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Auf der Strecke immer
03.07.2019 - 00:00 Uhr
Von Conny Hecker-Stock

Baden-Baden - Es soll etwas ganz Besonderes werden, die Jubiläumsausfahrt des Automobilclubs Baden-Baden zu dessen 90. Geburtstag. Und ich darf dabei sein. Als Copilotin sozusagen. Mit dem Roadbook in der Hand und ein wenig Kombinationsgabe werde ich dabei helfen, uns sicher ans Ziel zu bringen.

Als alle neun an der Rallye teilnehmenden Fahrzeuge (drei mussten kurzfristig absagen) am Parkplatz des SWR eingetroffen sind, gibt es erst mal ein herzliches "Hallo". Nach einer kleinen Plauderrunde übernimmt Eva Wüst zielstrebig das Kommando. Sie und ihr Mann Reiner Seiter haben die Strecke zusammen mit Peter und Caroline van Meerwijk ausgetüftelt, und nun werden die Bordbücher an alle Teams verteilt.

Ich bekomme ein eigenes, fange an zu blättern und verstehe sofort nur Bahnhof. Nach der ersten Aufgabe, die noch direkt auf dem Parkplatz zu absolvieren ist, sollten wir einfach immer nur den Chinesen folgen. Wie jetzt? Ich kann weit und breit keine Menschen mit asiatischen Gesichtszügen entdecken, denen wir uns anschließen könnten. Doch der alte Fuchs Heinz Ernst, der im kommenden Jahr seit 50 Jahren Vereinskassierer sein wird, klärt mich freundlich auf: Chinesen nennt man unter Eingeweihten (zu denen ich jetzt auch gehöre!) die wie Strichmännchen aussehenden Straßenmarkierungen im Roadbook. Und schon kommt der Aha-Effekt - Chinesen lesen ist überhaupt nicht schwer. Wenn sie so sorgfältig notiert sind wie in unserem Bordbuch, das sichtlich mit leidenschaftlicher Akribie erstellt wurde.

Jetzt ist es Zeit, die Fahrzeuge zu satteln und die erste Prüfung zu absolvieren. In möglichst genau 13 Sekunden muss eine abgesteckte Strecke gefahren werden. Ganz schön knifflig, hier weisen die Ergebnisse schon mal eine Spanne zwischen 13 und 19 Sekunden auf. Ich entere "mein" Fahrzeug, an diesem Sonntag werde ich mit dem AC-Vorsitzenden Jürgen Vollmer, dessen Frau Sigrid und ihrer zehnjährigen Tochter Ann-Kathrin unterwegs sein. Sie sind genauso wie ich Rallye-Neulinge, das macht das Ganze noch spannender. So, jetzt aber den Kilometerzähler auf Null gestellt, und losgeht's.

Unterwegs erwarten uns neben dem Aufspüren der Strecke noch weitere Aufgaben, unter anderem müssen wir Buchstaben lokalisieren. Während wir beim Ortsausgangsschild noch aufgeregt diskutieren, ob wirklich dieses bei der Frage gemeint ist, kommt die jähe Ernüchterung wie eine kalte Dusche. An der Einfahrt zur Fischkultur sammeln sich unvorhergesehen alle Fahrzeuge. Nur wenige Minuten zuvor gab es einen schweren Motorradunfall auf der Strecke zur Roten Lache, die jetzt komplett gesperrt ist. Worauf die Route abgeändert und nach kurzer Diskussion in Richtung Murgtal geradeaus weitergeführt wird. Etwas betreten und mit innerlich den besten Wünschen für die beiden Opfer setzen wir unsere Fahrt fort.

