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"Fremersberg" im Dornröschenschlaf
05.06.2019 - 00:00 Uhr
Von Christa Hoffmann

Baden-Baden - Seit etwa 2011 wird im Gasthaus "Fremersberg" in der Gallenbacher Straße 15 in Varnhalt niemand mehr bewirtet. Das fürs Rebland heimatgeschichtlich bedeutende Anwesen, das unter Denkmalschutz steht, ist seither verwaist. Der Grund: Die Eigentümer haben bisher keinen Gastronomen gefunden, der willens und in der Lage ist, dort wieder ein Lokal aufzumachen.

Der aktuelle Besitzer der Immobilie auf 700 Quadratmeter Grund ist der Pforzheimer Investor Wolfgang Scheidtweiler, der im Zuge der Übernahme der Brauerei Franz in Rastatt im Januar 2015 auch den alten Gasthof im Rebland miterworben hat. "Wir haben keine zündende Idee", räumte er in einem BT-Gespräch ein, wie man das Lokal wiederbeleben könne. Schon zuvor hatte die Brauerei Franz versucht, das Kulturdenkmal, dessen Keller wohl vom Anfang des 18. Jahrhunderts stammt, zu veräußern.

Über die Anfänge des Wirtshauses selbst ist nicht allzu viel bekannt. Allerdings weisen ihm die Denkmalschützer - wie berichtet - eine große heimatgeschichtliche Bedeutung zu. Bekannt ist, dass es 1834 drei Gaststätten in Varnhalt gegeben hat, darunter den "Fremersberg".

"Es gibt immer wieder Kaufinteressenten", sagte Scheidtweiler, aber bisher sei es noch nicht zu einem Abschluss gekommen. Einer habe eine Vorliebe für denkmalgeschützte Häuser gehabt, die er erwarb und dann sanierte. Aber dieser potenzielle Investor habe das Lokal und die dazugehörigen Räume in Wohnungen umwandeln wollen, erklärte der Eigentümer. Das sei nicht auf Gegenliebe bei der Gemeinde gestoßen, die dort das Restaurant wiederbelebt sehen wolle. Nach Scheidtweilers Ansicht werde es immer schwerer, Käufer oder Betreiber für derartige Betriebe zu finden. Es gebe in diesem Bereich "viele Leerstände", weil sich die Gastroszene mit ihren umfangreichen Auflagen und Vorschriften total verändert habe. Beim "Fremersberg" komme hinzu, dass es zu wenig Park- und zu wenig Außensitzplätze gebe. Er sei im Besitz von insgesamt 25, teilweise sehr schönen Gasthäusern, von denen sechs leer stünden, teilte der Brauereibesitzer weiter mit. "Wir brauchen das Geld nicht, es gibt keine Not, die Immobilien unter Wert herzugeben", betonte er. Man werde diese "nicht verscherbeln". Wichtig sei, "dass die Dächer dicht sind".

Wenn die Gemeinde einer anderen Nutzung des ortsbildprägenden Gebäudes, das über rund 355 Quadratmeter Fläche inklusive des Anbaus verfügt, zustimmen würde, wäre man auch offen, in Varnhalt etwas anderes zu machen, sagte Scheidtweiler. Kurzfristig gab es mal einen Hoffnungsschimmer für das Lokal, als sich Kuno Baumann, Koch und Hotelier aus Neuweier, im Rahmen seiner Suitenhotelpläne am Hang oberhalb des Restaurants und des dort vorhandenen Gartenbaubetriebs bereit erklärt hatte, im Falle einer Baugenehmigung das Kulturdenkmal-Haus zu pachten und zu bewirtschaften. Die Brauerei hätte es dann zuvor denkmalgerecht saniert. Aber aus diesen Plänen wurde bekanntlich nichts, weil der Ortschaftsrat sich nicht mit diesem "Hotel in den Reben" anfreunden konnte und das Projekt im November 2015 ablehnte.

Die Denkmalschützer halten das Gebäude wichtig für die "örtliche Identität". Hinter dem rundbogigen Tor im Keller, dessen Bau auf Anfang des 18. Jahrhunderts geschätzt wird, gab es wohl einen Ausschank erst für Most und später für Wein. Hier wurden wohl auch Ausflugsgäste bewirtet. Denn in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts machten Baden-Badener Gäste gerne Ausflüge zu Fuß und in der Kutsche in die Umgebung. So auch ins Rebland, um hier ein Viertele zu trinken.

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