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Abschied von der Wirkungsstätte seines Lebens
04.07.2019 - 00:00 Uhr
Von Veruschka Rechel

Baden-Baden - Als siebenjähriger Knirps betrat Günter Gressel 1961 die Knabenschule Lichtental zum ersten Mal, um hier vier Jahre lang die Grundschule zu besuchen. Am 10. Juli wird er an der gleichen Schule in den Ruhestand verabschiedet - als Rektor.

"Es war eine schöne Zeit und oft auch lustig", sagt er schmunzelnd in der Erinnerung an seine Grundschulzeit. "Wir hatten zum Beispiel einen Lehrer, der mir regelmäßig Geld in die Hand drückte, damit ich ihm während der Unterrichtszeit am Brahmsplatz Zigarren kaufen konnte." Lustig war auch, dass er später an dieser Schule die Enkel von Gisela Rahner, seiner damaligen Lehrerin, unterrichtete. Doch zunächst wechselte der gebürtige Baden-Badener aufs Gymnasium Hohenbaden und studierte nach dem Abitur in Karlsruhe Deutsch und Sport für das Lehramt. Sein Referendariat absolvierte er an der Grund- und Hauptschule Gernsbach. Als aktiver Spieler bei den Handballern des TV Gernsbach übernahm er zu Beginn der 1980er Jahre als Trainer die Damen-Mannschaft und lernte dort seine zukünftige Ehefrau Michaela kennen.

Im August 1993, also vor knapp 26 Jahren, kehrte Günter Gressel als Lehrer an die Stätte seiner ersten Schuljahre zurück, aus der 1980 eine koedukative Hauptschule geworden war. Obwohl er nie Ambitionen hatte, Schulleiter zu werden, wurde er es, weil die Kollegen ihn bestürmten, sich zu bewerben, als die Stelle vakant wurde. Das entpuppte sich im Nachhinein für seine Kollegen wie für die als eine glückliche Entscheidung, wenn man seine hohen Beliebtheitsgrad zugrunde legt. Seine erste Aktion bestand darin, die Tür zwischen Lehrerzimmer und Rektorat zu öffnen: "Wir waren von Anfang an ein Team mit mir als Primus inter Pares", betonte er.

Es würde den Rahmen sprengen, alle Neuerungen und Verbesserungen aufzuzählen, denen diese Bildungsstätte unter Günter Grässel ihren heutigen guten Ruf verdankt. Ein wichtiges Beispiel ist die OiB-Orientierung in Berufsfeldern. "Wir haben alles neu strukturiert und organisiert", erklärte Grässel. So wurde ab Klasse 5 durchgehend ein Konzept erarbeitet, das die Schüler optimal auf ihr Berufsleben vorbereitet. Dazu gehört auch die Kooperation mit den Unternehmen Mercedes Benz in Rastatt, Edeka Fitterer in Lichtental und Elektro-Peter in Oos, um die Berufsfelder Industrie, Handel und Handwerk abzudecken.

Dieses Konzept ist so erfolgreich, dass die Werkrealschule Lichtental nach zwei Jahren mit dem BoriS-Berufswahl-SIEGEL Baden-Württemberg ausgezeichnet wurde, einem Zertifizierungsverfahren für Schulen, die im Themenbereich Berufs- und Studienorientierung über die geforderten Standards in den Bildungsplänen und Verwaltungsvorschriften hinausgehen. Grässel freut sich besonders darüber, dass das 100-jährige Jubiläum "seiner" Schule im vergangenen Jahr noch in seine Amtszeit fiel.

Auf jeden Fall hinterlässt er nach eigener Aussage guten Gewissens ein bestelltes Feld. Am 10. Juli ist seine offizielle Verabschiedung, Nachfolgerin wird voraussichtlich seine bisherige Konrektorin Birgitte Fellmoser.

Und was plant er für den Ruhestand? Fünf Enkelkinder halten ihn auf Trab, und der ehemalige TV Gernsbach, heute HSG Murg, hat schon angefragt, ob er wieder eine Handball-Damenmannschaft trainiert. "Mit den Mädels kann man wenigstens normal umgehen", sagt er. "Die sind nicht so zimperlich wie die Männer." Er muss es wissen, schließlich war seine Frau ja auch eine Handballerin.

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