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Stets ein Liedchen auf den Lippen
08.06.2019 - 00:00 Uhr
Von Anne-Rose Gangl

Sinzheim - Langweilig ist es Karl Gushurst in seinem Leben noch nie gewesen, und auch im hohen Alter kann er sich über Abwechslung nicht beschweren. Am Pfingstsonntag feiert der rüstige Senior seinen 90. Geburtstag und freut sich schon jetzt auf die vielen Gratulanten.



Karl Gushurst ist ein echtes Halberstunger Original. Er hat stets ein Liedchen auf den Lippen und packt mit Freude überall dort mit an, wo Hilfe benötigt wird. Er liebt seinen Heimatort und fühlt sich wohl im Kreise seiner Mitbürger.

Geboren wurde er am 9. Juni 1929 als Sohn der Eheleute Rosa und Johann Gushurst. Schon als Kind musste er nach der Schule in der elterlichen Landwirtschaft mitarbeiten. Er kann sich noch an manchen Bombenflieger erinnern, während er mit seiner Mutter auf dem Kartoffelacker stand. Seine Arbeitsjahre begann er bei der Gemeinde Sinzheim als Gemeinde- und Waldarbeiter, und später wechselte er zur Möbelfirma Stolzenberg in Oos, wo er zwölf Jahre lang arbeitete und dort auch seine Ehefrau Helga kennenlernte.

Doch dann zog es ihn zur Eisenbahn, die heute noch einen großen Platz in seinem Herzen einnimmt. Er arbeitete zunächst am Halberstunger Bahnübergang, in der Güterhalle am Sinzheimer Bahnhof und danach in Oos in der Güterhalle, die im Jahre 1975 geschlossen w urde. Karl Gushurst hatte Glück und wurde in der Bahnhofsdirektion in Karlsruhe eingestellt. Bis zu seiner Rente im Jahre 1986 war er dort als "singender Bote" bekannt.

Doch nicht nur die Eisenbahn hat sein Leben geprägt. Insbesondere war es der Gesang, dem er seit 71 Jahren die Treue hält, womit er einer der ältesten noch aktiven Sänger im Mittelbadischen Sängerkreis ist. Als im Jahre 1948 der Gesangverein Halberstung gegründet wurde, war Karl Gushurst dabei, damals schon als zweiter Tenor. Noch heute singt er als Tenor im Seniorenchor des Gesangvereins Halberstung. Die allwöchentlichen Gesangsproben haben in seinem Kalender einen festen Platz.

"Der Gesangverein war bei mir wie das Geschäft; jetzt bin ich müde und kann nicht in die Singstunde, hat es bei mir nie gegeben", sagt Gushurst. Stolz zeigt er daher auch die Sammlung der vielen Weingläser und Krüge für fleißigen Probenbesuch, zu denen sich auch einige Pokale gesellen. Diese erhielt Karl Gushurst bei den "lustigen Brüdern", die sich 40 Jahre lang in der Sinzheimer "Krone" zum Kegeln trafen.

Und wie es sich für einen Halberstunger gehört, stand Karl Gushurst auch auf der Theaterbühne. "Hab Erbarmen mit mir, ich bin kein Falschmünzer", erinnert er sich noch an seinen Text im ersten Stück "Am Weihnachtsabend verhaftet". Nicht nur die Theatertexte sind alle in seinem Gedächtnis, auch die Liedtexte der unzähligen Weisen, die er bereits gesungen hat. Das Stichwort "Ännchen" - und Karl Gushurst stimmt ein "... von Tharau ist's die mir gefällt." "Das ist ein schönes Lied, das heute kaum mehr gesungen wird", fügt er hinzu.

Der Jubilar, der vor fünf Jahren sein Auto verkaufte und heute lieber mit der Eisenbahn und seiner Seniorenkarte unterwegs ist, fuhr bis vor zwei Jahren auch noch mit dem Fahrrad. "Im Zug bist du nie allein und kommst überall hin", sagt er und erzählt von Fahrten nach Heilbronn, an den Mummelsee oder zum Weinfest in die Pfalz. Wichtig ist ihm sein Mittagessen, das seit einigen Jahren täglich um 12 Uhr vom Seniorenzentrum Sinzheim angeliefert wird.

Und noch eine Tradition lässt Karl Gushurst sich nicht nehmen: Morgens und abends geht er zum Brunnen und holt Wasser für die Blumenbeete vor dem Schulhaus und vor dem Kreuz. "Du musst immer zwei Gießkannen tragen, dann sind sie nicht so schwer", so der Rat des rüstigen Seniors, der sich seit Jahrzehnten in und für seinen Heimatort engagiert.

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