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Freie Bahn für Fische in der Oos
02.07.2019 - 00:00 Uhr
Von Harald Holzmann

Baden-Baden - Laut rauscht die Oos an der Kinzigbrücke. Die tosenden Wassermassen am Wehr sind ein romantischer Anblick, der die Betrachter die sonstige Trockenheit vergessen lässt. Doch so schön der kleine Wasserfall am Rande der Schwarzwaldstraße ist, für viele Fische und Kleinstlebenwesen im Oosbach ist er ein unüberwindliches Hindernis. Das soll sich ändern.

Bis 2021 soll an der Stelle als Ergänzung zu dem Wasserfall eine sogenannte raue Rampe entstehen, ein abgeflachter Bereich im Bachbett, den Wasserlebewesen überwinden können. Was sich einfach anhört, ist ein anspruchsvolles Bauprojekt für eine Fachfirma, die damit durchaus bis zu zwei Monate lang beschäftigt sein könnte, wie Annika Mengler vom städtischen Fachgebiet Tiefbau sagt. Sie rechnet mit etwa 400 000 Euro Gesamtkosten, von denen bis zu 90 Prozent durch Fördermittel getragen werden könnten.

400 000 Euro - das ist eine Menge Geld, nur um ein Gewässer flussaufwärts für Fische und Kleinstlebewesen passierbar zu machen. Doch die Verwaltung verteidigt das Vorhaben. Rudolf-Karl Teichmann und seine Kollegin Julia Fink vom Fachgebiet Umwelt und Arbeitsschutz betonen, dass die EU das Ziel vorgebe, Fließgewässer wie die Oos wieder durchgängig zu machen. "Da geht es um das Thema Artenvielfalt", meint auch Johannes Ebert vom Fachgebiet Forst und Natur. "Wir können nicht immer über den Rückgang der Biodiversität klagen, aber nichts dafür tun, dass die Situation besser wird." Das Thema müsse im großen Zusammenhang betrachtet werden.

Vom Rhein flussaufwärts über den Sandbach und den Ooskanal haben Stadt und Landkreis mit teilweise aufwendigen Maßnahmen die Durchgängigkeit bis in Höhe Kinzigbrücke geschaffen. An dem Wehr an der Kinzigstraße scheitern aber viele Wasserbewohner. "Große Fische schaffen es, doch die Strömung ist zu stark und die Stufen sind zu hoch für kleinere Tiere", sagt Bürgermeister Alexander Uhlig. Deshalb müsse man das Thema angehen.

Die Oos ist laut Ebert von vielen Fischarten bevölkert, darunter sind beispielsweise Aale, Forellen und Döbel - auch Lachse kommen vereinzelt vor. Bei der Durchgängigkeit eines Gewässers gehe es aber auch um Kleinstlebewesen wie Köcherfliegenlarven und Bachflohkrebse, die die Nahrungsgrundlage für Fische seien. Bis zum Verfassungsplatz und oberhalb des Klosters Lichtenthal sei der Oosbach in einem guten Zustand.

Gesundes Gewässer auch für Menschen gut

Viele Steine im Bachbett, die aussehen, als seien sie natürlich dort vorhanden, sind in den vergangenen Jahrzehnten von Arbeitern des Bauhofs und bei ehrenamtlichen Aktionen der Angelsportler eingesetzt worden. An ihnen sammelt sich jetzt Sand. Daraus entstehen Ruheplätze für Fische und Sammelplätze für Kleinstlebewesen, wie Ebert schildert.

Jahrzehntelang sei es um Hochwasserschutz gegangen und man habe Bäche wie die Oos kanalisiert, um das Wasser schnell durch die Stadt und über die Stadtgrenze hinaus zu befördern. Man habe aber festgestellt, dass durch die hohe Fließgeschwindigkeit auch die Qualität des Wassers litt. "Jetzt geht es darum, dem Fluss wieder seine Langsamkeit zurückzugeben", so Uhlig. Ein gesundes Gewässer habe auch eine Funktion für die Menschen, sagt er und verweist auf den Ooswinkel und die Oosaue am Wörthböschel, wo sich an heißen Sommertagen viele Menschen am und im Wasser tummelten. Die Oos bringe zudem Feuchte und Kühle in die überhitzte Stadt. Fast neidisch blickt Uhlig auf Flüsse im Süden und Westen von Frankreich, die mit ihrem breiten, naturbelassenen kiesigen Bett selbst in städtischen Bereichen eine hohe Aufenthaltsqualität böten.

Zwischen Verfassungsplatz und Kloster gleiche die Oos jedoch einer Schnellstraße. Für die meisten Tiere sei der Bereich zwar passierbar, aber es gebe nur wenig Aufenthaltsqualität. Eine naturnahe Umgestaltung des weitgehend mit Pflastersteinen kanalisierten Bachlaufs beispielsweise in der Lichtentaler Allee sei aber kaum denkbar. Die städtische Gesamtanlagensatzung, die die Innenstadt komplett unter Schutz stellt, lasse das nicht zu. "Selbst die Schwellen, mit denen im Sommer das Ooswasser im Bereich der Kaiserallee aufgestaut wird, stehen unter Denkmalschutz", sagt Uhlig.

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