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Gefahr im Verzug: Wenn Rettungskräfte stecken bleiben
06.07.2019 - 00:00 Uhr
Von Nina Ernst

Baden-Baden - Was wäre wenn? Ja, wenn wirklich ein Notfall eintritt - ein großer Brand, ein schlimmer Badeunfall - und weder Feuerwehr noch Rettungsdienst kommen wegen zugeparkter Rettungswege nah genug ans Geschehen, um eingreifen zu können.

"Im schlimmsten Fall kostet das Menschenleben", ist sich der Stadtkommandant der Feuerwehr, Martin Buschert, sicher. Denn so glimpflich wie am vergangenen Samstag in der Sportschule in Steinbach muss es nicht immer ausgehen. Dort hatte die Brandmeldeanlage Alarm geschlagen, Freiwillige Feuerwehren aus dem Rebland waren angerückt - um dann Gott sei Dank festzustellen, dass es sich wohl nur um einen Defekt einer Deckenlampe handelte.

Wären große Gerätschaften nötig gewesen, so hört man aus Feuerwehrkreisen, hätten parkende Autos die Zufahrt erschwert. Denn an heißen Tagen ist gewöhnlich viel los vor der Sportschule, oder besser gesagt vor dem Steinbacher Schwimmbad.

Und nicht nur dort: Im Jahr 2017 behinderten die Fahrzeuge von Badegästen des Strandbads Sandweier erheblich das Durchkommen der Feuerwehr und der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), die auf der Suche nach einem vermissten Mann waren.

Während Ordnungshüter beim Bertholdbad in der Innenstadt "kaum" gerufen werden müssen, um einem Park-Chaos Herr zu werden, komme das vor allem beim Hardbergbad gehäuft vor. Das weiß Martin Weßbecher von den Stadtwerken Baden-Baden. Sowohl im Steinbacher Schwimmbad als auch im Hardbergbad, im Bertholdbad und im Strandbad Sandweier sei die Regelung so, dass die Bademeister verantwortlich dafür seien, zu kontrollieren, wie geparkt wird und ob Rettungswege und Brandschutzzonen frei sind. Ist dies nicht der Fall, werde über Lautsprecher- oder Megafondurchsagen nach dem Fahrzeughalter gesucht. Rührt derjenige sich nicht, "kann nicht lange gewartet werden": Die Polizei werde verständigt, der Gemeindevollzugsdienst (GVD) rücke dann an und die Autos würden abgeschleppt werden. Wie oft die Polizei informiert werden muss, kann Weßbecher nicht beziffern. Manchmal zweimal am Tag, manchmal wochenlang gar nicht. Weßbecher macht allerdings deutlich: "Wenn im Inneren der Bär steppt, dann liegt das Hauptaugenmerk der Bademeister innen." In der Regel funktioniere die Räumung der Rettungswege aber.

Maximilian Lipp, Leiter des städtischen Fachbereichs Ordnung und Sicherheit, erläutert, dass in der Sommerzeit die GVD-Mitarbeiter mit Priorität an den Bädern kontrollieren würden. Im Zweifel blieben andere Dinge liegen. Es sei aber im Zusammenhang mit Großveranstaltungen, wie beispielsweise dem Heel-Lauf gestern vor einer Woche, nicht immer einfach, genug Personal rauszuschicken. Sind die GVDler vor Ort, würden sie als Parkwächter fungieren und "nicht nur ahnden, sondern die Autos lenken".

Sind die Brandschutzzonen nicht frei und die Feuerwehr rückt an, informiert diese sofort die Polizei, damit abgeschleppt wird, sagt Feuerwehrkommandant Buschert. Aber: "Schnell tut sich da nichts." Die Möglichkeiten, zügig zu helfen, seien dann bescheiden: Andere Wege müssten gesucht oder benötigte Materialien zum Einsatzort getragen werden. "Für einen schnellen Einsatz hat man dann schlichtweg keine Chance", moniert er und spricht von einer "erheblichen Zeitverzögerung". Die Situationen an den Schwimmbädern seien jetzt aktuell, das Thema beschäftige die Feuerwehr aber vor allem in engen Straßen und Wohngebieten das ganze Jahr über. Durch "rumjonglieren" würden die Probleme zwar gelöst, aber das könne im schlimmsten Fall zu lange dauern. Zwar ist Buschert kein wirklich gravierender Einsatz aus den vergangenen Jahren bekannt. Aber er warnt: "Das kann sich in den nächsten fünf Minuten ändern."

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