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Das intensive Spiel der Darsteller berührt
Das intensive Spiel der Darsteller berührt
04.07.2019 - 00:00 Uhr
Von Veronika Gareus-Kugel

Baden-Baden - "Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit, den Ihr um Euer Herz gelegt. Entscheidet Euch, eh es zu spät ist!" Es ist ein Satz den die Verfasser, die Geschwister Hans und Sophie Scholl und ihr Freund Christoph Probst, am 22. Februar 1943 mit ihrem Leben bezahlten, ebenso wie weitere Unterstützer. Das Projekt des Jugendclubs U22 spürt den Spuren des Geschwisterpaares und ihrem Unterstützerkreis mit der Inszenierung "Die Weiße Rose" nach, die im TiK des Theaters auf dem Spielplan steht.

Mit der Verbreitung des Flugblatts, dem Versuch, an das Gewissen ihrer Mitmenschen zu appellieren, sich gegen die grausamen Verbrechen der NS-Diktatur zu stellen und endlich Widerstand zu leisten, unterschrieben die Verfasser, ein kleiner Kreis Münchner Studierender, ihr Todesurteil. Zur Aufführung kommt die Fassung von Petra Wüllenweber. Das TiK ist wie geschaffen für die Erzählweise und Darstellung des Stoffes, es entsteht jene Intimität, die es braucht, um sich auf die Erzählung einzulassen. Die zwölf Darsteller beeindruckten durch intensives Spiel.

Die Geschichte des Geschwisterpaars Sophie und Hans Scholl (Anne-Katrin Scherer und Robin Schulz) sowie von Christoph Probst (Leonard Berscheid), Mitglieder der studentischen Widerstandsgruppe "Weiße Rose", ist bekannt. Sie verbreiteten Flugblätter gegen Krieg und gegen die Diktatur unter Adolf Hitler.

Ebenfalls einen Auftritt haben: Clara Kopitzke (Robert Mohr), Diana Kostjuchenko (Alexander Schmorell), Costin Zavoianu (Professor Kurt Huber), Felix Baillard (Vater Robert Scholl), Adrian Weit (Sophies Freund Fritz Hartnagel), Amy-Joy Exner (Gisela Schertling und Else Gebel), Michelle Laitenberger (Jakob Schmid) und Laura Diaz Monegro (Gestapo). Regie führten sowohl Lars Kajuiter als auch Patrick Schadenberg.

Schon der Einstieg in das Spielgeschehen kann als ungewöhnlich bezeichnet werden. Denn das Publikum darf zunächst direkt neben der Spielfläche Platz nehmen. Die normalerweise zwischen Schauspieler und Zuschauer herrschende Distanz ist damit aufgehoben. Im Befehlston wird das Publikum kurz darauf auf die Tribünenplätze verbannt. Fast einzige Requisite auf der Bühne ist ein großer überdimensionierter Holztisch. An den Wänden hängen rote Vorhänge. Sie fallen im Verlauf der Darbietung - wie Masken.

Die Darbietung lebt vom beständigen Wechsel der Sichtweise. Überblendungen werden inszeniert, auf der einen Seite die Gruppe, wie sie versucht, in Gesprächen politisch Einfluss zunehmen, kombiniert mit Verhören durch die Gestapo und Verrat. Zur Schau getragen wird Unbeschwertheit, beiseite gewischt vom aufkommenden Unbehagen der Gleichschaltung des Gedankenguts durch Indoktrination. Die Stimmen aus dem Off in unterschiedlichen Sprachen, verleihen dem Spiel Tiefe. Hervorgekehrt werden Verzweiflung und Ohnmacht, ebenso wie die Ungläubigkeit der Gruppe angesichts des politischen Desinteresses an Freiheit und Frieden.

Eine der Schlüsselszenen spielt im Gefängnis, kurz vor dem Vollzug der von Richter Roland Freisler (Anne Madeleine Meyer, sie spielte auch Willi Graf) angeordneten Todesstrafe. Alle drei Hauptakteure haben bereits mit ihrem Leben abgeschlossen. Sophie, am Boden liegend getröstet von einer Wärterin, erzählt von ihrem Traum. Ein Kind im weißen Taufkleid im Arm, tut sich vor ihr eine Gletscherspalte auf. Die Mutter verschwindet darin. Das Kind konnte gerettet werden. Der Traum ist von übertragener Bedeutung und steht stellvertretend für die Idee der Freiheit. Sie wird nicht untergehen, zuvor müssen die Wegbegleiter jedoch sterben, hört man Sophie schicksalsergeben hauchen. Es folgt eine lange Stille.

Insgesamt kommt das Theaterstück sieben Mal zur Aufführung, die nächste Vorstellung beginnt morgen, 5. Juli, um 18 Uhr im TiK.

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