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Drama im Schatten der Stiftskirche
Drama im Schatten der Stiftskirche
08.06.2019 - 00:00 Uhr
Von Veruschka Rechel

Baden-Baden - Die Vorbereitungen für die Premiere der Freilichtaufführung von Schillers Drama "Don Karlos" auf dem Marktplatz in Baden-Baden laufen auf Hochtouren. Das Theater engagierte dafür den gebürtigen Augsburger Ralph Zeger, der seit 2001 als freier Bühnen- und Kostümbildner arbeitet. "Für mich ist es eine vierfache Premiere", sagte er. "Ich arbeite das erste Mal mit dem Badener-Badener Theater, es ist meine erste Freilichtaufführung, das erste Mal ,Don Karlos' und das erste Mal Schiller." Doch Zeger stellt sich mit Bravour dieser Herausforderung und zeigt, dass sein Beruf zu den vielseitigsten Tätigkeiten innerhalb der bildenden Künste gehört. Schließlich realisierte er bereits eigene Arbeiten unter anderem an großen Häusern wie dem Burgtheater Wien, an der koreanischen Nationaloper in Seoul und am Aalto Theater Essen, wo er für das Bühnenbild der Produktion "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" von dem Magazin "Opernwelt" zum Bühnenbildner des Jahres nominiert wurde.

Der größte Unterschied zwischen Freilicht- und Theateraufführung bei diesem Projekt: "Wir dürfen nur bis 22 Uhr spielen, das heißt, die Beleuchtung muss eine ganz andere sein." Also dachte sich Ralph Zeger zusammen mit dem Regisseur Maximilian von Mayenburg ein reduziertes Beleuchtungskonzept aus. "Das wird spannend, weil das Stück bei Tageslicht anfängt und dann in die Dämmerung hineingeht." Damit die Besucher in jedem Fall etwas sehen, wird die Beleuchtung bei völliger Dunkelheit geprobt.

Ein weiterer Unterschied besteht in der nicht vorhandenen, normalen Bühne und darin, dass Zeger außer einem drei Meter breiten Fluchtweg für eventuelle Rettungswagen ohne Einschränkung alle Möglichkeiten des Marktplatzes nutzen konnte. Hinzu kommt die ziemlich kurzfristige Realisierung. Im November vergangenen Jahres fanden die ersten Gespräche über das Stück statt, am 22. Juni ist Premiere. "Für eine Oper in Dortmund zum Beispiel hatte ich anderthalb Jahre Zeit", betonte Zeger. Trotzdem packte ihn der Ehrgeiz, sich für seine erste Freilichtaufführung eine besondere Bühne auszudenken. Das Ergebnis ist statt einer kleinen Bühne ein großes Gerüst mit der Stiftskirche als Hintergrund, der alles überstrahlt. "Ich finde, das Rohe des Gerüsts ist ein idealer Kontrast zu der alten Kirche."

Dem schließt sich der technische Leiter des Theaters, Walter Fäßler, an. Zu seinen Aufgaben gehört es, mit Zeger zu besprechen, wo was steht, wie groß etwas sein soll und was es kosten darf. "Die Kostenplanung beinhaltet mehrere DIN A3-Seiten", erklärte er. "Das fängt mit dem Schlüssel für die Seitentür der Kirche an und hört mit der Abnahme des Bauordnungsamts noch lange nicht auf." So dürfen die Techniker für die Dauer der Vorstellung sogar eigenständig die Kirchenglocken abstellen. Es gehört unglaublich viel dazu, bevor die Freilichtaufführung "Don Karlos" in trockenen Tüchern ist. Wenn die Welle der Begeisterung über die Theatertage auch noch über ,Don Karlos' hinweg schwappt, kann es nur ein Erfolg werden.

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