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Keine Entwarnung für Imker
22.06.2019 - 00:00 Uhr
Von Ulrich Philipp

Baden-Baden - "In Honig aus dem Raum Baden-Baden/Rastatt konnte kein PFC festgestellt werden." Zu diesem Ergebnis kam im zurückliegenden Frühjahr eine Untersuchung des Regierungspräsidiums Karlsruhe. Das Badische Tagblatt nahm diese gute Nachricht zum Anlass, mit dem Vorsitzenden des Kreisimkervereins Baden-Baden, Günter Kolb, über die Situation der Bienen und Imker in der Region zu sprechen.

"Wenn PFC im Honig festgestellt worden wäre, hätte er vernichtet werden müssen" erklärt Kolb, dessen Vereinskameraden etwa 400 Bienenvölker ihr Eigen nennen. Ein Volk besteht etwa 50 000 bis 60 000 Bienen, die in einem Jahr etwa 30 bis 40 Kilogramm Honig liefern. Der Verlust wäre gravierend gewesen, hätte die Produktion des vergangenen Jahres entsorgt werden müssen, für die keine Entschädigung geleistet worden wäre.

Mit dieser Situation sehen sich Imker im Raum Mannheim konfrontiert, wo im Jahr 2018 von 34 Honigproben 23 einen zu hohen PFC-Gehalt aufwiesen. Im gleichen Zeitraum ware n in 24 Proben in Rastatt und vier in Baden-Baden kein PFC festzustellen. "Dennoch hat das Landratsamt das Thema weiter auf dem Schirm und wird auch in Zukunft Kontrollen durchführen" betont Kolb.

Den Wanderimkern, die mit ihren Bienenvölkern den je nach Jahreszeit blühenden Pflanzen (zum Beispiel Raps, Kirschblüten, Akazien, Kastanien) folgen, rät er daher, ihre Bienenkästen mindestens fünf Kilometer entfernt von den mit PFC belasteten Flächen aufzustellen. Im Raum Baden-Baden/Rastatt sind 840 Hektar von 1 660 Hektar bisher untersuchter Flächen betroffen. Zum Vergleich: In Mannheim sind 237 von 317 Hektar mit PFC verseucht. Und mit Blick auf die Landwirte ergänzt der Imkermeister: "Auf den mit PFC belasteten Feldern sollten keine Blühwiesen angelegt werden", weil diese für Bienen natürlich sehr attraktive Futterplätze sind.

Trotz der positiven Entwicklung beim Thema PFC sieht Kolb für die Imker insgesamt aber keinen Grund zur Entwarnung, denn das Bienensterben, wie es 2008 erstmals einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde, geht nach wie vor weiter. Damals hatten die Landwirte am Oberrhein zur Bekämpfung des Maiswurzelbohrers das Pestizid Clothianidin ausgebracht, durch das Massen an Bienen verendeten. Heute ist Clothianidin, das den Produktnamen "Poncho" trug, verboten, "dennoch sterben jedes Jahr zehn bis 15 Prozent der Bienenvölker". Das ist eine hohe Zahl, auch wenn "über den Winter schon immer Verluste von vier bis fünf Prozent einkalkuliert werden mussten", so Kolb, der etwa 70 Bienenvölker besitzt.

Der Grund dafür liegt unter anderem im nach wie vor gängigen Pestizideinsatz wie Glyphosat in der Landwirtschaft. Durch die umstrittene Chemikalie verlieren Insekten wie Schnaken oder eben Bienen, aber auch Schmetterlinge offenbar die Orientierung und sterben. Wie viele Insekten genau an Glyphosat eingehen, kann Kolb aber nicht sagen. Denn es gibt noch weitere Ursachen für den jährlichen Bienenverlust, wie zum Beispiel die Varroamilbe. "Sie vermehrt sich in der Bienenbrut", erklärt Kolb. Ähnlich wie Blutegel entziehe die Milbe den Bienen ihre Lebensgrundlage. "Ameisensäure- und Oxalsäure haben sich im Kampf gegen die Varroamilbe bewährt", sagt Kolb, der vor allem seinen neuen Vereinskollegen, die gerade mit der Imkerei begonnen haben, beim Schutz ihrer Völker unterstützt.

Eine weitere Bedrohung für die einheimischen Bienenvölker ist die Asiatische Hornisse, die man 2014 erstmals im Raum Karlsruhe entdeckte und die inzwischen in der Region angekommen zu sein scheint. Ein Tier kann offenbar bis zu 40 Bienen am Tag fressen, weshalb die Entdeckung der invasiven Art den Behörden gemeldet werden muss.

Ein weiteres Problem für Bienen ist die zunehmende Zahl von Steingärten in Wohnsiedlungen. Insekten finden hier keine Nahrung mehr. Für die Imker bedeutet dies, dass sie ihre Bienenvölker vor allem bei schlechtem Wetter mit Honig füttern müssen. Befragt zur Nachwuchssituation in der Imkerei hat Kolb aber wieder gute Nachrichten. "Immer mehr Menschen interessieren sich für sie" sagt er. Pro Lehrgang, den der Kreisimkermeister regelmäßig anbietet, zählt er durchschnittlich zehn bis 15 Teilnehmer.

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