranstaltung in der Botschaft in London.

Seit mehr als zehn Jahren bemüht sich die Stadt an der Oos nun schon, als Vorreiter einer Gruppe von insgesamt elf europäischen Kurstädten aus sieben Nationalstaaten unter dem Titel "The Great Spas of Europe" in die Weltkulturerbeliste der Unesco aufgenommen zu werden. Neben weiteren Städten aus Deutschland, Österreich, Belgien, der Tschechischen Republik, Frankreich und Italien ist Bath die einzige britische Stadt im Kreis der Kandidaten. Außerdem ist sie auch die einzige Stadt, die bereits 1987 in die Unesco-Welterbeliste aufgenommen worden war. Aus diesem Grund kam Bath beim Empfang auch eine besondere Rolle zu.

"Bath zeigt, wie man eine Stadt mit Welterbestatus managt und aktiv hält", sagte Mergen anerkennend. Ähnlich wie Baden-Baden sei Bath für seine Römischen Bäder und Thermen weltweit berühmt. "Das, was diese Stadt ausmacht, ist aber nicht entstanden, weil die Engländer alleine auf der Insel waren", betonte Mergen und wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die aktuelle Debatte um den Brexit ein weiterer Impuls für den Empfang in London war: "Alle Vertreter im Kreis der ,Great Spas of Europe' sind überzeugte Europäer", fügte Mergen an. Gemeinsam mit Baths Oberbürgermeister Councillor Patrick Anketell-Jones wollte sie deshalb ein deutliches Signal senden: "Wir in Europa wissen um unsere Wurzeln und kennen unsere Qualitäten. Genau das macht uns weltweit besonders", betonte Mergen. Auch Wittig sei davon überzeugt gewesen, dass man dieses europäische Denken nirgends hätte besser darstellen können, als in London - noch dazu genau einen Tag vor den Europawahlen in England, schilderte Mergen.

Über den roten Teppich zum Festsaal

Bei einem Glas Wein aus dem Rebland und Alpirsbacher Bier genoss die Besucherschar zunächst im Hinterhof der Residenz die letzten Sonnenstrahlen, während der britische Künstler Mark Coreth von der Sladmore Gallery die Form für die Trophäe des neuen "Max Grundig Preises für Tierwohl" schuf. Der Preis soll voraussichtlich ab 2020 im Rahmen einer großen Gala in Baden-Baden verliehen werden.

Nach der kurzen Kunstvorstellung folgte dann der eigentliche Höhepunkt des Abends: Entlang der mit rotem Teppich ausgelegten Treppe schritten die Besucher in das erste Obergeschoss der Residenz hinauf, um dort gebührend in Empfang genommen zu werden. Auf traditionelle Weise las Martin Salter, der in die Rolle des einstigen berühmten Zeremonienmeisters der Stadt Bath, Beau Nash, geschlüpft war, laut die einzelnen Namen der Gäste vor und gewährte ihnen Einlass in den Festsaal. Dort hatten sich bereits Gastgeber Wittig mit seiner Frau, Mergen sowie Anketell-Jones versammelt, um den Besuchern kräftig die Hände zu schütteln. Von den 21 geladenen Botschaftern der Länder, die im "Unesco World Heritage Committee" vertreten sind, kamen unter anderem die Vertreter aus Australien, Aserbaidschan, China, Guatemala, Kuba, Kirgistan, Kuwait, der Tschechei und Ungarn. Auch Andrea Pfeffer-Ferklova, Oberbürgermeisterin der tschechischen Bewerberstadt Karlovy Vary, und Giuseppe Bellandi, Oberbürgermeister von Montecatini, sowie die "Lord Mayor of Westminster", Councillor Ruth Bush, waren angereist. Für Blitzlichtgewitter und einen Hauch von royalem Flair sorgten schließlich Prinz Bernhard von Baden und seine Frau Stephanie, die unter lautem Beifall den Saal betraten und von Wiittig als Ehrengäste begrüßt wurden.

Während sich der rote Salon langsam füllte, huschten die Servierdamen mit großen Tabletts über den polierten Holzboden. Sie versorgten die Anwesenden mit traditioneller Schwarzwälder-Kirschtorte, Häppchen und kleinen Prosecco-Fläschchen, deren Aufschrift zumindest die Gäste aus dem Badnerland immer wieder schmunzeln ließ: "How do you say Chin-Chin in German" stand darauf, was soviel bedeutet wie "Wie stößt man in Deutschland an?" Die Badner schienen es zu wissen, denn immer wieder ertönten im Saal laute "Prost"-Zurufe. Die feierliche Stimmung ließ fast glauben, dass Baden-Baden den Weltkulturerbestatus längst in der Tasche hat. Dem ist jedoch nicht so: "Im Sommer kommen voraussichtlich die Unesco-Vertreter, um unsere Stadt zu sichten", erklärte Mergen. 2020 soll dann die endgültige Entscheidung fallen.

Für Frank Marrenbach, der die Initiative als Vorstandsmitglied des Freundeskreises Lichtentaler Allee maßgeblich unterstützt, ist der Welterbestatus eigentlich schon lange überfällig. Für ihn sind die "Great Spas" aber nicht nur Städte der Gesundheit, sondern vielmehr "Plätze, wo Menschen gemeinsam Zeit verbringen können" - Baden-Baden zeige dies mit seinem Casino und den vielen kulturellen Angeboten auf besondere Weise.

Mergen, geschmückt mit ihrer OB-Amtskette mit dem Abbild von Großherzog Friedrich von Baden, zog die Blicke auf sich, als sie zum Rednerpult im gelben Salon der Residenz schritt. "In England hat das Tragen der Amtskette bei offiziellen Anlässen lange Tradition", schilderte sie und sah wohlwissend in Richtung Anketell-Jones, um dessen Hals eine ähnlich schwere Kette hing. Wittig hob in seiner Eröffnungsrede den besonders hohen Stellenwert Baden-Badens hervor und griff mit den Worten "Baden-Baden is so nice you have to name it twice", einen berühmten Satz auf, den der ehemalige US-Präsident Bill Clinton einst über die Kurstadt gesagt haben soll.

Mergen ging in ihrer Rede noch einmal auf das 19. Jahrhundert ein - die Blütezeit, in der Baden-Baden als "Sommerhauptstadt Europas" berühmt wurde, zahlreiche internationale Gäste anzog und sich zum kulturellen Anziehungspunkt für Touristen entwickelte. Das Festspielhaus zeige als "größtes Opernhaus in Deutschland und zweitgrößtes Opernhaus in Europa" noch heute, welche Bedeutung die Kultur in Baden-Baden habe, betonte die OB.

"Baden-Baden ist das Fenster zur Welt"

Prinz Bernhard von Baden stimmte dem zu: "Baden-Baden hat zum einen die Verwurzelung in der Region. Zum anderen ist die Stadt aber auch das Fenster zur Welt." Der Prinz bedauerte jedoch, dass das Bewusstsein für Historie in der Gesellschaft immer mehr an Wert verliere: "Unser Problem in Europa ist, dass unser europäisches Haus zu wenig auf unserer Kultur aufgebaut ist. Wir sind sehr geschichtslos geworden."

Seiner Meinung nach sollte man Europa demnach nicht nur politisch sehen, sondern vielmehr als Kultur gut: "Wenn Krisen kommen, der Euro schwächelt, dann ist es die Kultur, die uns zusammenhält."

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