Rasch hat Sigrid Vollmer die nun nicht mehr stimmigen Kilometerangaben umgerechnet, damit wir wieder aktuell sind. Auf Seite vier des Roadbooks soll es nun weitergehen, und bald ist der Wiedereinstieg in die Ursprungsstrecke gefunden. Wir fahren über Lautenbach und Loffenau in Richtung Teufelsmühle. Ich habe schon mal im Bordbuch gespickelt und wende mich amüsiert meinen Mitfahrern zu. "Schlechter Weg" heißt es da, und eine Wasserfurt, die wir durchqueren müssen, ist ebenfalls angezeigt. Aber hallo, das klingt doch ganz nach "Camel Trophy" und so richtig nach meinem Geschmack. Erst ulken wir noch über die doch ganz anständige Straße. Die jedoch zusehends rauer und enger wird, eine entgegenkommende Dame fährt hier offenbar öfter und setzt ohne Diskussion sofort zurück. Jetzt sind wir alle ganz heiß auf das Wasser, hier fließt doch gar nichts. Von wegen, nach der Plotzsägemühle quert tatsächlich ein breites Bächlein die Straße, todesmutig stürzen wir uns in die Fluten. Und rasten danach erst mal erschöpft - nein, natürlich nicht, aber ich will hier unbedingt Fotos schießen.

Danach geht's weiter in Richtung Bad Herrenalb. Wir genießen eine herrliche Fahrt über den Dobel in Richtung Eyachmühle und lassen die liebliche Landschaft der lang gezogenen Bergrücken und saftigen Wiesentäler auf uns wirken. Ein dicker Stempel im Bordbuch kündigt besondere Aufgaben an. Peter und Caroline van Meerwijk warten schon auf uns. Jürgen Vollmer muss jetzt ganz konzentriert eine auf dem Boden ausgelegte Leiste haargenau in die Mitte seiner Vorderräder nehmen - und er schafft das als einziger der Teilnehmer aber so was von mittig, damit gewinnt er diese Aufgabe haushoch - und wir jubeln. Tja, der tiefe Fall kommt dann bei der weitest möglichen Annäherung der vorderen Stoßstange an eine aufgestellte Styroporwand. Wer da jetzt im Auto genau "Stop" gerufen hat, lässt sich nicht mehr rekonstruieren, auf jeden Fall sind da noch 41 Zentimeter Luft, eindeutig zu viel.

Ann-Kathrin Vollmer hat inzwischen alle Buchstabenrätsel vorauseilend geknackt, doch beim Lösungswort zieht sie ihre Stirn kraus, es klingt wie "gatstrubeg". Ich muss innerlich schmunzeln und rate ihr, die Buchstabensuppe einfach rückwärts zu lesen. Ottenhausen und Feldrennach sind weitere kleine Örtchen, die wir passieren, bis sich unser Ziel abzeichnet: das Fahrzeugmuseum in Marxzell. Die unglaubliche Sammlung der Familie Reichert geht bis ins Jahr 1958 zurück. Das ehemalige Sägewerk ist vollgestopft bis unters Dach mit Autos, Lokomotiven, Straßenbahnen, Flugzeugen und Zweirädern, da bleibt einem der Mund offen stehen. Wolfgang Reichert weiß zu jedem der gefühlt 100 000 Exponate, von denen niemals eines verkauft wird, eine Geschichte. Doch ich habe keine Geduld für seine Erklärungen, ich will einfach alles sehen in diesem aberwitzigen Sammelsurium der Kuriositäten. Den anderen geht es ähnlich, jeder Winkel wird erforscht.

Und dann haben wir es geschafft, nur noch drei Kilometer weiter liegt unser idyllisches Ziel, das Essen ist bereits vorbestellt, jetzt wartet alles ganz kribbelig auf die Siegerehrung. Eva Wüst erhöht die Spannung und geht es rückwärts an. Doch letztlich ist es nicht mehr zu verheimlichen, Sieger ist das erfahrene Duo Jürgen und Sabine Falk, gewiefte Rallye-Fahrer und bereits mehrfache Sieger. Wir haben den vierten Platz erreicht, und ich finde, darauf können wir als absolute Neulinge auch mächtig stolz sein.

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