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Gewittersturm fegt über die Sommernächte
08.07.2019 - 00:00 Uhr
Von Conny Hecker-Stock

und Harald Holzmann

Baden-Baden - So eng liegen Freud und Leid beieinander. Während am Freitag bis spät nachts bei den Sommernächten im Kurgarten fröhliche Open-Air-Stimmung angesagt war, endete das Event am Samstag gegen 22 Uhr wetterbedingt im Durcheinander. Der Gewittersturm wirbelte alles hinweg, denn die Party war trotz Wetterwarnungen fortgesetzt worden. Es blieb aber glücklicherweise beim Sachschaden.

Der schwarze und bedrohliche Himmel kündigte das Unheil an. Und bereits gut zwei Stunden zuvor war über verschiedene Kanäle gewarnt worden. Wie die Baden-Badener Feuerwehr auf Nachfrage bestätigte, gab es um 19.17 Uhr eine erste Warnung des Wetterdienstes vor Starkregen. Um 20.06 Uhr sei vor "schweren Gewittern" gewarnt worden. Ein Sprecher sagte gestern, dabei sei die "rote Warnstufe" erreicht worden. Um 21.18 Uhr habe es noch einmal eine akute Warnung gegeben. Bereits die Meldung um 20.06 Uhr sei "an alle Veranstalter" per Mail und Fax weitergeleitet worden - mit der Empfehlung, Veranstaltungen vorsorglich abzubrechen. Auf die Frage, ob unter den Empfängern auch die Baden-Baden Events GmbH (BBE) war, hieß es: "Das müsste der Fall sein." Ob der Warnung gefolgt werde, liege dann aber in der Verantwortung der Veranstalter.

BBE-Chefin Nora Waggershauser sagte dagegen, dass es ihres Wissens keine Warnung von der Feuerwehr gegeben habe. Das Fest vor dem Kurhaus sei von der BBE aber "rechtzeitig abgebrochen" worden. Es habe Durchsagen gegeben, in denen die Besucher zur Evakuierung des Geländes aufgefordert worden seien. "Vier kaputte Schirme und einige Gläser, die zu Bruch gegangen sind", bilanzierte sie den Sachschaden als gering und sah deshalb kein Problem darin, das Fest gestern wie geplant fortzusetzen. Glücklicherweise habe es keinen Personenschaden gegeben.

Walter Mäcken, der für die BBE das Sicherheitskonzept erarbeitet hat, betonte, dass in solchen Fällen der Veranstalter die Verantwortung trage und die Wetternachrichten sowie die Entwicklung am Himmel verfolgen müsse. Waggershauser nehme Sicherheit "sehr ernst", betonte er. Die BBE habe sich direkt nach Übernahme der Geschäftsleitung durch sie dieser Thematik ernsthaft zugewendet und Sicherheitskonzepte für alle Events im Freien veranlasst. Darin verlange er auch "eine Beschallungsanlage mit entsprechender Qualität, damit alle Besucher im Ereignisfall gewarnt oder evakuiert werden können. Solch eine Einrichtung ist bei den Sommernächten installiert", betonte Mäcken. Selber vor Ort war er aber während des Unwetters nicht - insofern könne er nichts über die Geschehnisse vom Samstag sagen.

Zu spät mit



Evakuierung begonnen?

Besucher des Festes und auch Mitarbeiter von Gastronomiebetrieben berichteten gegenüber dem BT, dass mit der Evakuierung erst begonnen wurde, als das Unwetter schon tobte. In Iffezheim war ein Open-Air-Konzert längst abgebrochen, im Murgtal und Sinzheim hatten angesichts der Wetterentwicklung mehrere Veranstalter die Reißleine gezogen. Im Kurgarten passierte demnach aber erst einmal nichts. Bei den ersten Regengüssen drängten sich die Menschen dann unter Dächer und Schirme, urplötzlich setzten massive Schauer ein, der Wind entwickelte sich zum Sturm, die Lage wurde bedrohlich.

Womöglich ist es einem Mitarbeiter von Gastronom Bernd Werner zu verdanken, dass es keine Verletzten gab. Konsequent forderte der Mann die unter offenen Schirmen zusammengedrängten Besucher auf, sofort den Bereich zu verlassen. Die Menschen schrien angesichts der heftigen Böen auf, waren schnell bis auf die Haut durchnässt und drängten sich durch den engen Eingang ins Kurhaus oder seitlich unter den Wandelgang. An den Tischen anderer Gastronomen folgten die Besucher dem Beispiel und rannten nun ebenfalls aus der Gefahrenzone. Für vier der großen Schirme war es da bereits zu spät. Einer wurde völlig zerfetzt und flog über die Tische, andere wurden abgeknickt wie Streichhölzer. Flaschen und Gläser flogen umher und gingen zu Bruch. Der Wetter-Spuk dauerte noch eine Viertelstunde.

Sehr professionell reagierten danach viele Bedienungen, die sofort begannen, Scherben zusammenzukehren und so Gefahrenpunkte zu beseitigen. Etliche Kunden nutzten das Unwetter für einen stillen Abgang, ohne ihre Rechnung zu zahlen. Doch es gab auch Beispiele von Besuchern, die sich ausdrücklich zurückmeldeten, damit das Personal nicht leer ausgeht. Jedenfalls dürfte allen Beteiligten der Schreck noch lange in den Gliedern sitzen und intensiver in Erinnerung bleiben als das Musikprogramm der Partytage, aus dem das Konzert der Michael-Jackson-Tribute-Band vom Freitagabend hervorstach, als bei sommerlichen Temperaturen noch allerbeste Stimmung im Kurgarten herrschte.

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